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Schalke: Nastasic findet "Bundesliga nicht schlechter als Premier League"

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INTERVIEWSchalke-Star Nastasic  

"Bundesliga ist nicht schlechter als die Premier League"

Von Alexander Kohne

07.08.2018, 06:34 Uhr
Schalke: Nastasic findet "Bundesliga nicht schlechter als Premier League". Spielte zweieinhalb Jahre für Manchester City: Matija Nastasic. (Quelle: imago/Team 2)

Spielte zweieinhalb Jahre für Manchester City: Matija Nastasic. (Quelle: Team 2/imago)

Nach den Pleiten im Europapokal ist eine Diskussion um die Stärke der Bundesliga entbrannt. Schalkes Matija Nastasic wurde in England Meister und in Deutschland Vizemeister. Im Interview räumt er mit einigen Vorurteilen auf.

Trotz seines Alters von 25 Jahren hat Schalkes Matija Nastasic in seiner Karriere zahlreiche Spitzentrainer erlebt: Von Titelhamster Roberto Mancini über Taktik-Fuchs Manuel Pellegrini bis hin zu Champions-League-Gewinner Roberto Di Matteo. Ein Übungsleiter hat es Nastasic allerdings angetan: Sein aktueller Coach Domenico Tedesco.

t-online.de hat den Serben im Trainingslager im österreichischen Mittersill getroffen und mit ihm über Tedescos Erfolgsgeheimnis, die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga und seine persönliche Schmerztoleranz gesprochen.

t-online.de: Herr Nastasic, Sie haben vor einigen Monaten über Domenico Tedesco gesagt: "Mit diesem Coach können wir nur immer besser werden." Im letzten Jahr ist Schalke Zweiter geworden. Folgt jetzt also Platz eins?

Matija Nastasic: Was ich gesagt habe, stimmt immer noch. Und ich bin mir sicher, dass wir besser spielen können als in der letzten Saison – auch wenn wir da Zweiter geworden sind. Es wird auf jeden Fall eine schwierige Saison, weil die anderen Teams aufgeholt haben. Der Kampf um die Champions–League-Plätze wird härter als zuletzt.

Also ist der Titel kein realistisches Ziel?

Na, warum eigentlich nicht? (lacht) Im Ernst: Es ist immer leichter, nicht auf das große Ziel zu schauen, sondern in Etappen zu denken. Damit sind wir in der letzten Saison gut gefahren. Das behalten wir bei.

Matija Nastasic im Gespräch mit t-online.de-Redakteur Alexander Kohne.  (Quelle: t-online.de)Matija Nastasic im Gespräch mit t-online.de-Redakteur Alexander Kohne. (Quelle: t-online.de)

Aber viele Bayern-Spieler waren bei der WM, was die Vorbereitung für sie nicht einfacher macht. Sind die Chancen in so einem Jahr nicht besser als sonst?

Sagen wir so: In diesem Jahr wird es an der Spitze enger zugehen als im Vorjahr. Ich glaube nicht, dass die Bayern noch einmal mit 21 Punkten Vorsprung Meister werden, gerade weil viele Akteure zu Beginn wahrscheinlich noch nicht in Topform sein werden. Aber die Saison ist lang. Ich erwarte auf jeden Fall in dieser Saison ein engeres Rennen um die Meisterschaft.

Kommen wir nochmal zu Tedesco. Sie haben sich in der Vergangenheit immer sehr angetan von ihm präsentiert. Was ist sein Geheimnis?

Er spricht sehr viel mit uns Spielern und kann sehr gut erklären. Ich habe bisher überhaupt noch keinen Trainer erlebt, der so viel kommuniziert. Und zwar wirklich mit jedem. Wenn du weißt, dass du jederzeit mit dem Trainer sprechen kannst und seine Ratschläge fruchten, hilft das ungemein. Ich bin jetzt über dreieinhalb Jahren auf Schalke und habe manche schwierige Phase erlebt. Aber seitdem Domenico hier ist, haben sich sehr viele Dinge verändert. Jetzt sind wir auch einfach als Team viel stärker zusammengewachsen.

Hier im Trainingslager hat Tedesco Sie bei Taktik-Einheiten oft zur Seite genommen und Dinge eingehend erklärt. Teilweise hat er sehr intensiv gestikuliert. Ist es manchmal schwierig, ihm zu folgen?

Nein, das ist kein Problem. Gerade das mag ich auch so an seinem Training: Immer wenn etwas nicht so gut läuft, unterbricht er, um zu korrigieren. Das sieht von außen sicher manchmal seltsam aus, hilft uns aber ungemein. So schleifen sich erst gar keine Fehler ein.

Ist er taktisch der beste Coach, den Sie je hatten?

Ja.

Sehr kommunikativ: Domenico Tedesco (r.) mit Matija Nastasic. (Quelle: imago)Sehr kommunikativ: Domenico Tedesco (r.) mit Matija Nastasic. (Quelle: imago)

Sie haben bereits unter weltweit anerkannten Trainern wie Manuel Pellegrini oder Roberto Mancini trainiert… 

Domenico ist aber taktisch trotzdem der Beste. Definitiv.

Was macht er anders als Pellegrini oder Mancini?

Er kann seine Vorstellungen einfach super vermitteln. Außerdem spricht er – wie gesagt – sehr viel mit uns Spielern und er achtet sehr auf Details. Zusammen genommen macht er jeden Einzelnen dadurch einfach besser.

