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Köln: "Goldjungs" blickt auf historische Pleite der Herstatt-Bank

Pleite der Herstatt-Bank  

Das eigentliche Kölner Drama hinter "Goldjungs"

06.05.2021, 10:29 Uhr | dpa

Köln: "Goldjungs" blickt auf historische Pleite der Herstatt-Bank. Die sechs "Goldjungs" pflegen ihr Image (Szenenfoto): Die sechs jungen Devisenhändler sorgten für den Kollaps der Kölner Herstatt-Bank im Jahr 1974. (Quelle: dpa/Frank Dicks/WDR)

Die sechs "Goldjungs" pflegen ihr Image (Szenenfoto): Die sechs jungen Devisenhändler sorgten für den Kollaps der Kölner Herstatt-Bank im Jahr 1974. (Quelle: Frank Dicks/WDR/dpa)

Der Film "Goldjungs" erzählt vom Kollaps der Kölner Herstatt-Bank. Darin sorgen junge Devisenhändler für glänzende Bilanzen – und am Ende für die bis dahin größte Bankenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte. 

In der Komödie "Goldjungs" geht es um die Pleite der Kölner Herstatt-Bank. Die jungen, erfolgsverwöhnten Männer vernichten nicht nur das Vermögen der Bank, sondern damit auch das Geld zahlloser Menschen. Eine irrwitzige Satire mit 70er-Jahre-Feeling. 

Die titelgebenden Goldjungs sind sechs Devisenhändler, die in Sportwagen Kolonne fahren, buchstäblich auf dem Tisch tanzen und auftreten wie Rockstars. Bankdirektor Herstatt fällt auf sie herein. "Das sind meine Goldjungs", sagt er voller Stolz. Doch die zunächst lukrativen Devisengeschäfte geraten außer Kontrolle und die Goldjungs werden zu Betrügern, die das Institut immer weiter in den Abgrund steuern.

In wenigen Jahre war das Kölner Geldhaus zu einem großen Finanzinstitut geworden, mit 850 Mitarbeitern und 31 Filialen. Das Juwel war zunächst der Devisenhandel, mit dem man sich auf Augenhöhe mit Branchenriesen wie der Chase Manhattan Bank sah.

Im Rückblick ist es eine skurrile Geschichte: Versicherungsunternehmer Hans Gerling, im Film gespielt von Martin Brambach ("KDD, Kriminaldauerdienst"), stieg bei einer kleinen Bank ein, um keine Geschäfte mit Großbanken machen zu müssen. Als Direktoren inthronisierte er seinen alten Schulfreund Herstatt, dem er viel Freiraum ließ. Ein Fehler: Es wurde ein desaströses Verlustgeschäft für Gerling. 1974 flogen faule Geschäfte auf und die Bank kollabierte.

Kein dramatischer Tiefgang

Vor den historischen Hintergründen erzählen die Filmemacher eine irrwitzige Geschichte in goldgelben Farben und mit Partysongs der 70er Jahre. Dramatischen Tiefgang gewinnt der Film nicht – dafür sind Handlung und Dialoge zu überspitzt und die Figuren zu flach gezeichnet.

Die Satire sei die richtige Form, um eine so unglaubliche Geschichte darzustellen, heißt es von den Filmemachern – weil der Zuschauer die Geschichte sonst gar nicht glauben würde. "Das Schmerzhafte an solchen Satiren ist die Tatsache, dass die Geschichte im Kern wahr ist", sagt Produzent Michael Souvignier.

Einfache Angestellte bekamen Millionenkredite

Erzählt wird der Plot aus den Augen einer naiven Sekretärin (Michelle Barthel, "Wir sind die Welle"), die sich in einen der Goldjungs und damit auch in die glitzernde Welt des schnellen Geldes verliebt – auch sie wagt riskante Geldanlagen. Noch ein reales Kuriosum der Herstatt-Pleite: Auch einfache Angestellte bekamen Millionenkredite, mit denen sie spekulative Geschäfte eingingen.

Komödiantisches Herzstück des Films ist Waldemar Kobus ("Black Book") als Bankdirektor Herstatt. Der fühlt sich in seiner Karnevalstracht am wohlsten. "Er war in rund 30 Karnevalsgesellschaften engagiert, dazu Mitglied in 20 weiteren Kölner Vereinen", berichtet Volker A. Zahn, der zusammen mit seiner Frau Eva das Drehbuch schrieb.

"In jeder Karikatur steckt ein wahrer Kern"

"Eine echte Frohnatur, durch und durch kölsch, sehr jovial und dabei ausgesprochen standesbewusst." Bei einem Abendessen in der Villa seines Schulfreundes Gerling singt Herstatt frenetisch ein Karnevalslied und bekommt dafür indignierte Blicke. "Mer losse d'r Dom en Kölle, denn do jehöt hä hin!" Autorin Zahn sagt über die Filmfigur: "Natürlich erscheint Herstatts Charakter überzeichnet, aber in jeder guten Karikatur steckt ein wahrer Kern."

"Goldjungs" ist eine mit leichter Hand geschriebene Komödie, die bei einem Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte ganz bewusst nur an der Oberfläche kratzt. Ein historisches Bankendrama wird Teil der abendlichen Fernsehunterhaltung. Das humorvolle Format hätte dem Karnevalisten Herstatt wohl durchaus gefallen. Dass ihm hier die Hauptfigur beschieden ist als tölpelhaftem Narren, wohl weniger.

"Goldjungs" sahen laut ARD am Sendeabend 4,87 Millionen im TV und 500.000 Zuschauer online. Die Komödie ist bis 5. August 2021 in der ARD-Mediathek abrufbar.

Verwendete Quellen:

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