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Hertha BSC: Torwarttrainer Zsolt Petry klagt auf Weiterbeschäftigung

t-online exklusiv  

Hertha BSC: Torwarttrainer Petry klagt auf Weiterbeschäftigung

Von Andreas Becker

15.06.2021, 08:21 Uhr
Hertha BSC: Torwarttrainer Zsolt Petry klagt auf Weiterbeschäftigung. Jahrelang für Hertha im Einsatz: Zsolt Petry arbeitete seit 2015 mit Unterbrechungen für den Klub. (Quelle: imago images/Christian Schroedter)

Jahrelang für Hertha im Einsatz: Zsolt Petry arbeitete seit 2015 mit Unterbrechungen für den Klub. (Quelle: Christian Schroedter/imago images)

Im April kam es zum großen Knall zwischen Zsolt Petry und Hertha BSC. Nach fragwürdigen Äußerungen des Torwarttrainers entschied sich der Klub ihn freizustellen. Nun treffen sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht wieder.

Der Fall Zsolt Petry sorgte Anfang April 2021 für Schlagzeilen. Der ehemalige Torwarttrainer von Bundesligist Hertha BSC hatte sich in einem Interview mit der ungarischen Zeitung "Magyar Nemzet" kritisch zum Thema Migration geäußert. Zusätzlich löste er mit angeblich homophoben Äußerungen Diskussionen aus. Das ging sogar soweit, dass sich sowohl die ungarische als auch die deutsche Regierung genötigt sahen, sich einzuschalten.

Hertha zog schließlich die Reißleine und entließ Petry. In einer offiziellen Begründung hieß es unter anderem: "Hertha BSC hat die Charta der Vielfalt unterschrieben und setzt sich als Verein aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind. Dies findet sich in den Äußerungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder."

Petry klagt auf Weiterbeschäftigung

Am Dienstag nun treffen sich Petry und Hertha BSC vor dem Arbeitsgericht Berlin. Für 14.10 Uhr ist ein erster Gütetermin angesetzt. Und nach Informationen von t-online klagt die Petry-Seite auf Weiterbeschäftigung. Der Klub selbst würde sich gern von Petry, der einen unbefristeten Vertrag bei Hertha hat, trennen. Erste Gespräche über eine Vertragsauflösung sind gescheitert. Dass es am Dienstag zu einer gütlichen Vereinbarung kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Dann müsste das Verfahren fortgeführt werden.

Folgende Fragen müssen nun geklärt werden: Wie geht man mit der Übersetzungsproblematik von Petrys Äußerungen um? Er selbst hatte erklärt, dass es zu Kürzungen und falschen Übersetzungen seiner Aussagen gekommen ist. Und wie wird die freie Meinungsäußerung in Anbetracht eines bestehenden Arbeitsverhältnisse ausgelegt? Reichen die Aussagen also für eine Kündigung?

Worum geht es genau – und warum ist der Fall so brisant?

In dem Interview sagte Petry zur Migration in Europa: "Ich verstehe gar nicht, wie Europa moralisch so tief sinken konnte, wie jetzt. (...) Europa ist ein christlicher Kontinent, ich sehe den moralischen Niedergang nicht gerne, der den Kontinent niederfegt". Und weiter: "Die Liberalen blasen die Gegenmeinungen auf: Wenn du die Migration nicht gut findest, denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen, – dann werfen sie dir sofort vor, dass du ein Rassist bist."

In deutschen Medien waren zudem homophobe Zitate Petrys zu lesen, in denen er seinen Landsmann und Leipzig-Torwart Peter Gulasci kritisierte. Hintergrund: Gulacsi setzt sich gegen die Einschränkung der Rechte sexueller Minderheiten in Ungarn ein. Er hatte bei Facebook das Ende Dezember verabschiedete Gesetz kritisiert, durch das homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen. "Ich stehe für Regenbogenfamilien! Sprechen wir uns gegen Hass aus, lasst uns akzeptabler und offener sein! Alle Menschen haben das Recht auf Gleichheit", schrieb Gulacsi.

Petry wehrt sich gegen Vorwürfe

Petry wehrte sich anschließend in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegen die Vorwürfe, sich homophob geäußert zu haben: "Ich habe mich bemüht klarzustellen, dass jeder, so wie Peter, seine Meinung frei äußern darf. Ich gab jedoch zu bedenken, dass junge Spieler mit Äußerungen zu politischen Themen häufig Anfeindungen ausgesetzt sind, die ihre Karriere schädigen oder beenden können. Deshalb habe ich gesagt, ich weiß nicht, wie er das machen konnte. Nicht etwa, ich verstehe das nicht. Das war nicht korrekt übersetzt." Petry stellte zudem klar, dass ein wichtiger Satz aus dem Interview gestrichen worden war, nämlich dass er sich "sehr gut vorstellen kann, dass ein Kind in einer homosexuellen Familie sehr glücklich aufwachsen kann".

Hertha BSC sah sich trotz allem gezwungen, Petry als Torwarttrainer freizustellen. In einer Pressemitteilung hieß es: "Die Geschäftsführung von Hertha BSC hat sich in Bezug auf einige Äußerungen von Torwarttrainer Zsolt Petry in einem dem Verein vorher nicht bekannten Interview mit der ungarischen Zeitung 'Magyar Nemzet' nach intensiver Aufarbeitung und Beratung dazu entschlossen, Zsolt Petry mit sofortiger Wirkung freizustellen. Hertha BSC hat die Charta der Vielfalt unterschrieben und setzt sich als Verein aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind. Dies findet sich in den Äußerungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder."

Petry wurde in der Klub-Mitteilung so zitiert: "Ich möchte betonen, dass ich weder homophob noch fremdenfeindlich bin. Meine Aussage zur Einwanderungspolitik bedaure ich sehr und möchte all die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die ich damit beleidigt habe, um Entschuldigung bitten. Ich war sehr gerne für Hertha BSC tätig und respektiere diese Entscheidung. Ich wünsche allen bei Hertha BSC viel Erfolg für die Zukunft."

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