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Köln: Fahrradpreis für "Kidical Mass" – "Lobbyarbeit für die Unmutigen"

INTERVIEWFahrradpreis für Kölner Initative  

"Wir machen Lobbyarbeit für die Unmutigen"

Von Stefan Rahmann

29.04.2021, 11:34 Uhr
Köln: Fahrradpreis für "Kidical Mass" – "Lobbyarbeit für die Unmutigen". Die "Kidical Mass" auf der Kölner Severinsbrücke. (Quelle: Stefan Flach)

Die "Kidical Mass" auf der Kölner Severinsbrücke. (Quelle: Stefan Flach)

Kinder aufs Rad – die "Kidical Mass" kämpft deutschlandweit und darüber hinaus für fahrradfreundliche Städte. Dafür hat die Kölner Initiative den Deutschen Fahrradpreis bekommen. t-online hat mit einer der Initiatorinnen gesprochen.

Das Aktionsbündnis "Kidical Mass" Köln hat den Deutschen Fahrradpreis 2021 in der Kategorie Kommunikation gewonnen. t-online hat mit Simone Kraus gesprochen, die in Hamburg beim digitalen Nationalen Radverkehrskongress des Bundesverkehrsministeriums stellvertretend und analog den Preis entgegengenommen hat.

t-online: Der Deutsche Fahrradpreis zeichnet Projekte und Initiativen aus, die den Radverkehr in Deutschland fördern wollen. Wofür habt ihr den Preis gewonnen?

Simone Kraus: Am 19. und 20. September 2020 fand erstmals das Kidical-Mass-Aktionswochenende mit über 22.000 Teilnehmenden in 104 Städten in ganz Deutschland und darüber hinaus statt. Die Kidical Mass Köln hat es initiiert und koordiniert.

Was war da los?

Wir sind in Gruppen mit Kindern Rad gefahren und haben für fahrrad- und kinderfreundliche Städte demonstriert. Die Kidical Mass hat die Vision, dass sich Kinder und Jugendliche sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können. Sie gibt den Kindern eine Stimme im Verkehr, zeichnet ein positives Zukunftsbild, vernetzt und mobilisiert Alt und Jung über die Grenzen der Radszene hinaus.

Ihr nennt euch Aktionsbündnis: Wer ist beteiligt?

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), Campact, Changing Cities, das Deutsche Kinderhilfswerk, Greenpeace, die RADKOMM und der VCD (Verkehrsclub Deutschland) sind überregionale Unterstützer. Herzstück sind über 150 lokale Organisationen. Denn in erster Linie sind wir ein dezentrales, selbst organisiertes Netzwerk von Berlin bis Kusterdingen in Baden-Württemberg mit 8.000 Einwohnern.

Worum geht es euch konkret?

Wir machen Lobbyarbeit für die Unmutigen. Es geht nicht darum, für diejenigen, die schon Rad fahren, ein paar kosmetische Verbesserungen umzusetzen, sondern um ein komplettes Umkrempeln unserer Verkehrsinfrastruktur und unseres Verständnisses für die Nutzung des öffentlichen Raums. Wir wollen, dass Radfahren zum Alltag und für alle Generationen sicher und bequem wird.

Simone Kraus mit ihrer Tochter bei der Preisverleihung in Hamburg. (Quelle: Michael Deckbar)Simone Kraus mit ihrer Tochter bei der Preisverleihung in Hamburg. (Quelle: Michael Deckbar)

Dafür müssen wir alte Denkmuster aufbrechen und eine Priorisierung für den Fuß- und Radverkehr erreichen. Wir wollen Politik und Verwaltung zu einer progressiven Verkehrspolitik ermutigen. Ein aktueller Erfolg in Köln ist der geschützte Radweg, der in Kürze auf der Aachener Straße am Aachener Weiher entsteht. Diese Stelle haben wir ausgesucht. Wir haben beim ersten Lockdown gesehen, dass die Aachener Straße quasi zur Geisterstraße wurde. Da konnte man mal sehen, wie viel Platz da ist.

Sogenannte Pop-up-Bike-Lanes wie beispielsweise in Berlin hat es in Köln während Corona nicht gegeben.

Das stimmt. Wir müssen in Köln wirklich um jeden Meter Radweg kämpfen. Bei den Pop-up-Bike-Lanes gibt es Missverständnisse. Viele glauben, dass die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Das stimmt nicht. Die sind gekommen, um zu bleiben. Da geht es am Ende nur noch darum, nachzujustieren, wenn Verbesserungsbedarf erkennbar wird. Kritisch sehen wir die langen Planungsprozesse. Oft ist es so, dass die Pläne, wenn sie denn endlich umgesetzt werden, nicht mehr den aktuellen Standards entsprechen.

Wie wollt ihr Kinder unterstützen?

Wir fordern, Schulen mit Radwegen zu vernetzen. Beispiel ist Kopenhagen. Ganz wichtig ist, sogenannte Schulstraßen einzurichten. Das heißt, dass wir Straßen vor Schulen temporär, also beispielsweise von halb acht bis acht, für Autos sperren. Kinder und Eltern sollen mit dem Rad kommen. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, ihre Umwelt deutlich weniger wahrnehmen als Kinder, die auf dem Schulweg aktiv sind.

Wofür verwendet ihr das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro?

Für das nächste Kidical-Mass-Aktionswochenende, das wir kurz vor der Bundestagswahl im September organisieren. Dort wollen wir in vielen Orten mit den Kandidaten ins Gespräch kommen. Denn eins ist klar: Wir sind viele. Wir müssen Politik und Verwaltung klar machen: Auf uns könnt ihr bauen, wenn das Geschrei losgeht, weil eine Autospur wegfällt.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Simone Kraus

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