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Frauen und der Fußballplatz: Vogels Verbalaussetzer

Von dpa
Aktualisiert am 23.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kritisiert Heiko Vogel.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kritisiert Heiko Vogel. (Quelle: Matthias Balk/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Erst beschĂ€ftigte Heiko Vogels verbaler Aussetzer nur den Westdeutschen Fußballverband, inzwischen spricht ganz Fußball-Deutschland darĂŒber.

Der Satz "Frauen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen" an Schiedsrichterin Vanessa Arlt, den Gladbachs U23-Trainer am einrĂ€umte, ist inzwischen nicht mehr nur Thema fĂŒr LandesverbĂ€nde und Sportgerichte, sondern auch fĂŒr den DFB-PrĂ€sidenten Fritz Keller, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und die deutschen Nationalspielerinnen.

Der Fehltritt Vogels, der als Auflage eines Gerichts die Leitung von sechs Frauen-Trainingseinheiten zur Folge hat, entwickelte sich zu einer InitialzĂŒndung fĂŒr eine Debatte ĂŒber die Rolle der Frauen im Fußball. "Dass das heute noch passiert, zeigt tatsĂ€chlich, wie wenig akzeptiert Frauen zum Teil in der mĂ€nnerdominierten Fußball-Welt immer noch sind", sagte Voss-Tecklenburg im "Bayerischen Rundfunk". Ihre Spielerinnen um KapitĂ€nin Alexandra Popp hatten sich schon am Wochenende zuvor zu Wort gemeldet und Vogels Aussagen als "beleidigend und diskriminierend" bezeichnet.

Vogel entschuldigte sich ausfĂŒhrlich. Als sich schon fast alle anderen geĂ€ußert hatten, ließ Vogel ĂŒber seinen Verein mitteilen, dass er sein Verhalten "sehr bereue. Nach meinem Platzverweis habe ich in einem emotionalen Ausbruch gesagt, dass Frauen nicht auf den Fußballplatz gehören. Das war dumm, das war unsportlich und es war diskriminierend."

Doch der Offene Brief hatte zuvor schon Wirkung gezeigt. Reagierte der Deutsche Fußball-Bund zunĂ€chst mit einem Statement von VizeprĂ€sidentin Hannelore Ratzeburg, saß am Montagabend plötzlich Verbandschef Keller in einer Schalte mit Popp und TorhĂŒterin Almuth Schult. "Es war ein wertvoller und offener Austausch, in dem es darum ging, welche Steine unseren Fußballerinnen in den Weg gelegt werden. Sie werden teilweise immer noch massiv strukturell benachteiligt", stellte Keller fest. Dies sei "nicht akzeptabel".

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Es ist die Kombination aus der Verbalattacke und der folgenden fragwĂŒrdigen Auflage, die die Nationalspielerinnen so erzĂŒrnte. "Wir haben uns als Frauen die Frage gestellt: FĂŒr wen ist es eigentlich die grĂ¶ĂŸere Strafe?", sagte Voss-Tecklenburg. Die 53-JĂ€hrige hofft auf eine Diskussion, die "hilfreich" und "zugleich erschreckend ist, dass wir sie immer noch fĂŒhren mĂŒssen".

Popp und Co. hatten sich noch deutlicher gefasst: "Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball." Auch Werder-PrĂ€sident Hubertus Hess-Grunewald Ă€ußerte großes UnverstĂ€ndnis ĂŒber die Sanktion. "Dass in diesem Urteil als eine Art Wiedergutmachung tatsĂ€chlich die Auflage auftaucht, die Frauen- oder MĂ€dchenmannschaften zu trainieren - darĂŒber war ich erst erstaunt und dann fassungslos", sagte Hess-Grunewald dem "Weser-Kurier". FĂŒr ihn sei "absehbar" gewesen, dass "der Fall so eine Außenwirkung haben könnte".

Das PrĂ€sidium des WDFV hat bereits "eine ÜberprĂŒfung des Urteils" angeordnet. VizeprĂ€sident Gundolf Walaschewski forderte eine "lĂŒckenlose Aufarbeitung und PrĂŒfung" der Geschehnisse bei dem Regionalliga-Spiel, das bereits Ende Januar stattfand. "Die unmögliche Aussage und die darauffolgende unbegreifliche "Strafe", das Training einer Frauenmannschaft zu leiten, sind nur Ausdruck im Fußball leider auch heute noch viel zu weit verbreiteter Denkmuster", sagte DFB-Boss Keller. Er sicherte den Spielerinnen um Popp dabei seine "volle UnterstĂŒtzung" zu.

Vogel sagte in einem von seinem Verein veröffentlichten Interview: "Meine Aussage ist absolut nicht zu rechtfertigen und entspricht vor allem nicht meiner persönlichen Einstellung." Er habe die Trainings angeboten, um seiner Entschuldigung "Taten folgen zu lassen", das sei aber "total falsch rĂŒbergekommen". Die Einheiten wolle er trotzdem leiten, "weil es mir am Herzen liegt". Aber "natĂŒrlich nur, wenn die Spielerinnen dies auch möchten".

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