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"Warum die Nationalelf mit Löw nicht die Kurve kriegt"

  • Florian Wichert
Von Heiko Ostendorp und Florian Wichert

Aktualisiert am 03.09.2018Lesedauer: 1 Min.
Bundestrainer Joachim Löw erläuterte vergangene Woche in der mit 108 Minuten längsten Pressekonferenz aller Zeiten seine Erkenntnisse aus dem WM-Debakel. Er nominierte für die anstehenden Länderspiele 17 Spieler, die bei der WM dabei waren – sowie mit Kehrer, Schulz und Havertz drei Neulinge.
Bundestrainer Joachim Löw erläuterte vergangene Woche in der mit 108 Minuten längsten Pressekonferenz aller Zeiten seine Erkenntnisse aus dem WM-Debakel. Er nominierte für die anstehenden Länderspiele 17 Spieler, die bei der WM dabei waren – sowie mit Kehrer, Schulz und Havertz drei Neulinge. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)
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Löw steht vor der vielleicht wichtigsten Woche seiner Karriere als Bundestrainer. Kriegt er mit der DFB-Elf die Kurve? Ja, sagt Heiko Ostendorp. Nein, sagt Florian Wichert. Der "Zweikampf der Woche".

An dieser Stelle kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Head of Fußball und Sport bei t-online.de) und Heiko Ostendorp (Fußballchef beim Sportbuzzer) aktuelle Fußball-Themen. Diese Woche geht es um die Nationalmannschaft.

Bundestrainer auf Bewährung

Der Weltmeister als Aufbaugegner? Joachim Löw kommt das Duell mit Frankreich am Donnerstag (20.45 Uhr, im Liveticker bei t-online.de) in der Allianz Arena gerade recht. Sagt er. Die "Equipe Tricolore" um Jungstar Kylian Mbappe sei ein "top Auftaktgegner in dieser Situation", so Löw vor dem Treffen der deutschen Nationalmannschaft in München. Dabei könnte Frankreich für Löw beim Neustart nach dem WM-Desaster Schicksal spielen.


Der Bundestrainer steht gegen "Les Bleus" in der neuen Nations League und drei Tage darauf in Sinsheim gegen Peru (20.45 Uhr) unter Beobachtung. Er arbeite "auf Bewährung", heißt es beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hinter vorgehaltener Hand. Öffentlich will Löw (noch) kein hochrangiger Vertreter des deutschen Fußballs infrage stellen, stattdessen übten Verband und Liga in den vergangenen Wochen den großen Schulterschluss. Die spannende Frage:

Kriegt die Nationalmannschaft mit Löw als Bundestrainer die Kurve?

Pro
Heiko Ostendorp

Ja, weil Löw das Problem erkannt hat

Den ersten Schritt hat Joachim Löw bei seiner WM-Analyse gemacht. Der Bundestrainer gestand seine Fehleinschätzungen offen ein, nun muss er Taten folgen lassen. Zwar stehen noch 17 Spieler im Kader, die in Russland versagt haben. Aber keiner konnte ernsthaft erwarten, dass Löw gleich die halbe Mannschaft austauscht – was auch ein weiterer Fehler gewesen wäre.

Denn die Qualität bei der Nationalmannschaft ist unbestritten vorhanden, bei der WM scheiterte das DFB-Team vielmehr an der Einstellung. Löw hat das erkannt und wird seinen Spielern eintrichtern, was es braucht, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Dass er dazu in der Lage ist, hat er schon mehrfach bewiesen.

Schon am Donnerstag gegen den frischgebackenen Weltmeister Frankreich muss und wird die Nationalmannschaft ein anderes Gesicht zeigen als in Russland. Auch die Spieler wissen, dass sie den Kredit des Titelgewinns von 2014 verzockt haben und jetzt liefern müssen. Ganz sicher: Deutschland wird wieder zurückkommen.

Kontra
Florian Wichert
Florian Wichert

Nein, weil Löws Maßnahmen nicht tief greifend sind

Meine Meinung direkt nach dem WM-Desaster: Gut, dass Löw weitermacht, wenn er wirklich die angekündigten "tief greifenden" Maßnahmen umsetzt. Leider hat er das bisher nicht getan – und deshalb wird die Nationalelf auch nicht die Kurve kriegen.

Was hat sich geändert? Co-Trainer Schneider wurde "geopfert" und zum Chefscout gemacht. Neben den zurückgetretenen Spielern verzichtete Löw nur auf Khedira, der schon vorher gesagt hatte, dass er eine Nichtnominierung verstehen könne. Dazu will Löw die Spielphilosophie überarbeiten. Das ist zu wenig. Auch von Bierhoff und Grindel wird er im Stich gelassen, weil sie die Probleme wie die Entfremdung von den Fans nur halbherzig angehen.

Löw muss aufpassen, dass es ihm nicht wie Berti Vogts ergeht, der nach der schwachen WM 1998 erst weitermachte – und nach zwei misslungenen Tests doch zurücktrat. Auch Frankreich, Spanien und Italien erlebten als Weltmeister vier Jahre später ein WM-Debakel. Erst mit einem neuen Trainer kamen sie wieder auf die Beine.

Was denken Sie – wer hat recht?

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