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Köln/NRW: Immer mehr Flutopfer brauchen psychologische Hilfe

Nach der Flutkatastrophe  

Immer mehr Betroffene brauchen psychologische Hilfe

12.09.2021, 12:51 Uhr | dpa

Köln/NRW: Immer mehr Flutopfer brauchen psychologische Hilfe. Ein Mann steht an der Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen (Archivbild): Die mentale Belastung der Flutopfer zeigt sich erst Wochen nach der Katastrophe. (Quelle: imago images/Future Image)

Ein Mann steht an der Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen (Archivbild): Die mentale Belastung der Flutopfer zeigt sich erst Wochen nach der Katastrophe. (Quelle: Future Image/imago images)

Nicht nur die Aufräumarbeiten machen den Menschen in den Flutgebieten weiter zu schaffen, sondern auch zunehmend die mentale Belastung der Katastrophe. Die Anfragen nach psychologischer Hilfe häufen sich.

Zwei Monate nach der verheerenden Flutkatastrophe unter anderem in der Eifel und im Ahrtal suchen immer mehr Betroffene psychologische Hilfe. "Das kommt nicht unerwartet, weil die psychische Verarbeitung zunächst mit einer Phase des Gegen-Agierens beginnt, die hier sicherlich auch sinnvoll und hilfreich war", sagte Dieter Adler, der Vorsitzende des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks (DPNW). "Dann kommt die Verzweiflung mit der Ohnmacht."

Das Netzwerk stellte kurz nach der Flutkatastrophe 100 Therapieplätze für die Akutbehandlung zur Verfügung und richtete ehrenamtlich Telefonsprechstunden ein. "Unmittelbar nach der Flut war es zunächst sehr still. Jetzt steigen die Anfragen an."

Angst ist großes Thema unter Flut-Patienten

Nach massivem Starkregen, der in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli begann, waren in Nordrhein-Westfalen unter anderem in der Eifel und im Sauerland mehrere Ortschaften überflutet worden. 49 Menschen verloren allein in Nordrhein-Westfalen ihr Leben, bundesweit gab es 183 Opfer.

Viele Menschen in der Region kämpfen mit den psychischen Folgen. In der Traumaambulanz der Uniklinik Köln für Kinder und Jugendliche ist die Angst ein großes Thema unter den Flut-Patienten. Es sei typisch bei Krisensituationen wie etwa bei dem Hochwasser, dass sich Betroffene erst nach einiger Zeit melden, sagte die Leiterin der Spezialambulanz für Traumatisierung, Maya Krischer. "In der Regel sind Traumasymptome nicht sofort da." Sie rechnet bis zum Ende des Jahres mit einer steigenden Zahl von Anfragen.

Ereignisse werden erst später reflektiert

Zunächst kümmerten sich viele Menschen um faktische Themen – zum Beispiel das eigene Hab und Gut und die Aufräumarbeiten – , ehe sie die Ereignisse reflektierten. Ängste, Schlafstörungen, wiederkehrende und quälende Erinnerungen könnten die Folge sein. "Man beginnt keine traumaspezifische Behandlung, solange keine Sicherheit da ist", sagte Krischer.

So werde etwa ein Mädchen behandelt, das extreme Angst habe, in das eigene Haus zurückzukehren - weil es während des Hochwassers langsam überflutete. Deshalb möchte die Familie jetzt umziehen. Eine andere Patientin prüfe jeden Tag 20 Mal die Wetter-App, ob es regnen wird. Ein weiteres Kind wolle nicht mehr bei Regen vor die Tür gehen. Dies alles seien von der Naturkatastrophe geprägte Symptome.

Folgen der Katastrophe werden die Menschen noch lange beschäftigen

Der Verein Israaid Germany will Betroffenen Hilfe in Form einer Kunsttherapie anbieten. "Unsere Erfahrung ist, dass der Bedarf jetzt erst steigt: Einfach vor dem Hintergrund, dass sehr, sehr viele Menschen am Anfang noch mit dem akuten Aufbau und Aufräumen beschäftigt waren", sagte die Kunsttherapeutin Christine Köhler in Bonn.

Bereits eine Woche nach der Flut waren Freiwillige des Vereins vor Ort in NRW und Rheinland-Pfalz, um Schutt, Geröll und Müll mit wegzuräumen und Betroffenen zuzuhören. Aktuell suche man nach geeigneten Räumen – zum Beispiel in Seniorenheimen – in denen Menschen ihre Probleme in der Kunsttherapie langfristig verarbeiten können.

Die Folgen der Katastrophe würden die Menschen psychisch in jedem Fall noch lange beschäftigen, glaubt Wolfgang Heiler, leitender Notfallpsychologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Neue Belastungen wie etwa die Bedrohung der materiellen Existenz könnten neben den psychischen Belastungen dazukommen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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