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Mieten in Köln: Theaterstück zeigt, wie absurd die Wohnungssuche ist

Theaterstück in Köln  

Absurde Mietercastings: "Stöhnen Sie kurz, aber aussagekräftig"

Von Thomas Dahl

25.04.2021, 09:59 Uhr
Mieten in Köln: Theaterstück zeigt, wie absurd die Wohnungssuche ist . Eine Probenszene aus "Die Lage": Ein Ex-Mieter (Charles Ripley) versucht, das Vorgehen der Maklerin (Mirjam Radovic) und seine Vertreibung aus der Wohnung zu dokumentieren. (Quelle: Freies Werkstatt Theater Köln)

Eine Probenszene aus "Die Lage": Ein Ex-Mieter (Charles Ripley) versucht, das Vorgehen der Maklerin (Mirjam Radovic) und seine Vertreibung aus der Wohnung zu dokumentieren. (Quelle: Freies Werkstatt Theater Köln)

Ein Kölner Theater inszeniert Thomas Melles Stück "Die Lage" als absurdes Mietercasting. Die Macher gewähren vorab einen Einblick in einige Szenen.

Die voranschreitende Gentrifizierung lässt Mietobjekte in vielen deutschen Städten als Luxusgüter erscheinen. Nicht nur das Bankkonto, sondern offenbar auch immer mehr individuelle Vorlieben und Eigenarten bestimmen den Vertragsabschluss. Das Freie Werkstatt Theater Köln nimmt sich dieser Thematik in einer Adaption des Stückes "Die Lage" von Thomas Melle an.

Die Zuschauer erwartet in dem laut Theatermachern "zeitkritischen Werk" eine absurde Casting-Show inklusive Seelenstriptease, für die unter anderem Bürgerinnen und Bürger aus der Südstadt zur Einsendung ihrer "Wohngeschichten" aufgerufen waren. 

Anja Jazeschann, Michel Kopmann und Charles Ripley (v. l., Probenfoto): Die Interessenten schauen sich nach einer bezahlbaren Mietwohnung um. (Quelle: Freies Werkstatt Theater Köln)Anja Jazeschann, Michel Kopmann und Charles Ripley (v. l., Probenfoto): Die Interessenten schauen sich nach einer bezahlbaren Mietwohnung um. (Quelle: Freies Werkstatt Theater Köln)

Die absurdesten Szenen

In "Die Lage" werden Wohnungsinteressenten in allen Lebensbereichen auf ihre Tauglichkeit als Mieter überprüft: Es geht um Vorzeigefamilien, stillen Sex und unterschwelligen Rassismus, wie ein Vorabeinblick zeigt:

  • Neben den potenziellen Mietbewerbern stehen die Stammbäume der Protagonisten im Fokus des Skripts. Umfangreiche Familienfotos als Ausdruck und Downloadlink sind beim Vorstellungsgespräch mit sich zu führen.
  • Ebenso spielt die Akustik eine Hauptrolle: "Wie laut sind Sie als Paar?", muss nicht nur als Fragestellung akzeptiert, sondern mittels Stöhnproben – plus 20 Dezibel-Aufschlag – live demonstriert werden. "Stöhnen Sie kurz, aber aussagekräftig und wirklichkeitsgetreu!", lautet beispielsweise ein Appell bei einer Wohnungsbesichtigung.
  • Auskünfte über die sexuelle Orientierung im Beisein von Nachbarn werden zu förmlichen Nebeninfos, die das Profil zum Wohle von Vermietern und der kritischen Hausgemeinschaft komplettieren.
  • Schließlich werden auch die Themen Rassismus ("Wo kommen Sie her?") und Homophobie ("Wie oft übernachtet deine Freundin bei dir? Du hast keine? Einen Freund? Wir brauchen nicht noch einen sexuellen Durchlauferhitzer.") als gesellschaftliche Probleme aufgegriffen.

In seiner theatralischen Überspitzung spiegelt das Stück "Die Lage" gesellschaftliche Tendenzen wider, die Fiktion und Realität scheinbar verschmelzen lassen. Wie viel wirkliche Erfahrungen in dem Stück stecken, wollen Regisseur Kay Link sowie Theaterleiter Gerhard Seidel bis zur Premiere nicht verraten.

Die Theatermacher mussten die Premiere wegen Corona bis auf Weiteres verschieben. Auf der Homepage können Interessierte sich über "Die Lage" informieren.

Verwendete Quellen:

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