In der nächsten Saison spielt Schalke in der Meisterschaft, im Pokal und in der Champions League. Gerade in letztgenanntem Wettbewerb haben viele Akteure noch keine Erfahrung. Kann das ein Problem werden?

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die Champions League etwas ganz anderes ist als die nationale Liga. Und natürlich haben einige in unserem Kader da noch keine Erfahrung. Ich hoffe, dass sich die Jungs schnell darauf einstellen werden – auch auf den Drei-Tages-Spielrhythmus. Aber echte Probleme erwarte ich nicht.

Aufgrund der durchwachsenen Europapokal-Bilanz der letzten Jahre gibt es eine Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga – vor allem auch im Vergleich zur Premier League. Sie kennen beide Ligen sehr gut:  Ist die Bundesliga wirklich schlechter als die Premier League?

Nein, die Bundesliga ist nicht schlechter als die Premier League. Das hat man in den letzten Jahren in der Champions League gesehen, als es in direkten Duellen keinen Leistungsunterschied zwischen deutschen und englischen Teams gab – meistens haben sogar die deutschen gewonnen, allen voran Bayern. Von der Vermarktung her ist die Premier League natürlich etwas anderes, weshalb die Klubs dort einfach mehr Geld haben. Deshalb denken viele Leute fälschlicherweise, dass die Premier League auch sportlich besser ist. Sie ist an der Spitze vielleicht spannender, aber insgesamt nicht qualitativ besser.

Sie haben vor einigen Wochen ihren Vertrag bis 2022 verlängert – angeblich mit einer Ausstiegsklausel von 50 Millionen Euro. Würden Sie als Manager so viel Geld für einen Spieler ausgeben?

(Überlegt länger) Zu Details meines Vertrags möchte ich nichts sagen, aber generell ist das sehr viel Geld – eigentlich natürlich zu viel Geld. Aber mittlerweile wundert sich kaum jemand mehr über Transfersummen jenseits der 30-Millionen-Euro-Marke. Und das steigt von Jahr zu Jahr weiter. Ich persönlich denke, dass kein Spieler so viel kosten sollte. Aber die Entwicklung ist nun einmal so – das muss man akzeptieren. Als Spieler darfst du dich davon nicht zu sehr beeinflussen lassen.

Von Achillessehnenriss bis Kreuzbandanriss: Sie sind 25 Jahre alt, haben aber die Verletzungsgeschichte eines 35-Jährigen. Wie hat das Ihre Karriere und Sie als Person beeinflusst?

Da war sportlich natürlich oft sehr, sehr schwierig, wenn Du immer und immer wieder zurückgeworfen wirst. Aber – so abgedroschen es sich anhört – ich bin nach jeder Verletzung stärker zurückgekommen. Das hat mich als Person sicher ein Stück weit erwachsener gemacht. Außerdem habe ich im Laufe der Zeit gelernt, noch mehr in die Vorbeugung zu investieren.

Ein Kreuzbandanriss im April hat Sie die WM gekostet. Obwohl Sie danach schnell wieder fit wurden, hat Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic Sie nicht nominiert. Haben Sie das mittlerweile verdaut?

Ja, aber natürlich war das ein sehr schwieriger Moment. Das große Problem war, dass Krstajic mir nicht persönlich erklärt hat, warum ich nicht dabei bin. Stattdessen hat das der Nationalmannschaftsmanager getan, was schon überraschend für mich war.

Sind Sie von Krstajic enttäuscht?

Natürlich, es war ein großes Turnier und ich habe alles versucht, um dabei zu sein. Ich war wieder fit und habe mit dem Team trainiert. Da ist es schon hart, wenn Dich der Coach dann nicht einmal selbst anruft, um seine Entscheidung zu erklären. Hätte er das getan, wäre das alles kein Problem gewesen. Letztendlich habe ich seitdem kein einziges Mal Kontakt zu Kristajic gehabt.

Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic verzichtete bei der WM auf Nastasic. (Quelle: imago)Serbiens Nationaltrainer Mladen Krstajic verzichtete bei der WM auf Nastasic. (Quelle: imago)

War das die schwierigste Situation Ihrer Karriere?

Nein, das war ganz klar der Achillessehnenriss im August 2015. Wir waren in der Vorbereitung. Ich hatte in den Monaten vorher schon mit Schmerzen gespielt, zwischenzeitlich auch kurz pausiert, und dann kam der Riss. Das hat richtig geknallt. Danach war ich sechs, sieben Monate draußen, so lange wie noch nie zuvor.

Sie haben oft unter Schmerzen gespielt. Ist das für Sie mittlerweile normal?

Das hängt davon ab: Die Schmerztoleranz ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Wenn ich nur Kleinigkeiten habe, ist das kein Problem. Aber je älter du wirst, desto mehr horchst du in deinen Körper hinein und merkst, wann es Sinn macht, auch mal zu pausieren.

Haben Sie eine niedrigere Schmerztoleranz als die meisten Ihrer Mitspieler?

Ja.

Sind andere Spieler da weicher oder vielleicht auch etwas weinerlicher?

Das ist schwierig zu sagen. Jeder hat ein anderes Empfinden. Letztendlich muss ein Spieler zusammen mit den Ärzten und Physiotherapeuten gemeinsam entscheiden, was das Beste ist.

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