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Kölner Nahverkehr: Das sind die Bahnstationen des Grauens


Das sind die Kölner Bahnstationen des Grauens

Von Christopher Dröge

Aktualisiert am 12.07.2021Lesedauer: 4 Min.
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Aufgang zum S-Bahnhof Nippes: Mehrere Bahnhöfe in Köln erhielten schlechte Bewertungen.
Aufgang zum S-Bahnhof Nippes: Mehrere Bahnhöfe in Köln erhielten schlechte Bewertungen. (Quelle: Von Christopher Dröge)
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Bei Halt: Schmierereien, Dreck und Angst: In Köln gibt es einige Bahnhaltestellen, an denen man sich wohl nicht länger als nötig aufhalten möchte. Ein t-online-Autor wagt einen Ortsbesuch.

Die Bahnstationen im Rheinland haben gelitten, das geht zumindest aus einem jüngst veröffentlichten Bericht des Verbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) hervor. Bei dieser jährlichen Erhebung werden alle 201 Bahnstationen des Rheinlandes nach einem Ampelsystem im Hinblick auf Erscheinungsbild, Sauberkeit und Funktionalität bewertet. Für das Corona-Jahr ist das Urteil wenig schmeichelhaft.

Nur 63 Prozent der Bahnhöfe werden in der grünen Kategorie "akzeptabel" eingestuft. Ganze 10 Prozent, also 21 Stationen, wurden als "nicht akzeptabel" bewertet, die unterste Kategorie – 2019 waren es noch 8 gewesen.

Auf dem Kölner Stadtgebiet finden sich allein sieben dieser unzumutbaren Stationen – drei der vier am schlechtesten bewerteten Bahnstationen des ganzen Rheinlandes liegen dabei auf der Strecke der S-Bahnlinien S11 und S6. Diese führen vom Hauptbahnhof über den Kölner Norden in Richtung Dormagen und Düsseldorf.

Der S-Bahnhof Nippes: Laut Bewertungskriterien des NVR ist es der schlechteste Bahnhof in NRW.
Der S-Bahnhof Nippes: Laut Bewertungskriterien des NVR ist er der schlechteste Bahnhof in NRW. (Quelle: Von Christopher Dröge)

Im innerstädtischen Bereich befindet sich der Bahnhof mit der schlechtesten NVR-Bewertung: Die Station Nippes ist das Schlusslicht der gesamten Rangfolge von 200 Bahnhöfen.

Nur 63,65 Prozent erreichte dieser nach den Bewertungskriterien des NVR. Wobei sich der Bahnsteigbereich sogar vergleichsweise manierlich präsentiert – auch wenn die Abfalleimer oft überquellen und die Glasscheiben des Windschutzes regelmäßig zertrümmert werden.

"Paradebeispiel für einen Angstraum"

Hier sind es die Zunahme an Graffiti und die Zugänge, die für die deutliche Verschlechterung der Bewertung gesorgt haben. Letztere sind schummrig, dreckig und eng, auch weil der Aufzug zum Bahnsteig in den Eingangsbereich der nördlichen Zugangstreppe gebaut wurde und sich als dauerhaftes bauliches Provisorium präsentiert.

U-Bahn Geldernstraße/Parkgürtel : Der wuchtige Bahnhof schnitt im Ranking eher schlecht ab.
U-Bahnhof Geldernstraße/Parkgürtel: Der wuchtige Bahnhof schnitt im Ranking eher schlecht ab. (Quelle: Eduard Bopp)

Eine Station weiter Richtung Norden liegt der Bahnhof Geldernstraße/Parkgürtel, ein brutalistisch anmutender Bau aus den 1970er-Jahren. Die Station liegt zwar nur auf dem neuntletzten Platz, gilt jedoch wegen ihrer schwer einsehbaren Architektur als Paradebeispiel für einen Angstraum.

Hier ist es auch der Wetterschutz, der eine rote Karte erhält: Die Station liegt als weithin höchste Erhebung so exponiert im Wind, dass praktisch ein ständiger Zug herrscht und das Flachdach höchstens bei Windstille gegen Regen hilft.

"Ich bin jedes Mal erschüttert"

Einen Haltepunkt weiter liegt der Bahnhof Longerich. Er ist im Ranking auf dem drittletzten Platz gelandet. Auf den ersten Blick übertrifft dieser den Nippeser Bahnhof in Sachen Verwahrlosung jedoch bei Weitem: In der Eingangshalle des 1934 in Betrieb genommenen Bahnhofgebäudes sind viele Fenster zerborsten, von den Wänden bröckelt der Putz. "Ich bin hier jedes Mal erschüttert, das Gebäude fällt buchstäblich auseinander", kommentiert Eduard Korn aus dem Vorstand des Bürgervereins Longerich.

