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FC Bayern: "Der Abschied von Thiago ist sogar gut für den Rekordmeister"

PRO & KONTRASchwerer Verlust oder verzichtbar?  

"Thiagos Abgang wird Bayern das Herz rausreißen"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

27.07.2020, 11:48 Uhr
FC Bayern: "Der Abschied von Thiago ist sogar gut für den Rekordmeister". Seit 2013 beim FC Bayern, doch bis heute scheiden sich an Thiago die Geister. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Seit 2013 beim FC Bayern, doch bis heute scheiden sich an Thiago die Geister. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Mittelfeldstar Thiago verlässt nach sieben Jahren die Bundesliga – wird das für den FC Bayern ein Problem oder gar eine Chance?

Kaum ein Spieler spaltet die Meinungen der Fußballfans in Deutschland so sehr wie Thiago beim FC Bayern München. Die einen halten ihn für überschätzt und verzichtbar. Der Spanier tauche oft ab. Seine Kunst? Eher brotlos. Und ohnehin: diese Verletzungsanfälligkeit. In sieben Jahren seit 2013 hat Thiago immer wieder gefehlt und mit 231 Spielen verhältnismäßig wenige absolviert.

Auf der anderen Seite hat Thiago auch überragende Spiele bestritten und mit seiner einzigartigen Ballbehandlung Experten und Konkurrenten in der Bundesliga ins Schwärmen gebracht. Mit Thiago hat der FC Bayern in jedem Jahr die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Nun rückt der Abschied näher. Thiago besitzt zwar noch einen Vertrag bis 2021 bei Bayern, hat den Verantwortlichen aber schon mitgeteilt, "etwas anderes" machen zu wollen. Ein heißer Kandidat auf einen Transfer ist der FC Liverpool. Bei Bayern ist zwar nach wie vor kein offizielles Angebot eingegangen, dennoch diskutieren Fans und Experten bereits über die Frage:

Schwächt der Abgang von Thiago den FC Bayern? 

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, Bayern wird Thiago nie ersetzen können

Pep Guardiola forderte seinen Transfer 2013 mit den Worten "Thiago oder nix". Hansi Flick kämpfte später vor Verzückung mit den Tränen, als er bei einem Besuch als DFB-Sportdirektor Thiago live im Training sah - und hat nun als Bayern-Trainer mit allen Mitteln versucht, ihn doch von einem Verbleib zu überzeugen. Jürgen Klopp, der beste Trainer der Welt, will ihn zum FC Liverpool holen - zur besten Mannschaft der Welt. Und alle drei wissen: Sein Abgang wird Bayern das Herz rausreißen.

Ja, Thiago ist verletzungsanfällig. In "nur" 231 Spielen für den FC Bayern hat er "nur" 31 Tore geschossen und 37 vorbereitet. Aber Thiago ist kein Lewandowski oder Müller, sondern ein Künstler, Taktgeber und Virtuose. Um seine Brillanz zu erkennen, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste: ein etwas tieferer Blick in die Statistik. Thiago hat in der abgelaufenen Saison mehr Zweikämpfe gewonnen (71 Prozent) als Kimmich (57) oder Goretzka (49). Er hatte mehr Ballkontakte, hat mehr Pässe an den Mann gebracht, mehr Dribblings bestritten und mit Abstand die meisten gewonnen. Er hat sogar mehr gegrätscht und auch die meisten dieser Duelle gewonnen.

Die zweite: Man schaut Thiago einfach beim Fußballspielen zu. Wer die Schönheit seines Spiels in sieben Jahren Bundesliga nicht erkannt hat, ist wohl weder Fußball-Fan noch Experte.

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Kontra

Nein, der Thiago-Abgang wäre sogar gut für die Bayern

Fußballinteressierte auf der ganzen Welt schwärmen seit Jahren von Thiago: Er sei ein Fußball-Virtuose. Ein Ausnahmekönner am Ball. Einer, der jeden Pass zum Kunstwerk macht. Doch was bringt die ganze Zauberei, wenn dabei das Wichtigste auf der Strecke bleibt? Teamführung, Torbeteiligungen, Konstanz im eigenen Spiel.

Thiago ist beim FC Bayern ein viel zu gehypter Mitläufer – nicht mehr, nicht weniger. Und das bedeutet: Er kann bei einem Verein auf europäischen Topniveau zwar mithalten, aber viel zu selten den Unterschied ausmachen. Das war im Fall von Thiago schon in Barcelona so und hat sich in München nicht geändert.

Schon jetzt ist klar, dass Kimmich und Goretzka einen Abgang des Spaniers schnell vergessen lassen würden. Denn das DFB-Duo hat Thiago in der Bayern-Zentrale längst den Rang abgelaufen. Zum Vergleich: Thiago erzielte in dieser Bundesliga-Saison drei Tore, legte keinen Treffer auf. Kimmich traf viermal und kam auf neun Vorlagen, Goretzka traf sechsmal und steuerte ebenfalls neun Vorlagen bei.

Der Abgang des 29-Jährigen wäre sogar gut für den Klub. Dann könnten Kimmich und Goretzka noch freier entscheiden, was im Zentrum des Bayern-Spiels passiert. Und das wäre wichtig. Denn ihnen gehört nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft des Rekordmeisters.

Wer hat recht? 

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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