Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

"Im Sommer hätten wir lockern können. Aber jetzt?"

Von Michael Hartke, Fabian Schmidt

04.10.2021Lesedauer: 2 Min.
Lehrerin mit Maske im Präsenzunterricht: Über die Maskenpflicht an Schulen wird heftig gestritten
Lehrerin mit Maske im Präsenzunterricht: Über die Maskenpflicht an Schulen wird heftig gestritten (Quelle: /imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextOrbán verbreitet VerschwörungstheorieSymbolbild für einen TextZDF-Serienstar Rainer Basedow ist totSymbolbild für einen TextUSA testen neue HyperschallraketeSymbolbild für einen Text17-jähriger Fußballprofi outet sichSymbolbild für einen Watson Teaser"Bauer sucht Frau": Bittere Abfuhr in letzter SekundeSymbolbild für einen TextBettensteuer mit dem Grundgesetz vereinbarSymbolbild für ein VideoSoldaten feiern Rückkehr der ESC-SiegerSymbolbild für einen TextSexuelle Belästigung bei S04-Platzsturm?Symbolbild für ein VideoUkrainische Armee sprengt BahnbrückenSymbolbild für einen TextEmbargo-Blockade lässt Ölpreis fallenSymbolbild für ein VideoMaserati-Fahrer beschädigt Wahrzeichen

Nach dem Ende der Herbstferien könnte die Maskenpflicht an Schulen in NRW fallen, wie bereits in anderen Bundesländern geschehen. Doch wäre das der richtige Schritt? Zwei Mütter argumentieren.

In Bayern und Berlin können Schülerinnen und Schüler bis zur sechsten Klasse seit Montag aufatmen: Sie dürfen beim Unterricht ihre Masken abnehmen, in Bayern sogar im gesamten Schulgebäude. Im Saarland gilt bereits eine ähnliche Regelung, in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es bereits seit dem Sommer Lockerungen der Maskenpflicht.

In Nordrhein-Westfalen hingegen ist noch unklar, wie es nach den Herbstferien weitergehen soll – mit Maske oder ohne? Das Thema ist hochumstritten, Schulministerin Yvonne Gebauer hat jedoch eine Entscheidung für diese Woche angekündigt.

Mütter starten Petition gegen Masken

Die Mütter Nina Poppe aus Köln und ihre Mitstreiterin Trixi Kolb aus Hilden haben bereits eine Petition ins Leben gerufen, fast 29.000 Mal wurde sie bislang unterzeichnet. Für sie ist die Maskenpflicht in der Schule eine Ungleichbehandlung von Kindern und Erwachsenen. Schließlich sorge die 3G-Regel bei Erwachsenen für Maskenfreiheit, während ihre ihre Kinder in der Schule trotz wöchentlichen Tests noch den ganzen Tag über Maske tragen müssen.

Gleichzeitig kritisierten Experten das bereits vollzogene Ende der Maskenpflicht an Berliner Schulen, demnach gebe es für diese Entscheidung "keine rationalen Gründe", sagte etwa die Leiterin der Forschungsgruppe "Neu auftretende Viren", Isabella Eckerle. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hingegen forderte ein deutschlandweites Ende der Maskenpflicht an Schulen. Kinder und Jugendliche hätten genug gelitten, zurückgesteckt und Rücksicht auf ältere Altersgruppen genommen.

Soll also auch NRW die Maskenpflicht am Platz aufheben?

Pro

Entweder gilt 3G überall als sicher – oder alle tragen wieder Maske

In allen gesellschaftlichen Bereichen gilt: Wer genesen, geimpft oder getestet ist, ist sicher. Besucher von Restaurants, Fitnessstudios oder Kinos dürfen sich dort aufhalten, solange sie möchten, und müssen keine Maske tragen. Warum gilt das also nicht auch in Grundschulen? Meine Kinder werden schließlich auch zweimal in der Woche auf das Coronavirus getestet. Trotzdem müssen unsere Kinder die Masken hier in NRW stundenlang aufbehalten?