Über Treppen führt ein langer, niedriger Korridor, in dem es regelmäßig nach Urin stinkt, zu den Bahnsteigen. Diese bauliche Eigenart macht die Longericher Station auch zu einem Relikt aus der Zeit vor der Barrierefreiheit. Hier gibt es nicht einmal Rolltreppen, von einem Aufzug ganz zu schweigen.

Weiter auf dem Weg nach Norden passiert man die Stationen Volkhovener Weg, Chorweiler, Chorweiler-Nord und Blumenberg. Von diesen hat es nur Chorweiler in die grüne Kategorie geschafft.

Die Bahnstation Chorweiler-Nord: Zwar nicht unter den letzten Plätzen, macht aber dennoch einen trostlosen Eindruck.
Die Bahnstation Chorweiler-Nord: Zwar nicht unter den letzten Plätzen, macht aber dennoch einen trostlosen Eindruck. (Quelle: Christopher Dröge)

Worringen schließlich, der nördlichste Bahnhof auf Kölner Stadtgebiet, liegt direkt vor Longerich auf dem viertletzten Platz. Als Windschutz wurden hier Betonelemente verbaut, die wiederum für schwer einsehbare Ecken sorgen. Zum Bahnsteig führt nur ein unterirdischer Tunnel, der augenscheinlich nie gesäubert wird und dessen Beleuchtung schon mal flackert.

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Der Tunnel am Bahnhof Worringen: Der gekachelte Gang wirkt auf viele Fahrgäste beklemmend.
Der Tunnel am Bahnhof Worringen: Der gekachelte Gang wirkt auf viele Fahrgäste beklemmend. (Quelle: Christopher Dröge)

Zustand der Bahnhöfe "ein Alarmzeichen"

Für Norbert Reinkober, Geschäftsführer des NVR, ist der Zuwachs an nicht mehr akzeptablen Stationen ein Alarmzeichen. Als Ursache werden in einer Pressemeldung auch die gefallenen Fahrgastzahlen während der Corona-Pandemie angeführt. So sei die "soziale Kontrolle nicht mehr gegeben" gewesen.

Doch das trifft offenbar nicht auf alle Stationen zu. "Ich steige hier seit 15 Jahren regelmäßig um, hier sah es noch nie anders aus", sagt etwa eine Frau, die auf eine Bahn in Richtung Dormagen wartet.

Für Daniel Esch, den Vorsitzenden des Bürgervereins Roggendorf/Thenhoven, ist der Tunnel unter der Station der Angstraum Nummer eins in seinem Viertel. "Gemeinsam mit dem Bürgerverein Worringen versuchen wir schon seit Jahren, darauf aufmerksam zu machen", sagt er.

Anwohner kämpfen vergeblich für merkbare Veränderung

Weiter südlich sieht es ebenfalls nicht nach schneller Besserung aus: Anwohner klagen seit Jahren über den Zustand der Stationen Longerich und Geldernstraße/Parkgürtel. Letztere wurde zwar 2013 saniert, die Maßnahmen blieben jedoch kosmetisch – eine grundlegendere Renovierung wurde zuletzt 2017 angekündigt, lässt jedoch bist heute auf sich warten.

Der Bahnhof Longerich stammt aus den 1930er Jahren: Das Alter sieht man ihm an.
Der Bahnhof Longerich stammt aus den 1930er-Jahren: Das Alter sieht man ihm an. (Quelle: Christopher Dröge)

Auch für den Longericher Bahnhof ist im Rahmen einer "Modernisierungsoffensive" des NRW-Verkehrsministeriums eine aufwendige Sanierung für rund 7 Millionen Euro geplant, wie 2019 bekannt gegeben wurde. "Bei genauerem Nachfragen stellte sich aber heraus, dass diese Mittel in einem Finanzplan stecken, der erst Jahre später zum Tragen kommen soll", sagt Eduard Korn vom Bürgerverein Longerich.

Die Planungsphase vor dem eigentlichen Baustart soll drei oder vier Jahre in Anspruch nehmen. Korn vermutet, dass der Zustand der Bahnhöfe auf offenbar ungeklärte Zuständigkeiten zurückgehe. "Bei Belangen der Deutschen Bahn weiß man einfach nie, wer verantwortlich ist", so Korn. "Da gibt es so viele Untergesellschaften und Verantwortlichkeiten, dass man von einem zum nächsten geschickt wird."

Derzeit sieht es wohl danach aus, dass die Fahrgäste die "nicht akzeptablen" Bahnstationen des Kölner Nordens noch länger werden akzeptieren müssen.

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Verwendete Quellen
  • Bericht des NVR
  • Gespräch mit Eduard Korn, Bürgerverein Longerich
  • Daniel Esch, Bürgerverein Roggendorf/Thenhoven
  • Berichterstattung im "Kölner Stadt-Anzeiger"
  • Eigene Beobachtungen
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Von Florian Eßer
Dormagen

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