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Tübinger Professor begeistert bei Youtube: Fakten zu Russland und Ukraine


Tübinger Osteuropahistoriker
Professor landet YouTube-Hit mit Fakten zu Russland und Ukraine

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Von Michael Ströbel

Aktualisiert am 26.03.2023Lesedauer: 3 Min.
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Screenshot aus dem Youtube-Video mit Klaus Gestwa: Unaufgeregt behandelt der Osteuropa-Historiker acht verschiedene Thesen zu Russland, der Ukraine und dem Ukraine-Krieg.Vergrößern des Bildes
Screenshot aus dem YouTube-Video mit Klaus Gestwa: Unaufgeregt behandelt der Osteuropa-Historiker acht verschiedene Thesen zu Russland, der Ukraine und dem Ukraine-Krieg. (Quelle: Screenshot/Youtube/Uni Tübingen)

Wagenknecht, Krone-Schmalz, Guérot und Co.: Die Liste der selbsternannten Russland-Experten ist lang, das Fachwissen gering. Klaus Gestwa nervt das. Der Experte kontert mit Fakten.

Mit einem Faktencheck auf YouTube zu Russland und dem Krieg in der Ukraine hat Prof. Klaus Gestwa von der Universität Tübingen einen Nerv getroffen. Das Video mit dem Titel "Thesencheck: Diese 8 Behauptungen über den Krieg in der Ukraine sind falsch" wurde schon fast 350.000-mal aufgerufen (Stand 26. März).

Es ist untergliedert in acht Kapitel, in denen jeweils eine These aus Sicht der Osteuropaforschung beleuchtet wird. Etwa, dass sich Putin nur gegen die Nato verteidige, die Ukraine historisch gesehen zu Russland gehöre – mindestens aber die Krim und der Donbass – oder dass Verhandlungen des Westens mit Russland den Krieg längst hätten beenden können.


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"Es nervt dermaßen, diese intellektuell flachen und dreisten Beiträge zu sehen und zu hören"


Klaus Gestwa


An solchen und ähnlichen Falschinformationen rund um Russland und die Ukraine mangelt es im Internet gewiss nicht. Zahlreiche Prominente verbreiten spätestens seit Beginn des Krieges vor einem Jahr nur allzu oft Halbwahrheiten oder gar reine Putin-Propaganda und erschweren damit eine sachliche Diskussion. Darunter auch prominente Namen wie Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, Feministin Alice Schwarzer, die ehemalige Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz, Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot oder der "Verschwörungsguru" Daniele Ganser.

Ein Umstand, der Klaus Gestwa beinahe die Zornesröte ins Gesicht treibt. "Es nervt dermaßen, diese intellektuell flachen und dreisten Beiträge zu sehen und zu hören", sagt der Professor und Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Eberhard Karls Universität in Tübingen zu t-online. Er habe "das Gefühl, von einem Osteuropa-Historiker zu einem Scharlatanen-Entlarvungsspezialisten zu mutieren".

Ukraine befindet sich im Überlebenskampf um Sein oder Nichtsein

Viele haben laut Gestwa immer noch nicht verstanden, "dass Russland die Ukraine in einen Überlebenskampf gestürzt hat, bei der es buchstäblich um Sein oder Nichtsein eines unabhängigen Staats und einer europäischen Nation geht".

Prof. Dr. Klaus Gestwa.
Prof. Dr. Klaus Gestwa. (Quelle: Christopher Kuebler)

Klaus Gestwa

Prof. Dr. Klaus Gestwa ist seit 2009 der Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Er forscht zur Zeitgeschichte Russlands und der Ukraine. Während der vergangenen Jahre war er an mehreren internationalen Forschungsprojekten mit russischen und ukrainischen Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Bis zum Ausbruch der Corona-Epidemie war er regelmäßig zu Forschungsaufenthalten sowohl in Russland als auch in der Ukraine.

Zu viele seien jahrelang auf die von Moskau aufgezogenen Desinformationskampagnen hereingefallen, sagt Gestwa. "Noch viel schlimmer: Einige haben daraus für sich ein Geschäft gemacht, um Aufmerksamkeit in eigener Sache zu erzielen. Gabriele Krone-Schmalz und Daniele Ganser sind die beiden offenkundigsten Beispiel dafür". Viele fielen auf die beiden herein, "weil ihnen schlichtweg das Wissen zu Osteuropa fehlt, um deren Mythen zu entzaubern", so der Wissenschaftler weiter.

"Als Forscher und Forscherinnen können wir das nicht mehr ignorieren, sondern müssen mit unserer Sachkompetenz Widerrede leisten und die Desinformationen als solche entlarven", sagt Klaus Gestwa. Er sieht den Auftrag der Wissenschaft nicht nur in der Bildung, sondern auch in der Einmischung. "Der Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Osteuropa-Forscherinnen und -Forscher mit einem Schlag in eine viel politischere Rolle als früher gebracht."

45 Minuten voller Informationen

Rund 45 Minuten dauert das auf der Plattform YouTube veröffentlichte Video, das Klaus Gestwa in Kooperation mit der Hochschulkommunikation der Universität Tübingen aufgenommen hat und das Ende Februar online gestellt wurde.

Unaufgeregt und sachlich geht er dabei Punkt für Punkt die einzelnen Thesen und Behauptungen durch und liefert den entsprechenden Stand der Osteuropa-Forschung dazu. Wie es sich für wissenschaftliche Arbeiten gehört, kommt auch das Video nicht ohne einen ausführlichen Quellenapparat aus: Mehr als 30 Quellen wurden in einem Dokument gesammelt, das in der Video-Beschreibung verlinkt ist. Viele davon sind online verfügbar.

Empfohlener externer Inhalt
Youtube

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Diese acht Thesen werden in dem YouTube-Video ausführlich widerlegt:

  • These 1: Die Nato hat Russland bedroht – Putin musste sich verteidigen.
  • These 2: Die Ukraine gehört historisch gesehen zu Russland.
  • These 3: Niemand kann genau sagen, was Putin will.
  • These 4: Die Ukraine ist kein demokratischer Staat, sondern wird vom Westen und von Oligarchen gesteuert.
  • These 5: Die Krim und der Donbass gehören historisch gesehen zu Russland.
  • These 6: Wer Waffen liefert, verlängert den Krieg.
  • These 7: Russische Medien lügen auch nicht mehr als westliche.
  • These 8: Die Ukraine und der Westen hätten den Krieg längst über Verhandlungen beenden können

Klaus Gestwa freut sich über starke Resonanz

Die starke Resonanz auf das Video zeige, "wie groß gegenwärtig die allgemeine Nachfrage nach verständlich vorgetragener akademischer Expertise" sei. "Gefreut haben uns vor allem auch die zahlreichen Dankes-Mails und die interessierten Nachfragen. Wir konnten offensichtlich nicht nur gefährliche Mythen entzaubern, sondern vielen auch durch historisch-politisches Hintergrundwissen wichtige neue Orientierung vermitteln."

Doch das sei nicht immer so, verrät der Tübinger Professor: "Mitunter schlägt uns mächtiger Gegenwind und Wut entgegen. Man versucht, uns einzuschüchtern und aus dem politischen Diskurs zu drängen", spielt er auf die Resonanz auf sein erstes Interview mit t-online an.

Doch: "Nach der ersten verstörenden Erfahrung eines Shitstorms erschüttert mich nun kaum mehr etwas. Hassmails verstehe ich inzwischen als eine besondere Form des Lobs und als Nachweis, mit meinen Äußerungen einen wunden Punkt getroffen zu haben."

Verwendete Quellen
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