Entweder gilt 3G in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens als sicher, oder alle – auch Genesene, Getestete und Geimpfte – müssen wieder Masken tragen. Das Coronavirus ist schließlich überall gleich gefährlich. Dass aber ein so großer Unterschied zwischen getesteten Erwachsenen und getesteten Grundschülern gemacht wird, ist schlicht ungerecht.

Immer wieder wird behauptet, Kinder würden das Masketragen so leicht wegstecken. Als Lehrerin und Mutter glaube ich das nicht. Ich glaube, dass die psychologischen Folgen der Maskenpflicht bei Kindern erheblich größer sind. Die Psyche hat einen großen Einfluss auf die körperliche Gesundheit. Für die Kinder kommt ein pädagogischer Aspekt hinzu: Die Masken verhindern nonverbale Kommunikation. Für diese muss man die Gesichter der anderen lesen und erkennen können.

Was die Ängste und Sorgen der Eltern mit vorerkrankten Kindern betrifft, habe ich vollstes Verständnis. Auch mein Kind hat eine Atemfunktionsstörung. Dennoch bleibe ich dabei, dass die Maskenpflicht am Platz entfallen muss. Das Sicherheitsnetz durch die Tests ist sicher. Um das Netz noch engmaschiger zu machen, fordere ich einen dritten Test pro Woche in ganz NRW. PCR-Tests gelten in anderen Lebensbereichen schließlich auch für 72 Stunden.

Als Grundschullehrerin kann ich außerdem sagen, dass Kinder in der Regel empathisch sind. Wenn in ihren Reihen ein schwer krankes Kind sitzt, werden sie solidarisch reagieren und die Masken aufsetzen. Davon bin ich überzeugt.

Kontra

Noch ein bisschen warten

Gegner der aktuellen Maßnahmen sagen gerne, dass man sich nicht in den Schulen anstecke – das ist richtig, denn wir haben ja auch die Masken: Neue Studien aus den USA zeigen, dass sich dort, wo die Maskenpflicht aufgehoben wurde, deutlich mehr Kinder in der Schule infiziert haben. Die US-Gesundheitsbehörde CDC sagt deshalb: Es ist ein massiver Unterschied, ob man in der Schule Masken trägt oder eben nicht.

Ich kann alle Eltern verstehen, die sich ein Ende der Maskenpflicht herbeisehnen. Ich würde mich auch freuen, wenn meine Kinder ohne Maske zur Schule gehen könnten. Aber dafür muss etwas getan werden. Im Sommer hatten wir trotz wahnsinnig niedriger Inzidenzen eine Maskenpflicht in der Schule – da hätte man vielleicht lockern können. Aber jetzt, mitten im Herbst, einfach die Masken abschaffen? Solange wir weder CO2-Ampeln noch Luftfilter an den Schulen haben?

Wir müssen auch an die Kinder denken, die sich nicht impfen lassen können, oder die Familienangehörige haben, die sich nicht impfen lassen können. Es ist wichtig, dass wir diese vulnerablen Familien weiter schützen – gerade jetzt, wo die Inzidenz bei Grundschulkindern höher ist als in anderen Altersgruppen.

Lasst uns noch die paar Wochen abwarten, bis die Zulassung des Impfstoffs in Sichtweite ist. Es gibt Familien, die sagen, wir haben es jetzt so lange geschafft, uns nicht zu infizieren – wir wollen auch die letzten Wochen noch schaffen. Weil auch die Langzeitfolgen nicht bekannt sind. Niemand weiß, was in zehn Jahren ist, wenn man Covid hatte.

Eine Möglichkeit, einen gewissen Grad an Sicherheit beizubehalten, wäre ein Kompromiss: Wenn wir weiterhin zwei PCR-Tests pro Woche haben, einen davon am Montag, dann ist am Montag Maskentag – weil wir ja erst später wissen, ob alle Schüler negativ waren. Ist das der Fall, dann entfällt ab Dienstag die Maskenpflicht. Aber auch ein dritter wöchentlicher PCR-Test wäre eine Möglichkeit, für größere Sicherheit zu sorgen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Grüne gewinnen haushoch, FDP stürzt ab
Von Carlotta Cornelius
CoronavirusHildenMaskenpflichtÖsterreich

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website