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Gladbach-Sportdirektor Eberl zur Kritik an Drmic: Totaler Unsinn

Gladbachs Manager im Interview  

Eberl: "...dann sind alle auf dem Holzweg"

28.08.2015, 09:05 Uhr | t-online.de

Gladbach-Sportdirektor Eberl zur Kritik an Drmic: Totaler Unsinn. Max Eberl ist seit 2008 Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. (Quelle: dpa)

Max Eberl ist seit 2008 Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. (Quelle: dpa)

Max Eberl ist in diesen Tagen ein viel beschäftigter Mann - noch mehr als sonst. Das Wechselfenster schließt sich bald und der Gladbacher Sportdirektor hat das Problem, dass mit Alvaro Dominguez und Martin Stranzl zwei Führungsspieler in der Abwehr fehlen. Nun muss er überlegen, ob die Borussia noch einmal zuschlagen wird.

Trotzdem nimmt sich der 41-Jährige die Zeit, mit t-online.de über die Gladbacher Transferpolitik und kurzfristiges Denken im Fußballgeschäft zu plaudern. Eberl moniert das Schwarz-oder-Weiß-Denken vieler Beobachter. Als es um Gladbachs Neuzugang Josip Drmic geht, wird der sonst so besonnene Manager emotional. Er wehrt sich gegen die jüngst in der Öffentlichkeit aufgekommene Kritik am Stürmer.

t-online.de: Herr Eberl, es sind nur noch wenige Tage bis zum Ende der Transferfrist. Steht bei ihnen das Telefon nicht mehr still?
Max Eberl: Das Bild vom Sportdirektor, der in dieser Zeit nur noch in seinem Büro auf Anrufe wartet, stimmt definitiv nicht. Wir arbeiten schon seit vielen Monaten an unserem Team. Der Kader steht soweit. Wir überlegen nun, ob noch kurzfristig ein Transfer notwendig ist.

Wo sehen sie Bedarf?
Die Verletzungen von Martin Stranzl und Alvaro Dominguez zwingen uns dazu, über unsere Besetzung in der Abwehr nachzudenken. Was ist machbar? Wen kannst du dir leisten? Parallel dazu werden dem Verein Spieler angeboten, die vielleicht in Ungnade gefallen sind oder aus anderen Gründen wechseln wollen.

So wie zuletzt Nico Schulz, den sie von Hertha BSC geholt haben.
Über Schulz hatten wir schon länger nachgedacht. Wir wussten, dass sein Vertrag 2016 ausläuft. Die Situation hat sich aber geändert und der Junge wollte direkt aus Berlin weg. Es war klar, wenn es mit einem Transfer klappt, dann jetzt. Und wir haben zugeschlagen.

In den Medien wurde spekuliert, dass es nun die Möglichkeit gibt, Dante zurückzuholen.
Namen kommentiere ich grundsätzlich nicht. Nur so viel: Wir machen uns über alle möglichen Szenarien Gedanken, da können sich die Fans sicher sein.

Dante ist ein gestandener Spieler mit jeder Menge Erfahrung. Wäre er ein untypischer Eberl-Transfer?
Überhaupt nicht. Ich kann diese Diskussion nicht ganz verstehen. Ich habe auch Martin Stranzl geholt, der war damals 31 Jahre alt. Die Grundfrage für mich lautet immer: Was braucht die Mannschaft? Stranzl ist der Kopf unserer Mannschaft. Es ist doch nur logisch, wenn wir darüber nachdenken, einen erfahrenen Spieler zu holen. Wenn es passt, haben wir keinerlei Scheu, einen älteren Profi als Führungsspieler zu verpflichten. Wir verfolgen eine klare Logik bei unseren Transfers. Auch wenn der eine oder andere das nicht so ganz versteht: Unsere Planung hat uns zu unseren jüngsten Erfolgen geführt.

Hat der Saisonstart mit den beiden Niederlagen den Eindruck verstärkt, dass sie noch tätig werden müssen?
Nein, das hat absolut keine Rolle gespielt.

Neuzugang Josip Drmic schien aber noch ein wenig zu fremdeln. Teilen Sie diesen Eindruck?
Es fehlt mir jegliches Verständnis dafür, dass ein Spieler, der erst ein paar Wochen da ist und erst drei Spiele gemacht hat, so beurteilt und der Stab über ihn gebrochen wird.

Er braucht also noch Zeit?
Natürlich! Granit Xhaka ist heute ein Weltklassespieler, der am Anfang auch als Fehleinkauf abgestempelt wurde. Luuk de Jong galt nach kürzester Zeit als Fehleinkauf. Und heute? Er spielt mit der PSV Eindhoven in der Champions League und ist der beste Spieler in Holland. Die unfassbare Schnelllebigkeit bei uns finde ich grenzwertig.

Sollten Fans und Medien sich ebenso in Geduld üben?
Was wäre denn die Konsequenz, wenn wir anders handeln würden? Sollen wir nur noch Spieler holen, die am nächsten Tag direkt funktionieren? Das wird für alle Beteiligten extrem schwer, das kann ich ihnen versichern.

Weil gerade junge Spieler Zeit brauchen, sich zu entwickeln?
Drmic ist gerade einmal 22 Jahre alt, das vergisst man gerne. Er hatte in Nürnberg vorletztes Jahr eine fantastische Saison. Bei Leverkusen hat es nicht so funktioniert. Nun ist er seit sechs Wochen bei uns und es heißt: 'Drmic ist eine Katastrophe'. Da habe ich ein riesiges Problem. Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass es nach so kurzer Zeit heißt: 'Katastrophe oder Superstar'. Das ist einfach totaler Unsinn. Es geht mir nicht darum, einen Transfer zu verteidigen, sondern um die Fairness, einem jungen Menschen die Chance zu geben, sich zu integrieren.

Der Vergleich mit de Jong drängte wohl sich bei einigen Beobachtern auf.
Wenn wir das machen, sind wir alle auf dem Holzweg. Wenn ein Transfer bei Gladbach nicht geklappt hat, heißt das doch nicht, dass wir jetzt alles in diesem Kontext sehen müssen. Da kann ich nur sagen: Dann habe ich keine Lust mehr irgendetwas zu erklären.

Das Interview führte Björn Wannhoff

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