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Diese Frau kann Geschichte schreiben – aber will sie das?

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Von Benjamin Zurmühl

Aktualisiert am 02.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Sabrina Wittmann: Die Trainer der U19 des FC Ingolstadt ist noch eine Ausnahme.
Sabrina Wittmann: Die Trainerin der U19 des FC Ingolstadt ist noch eine Ausnahme. (Quelle: Stefan Bösl/imago-images-bilder)
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Von einer Trainerin im Profifußball der Männer ist Deutschland noch weit entfernt. Das zumindest ist das Gefühl vieler Fans und Experten. Doch eine Juniorentrainerin entpuppt sich als Kandidatin mit viel Potenzial.

Sabrina Wittmann lebt in einem Zwiespalt. Einerseits will sie einfach nur ihren Job machen wie ihre männlichen Kollegen in der U19-Junioren-Bundesliga. Doch als Frau sticht sie automatisch aus der Menge heraus. "Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir manchmal nicht einmal bewusst bin, dass ich für die Thematik 'Gleichheit' werben könnte. Denn wenn es nach mir geht, würde ich die gleichen Interviews führen, wie meine männlichen U19-Kollegen in der Bundesliga auch und nicht darauf reduziert werden, als Frau ein 'Novum' zu sein", sagt sie kritisch im Gespräch mit t-online.

In den Worten der Initiative "Fußball kann mehr", die unter anderem von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und Torhüterin Almuth Schult ins Leben gerufen wurde, ist Wittmann eine Exotin. Die 30-Jährige ist Trainerin der U19 des FC Ingolstadt – und damit die erste und bisher auch einzige Frau in einer A-Bundesliga. Je nach Perspektive ist sie damit sogar die prominenteste Trainerin im deutschen Männerfußball. Nur Imke Wübbenhorst als Co-Trainerin bei Drittligist Viktoria Köln macht ihr Konkurrenz.

"Hier im Verein ist das kein Thema", erklärt Wittmann. "Aber die Interview-Anfragen haben sich in den letzten Monaten gehäuft und es werden nicht selten die gleichen Fragen gestellt." Selbst der DFB hat sie für die Webseite interviewt. Dem sportlichen Leiter des Ingolstädter Nachwuchsleistungszentrums, Roland Reichel, ist das gestiegene Interesse auch aufgefallen: "Wir wissen, dass andere Vereine sie beobachten. Dabei geht es dann zum Teil um ihr Alleinstellungsmerkmal als Frau, für uns war das aber nie ein Thema. Wir fanden sie als Trainer grandios, das hatte aber nichts damit zu tun, ob sie Männlein oder Weiblein ist. Sabrina ist einfach in dem, was sie macht, sehr gut."

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Roland Reichel sieht viel Potenzial bei Sabrina Wittmanns.
Roland Reichel sieht viel Potenzial bei Sabrina Wittmanns. (Quelle: foto2press/imago-images-bilder)

Die ersten Schritte machte sie in den USA

Genau das ist es auch, was Wittmann sucht. Sie will im Arbeitsumfeld durch Leistung als Trainerin wahrgenommen werden, nicht nur als Frau. Und trotz ihrer erst 30 Jahre hat sie als Trainerin auch schon einiges vorzuweisen. "Meine erste Trainererfahrung hatte ich in den USA, wo ich die Mannschaft einer Middle School gecoacht habe. Aber ich habe auch selbst Fußball gespielt, auch zu Beginn meiner Zeit in Ingolstadt. Aus zeitlichen Gründen habe ich damit aber aufgehört."

Seit zehn Jahren liegt ihr Fokus auf dem Dasein als Trainerin beim FC Ingolstadt. "Ich durfte mich vom Grundlagen- über den Aufbau- bis hin zum Leistungsbereich sowohl als Co-Trainer als auch als Cheftrainer entwickeln. Ich bin durch und durch Schanzer", betont Wittmann. Ob U10, U11, U13 oder nun U19, die Nachwuchstrainerin hat diverse Teams betreut und viele Erfahrungen gesammelt.

Roland Reichel lobt den Werdegang seines Trainertalents: "Sabrina ist mit den Jungs 'mitgewachsen'. Sie hat mehr oder weniger alle Altersbereiche mitgemacht und verschiedene Erfahrungen sammeln können – sei es im methodischen oder im taktischen Bereich als auch in der direkten Zusammenarbeit. Sie ist mittlerweile eine komplette Trainerin."

Liebevoll und knallhart

Als Trainerin hat sie auch einen eigenen Stil an der Seitenlinie. So fiebert Wittmann mit, ruft Anweisungen auf den Platz und wird, wenn es von Nöten ist, auch mal lauter. Sie wird als eine liebevolle Trainerin beschrieben, die auch die Peitsche rausholen kann. Eine klare und verständliche Ansprache sei ihr wichtig. Genauso wie eine gute Analyse. Eine Stärke, die NLZ-Leiter Reichel an ihr hervorhebt: "Es gibt Trainer, die viel aus dem Bauch heraus machen und Trainer, die sich wahnsinnig detailliert am Spiel abarbeiten und sich so weiterentwickeln. Sabrina zählt zu der zweiten Gruppe. Bei ihr war es schnell zu sehen, dass sie Zusammenhänge und ihre Folgen unglaublich gut analysieren kann. Deshalb ist sie im In-Game-Coaching so stark."

Klare Ansagen: Sabrina Wittmann Ende November beim Sieg ihrer Mannschaft gegen den FC Heidenheim.
Klare Ansagen: Sabrina Wittmann Ende November beim Sieg ihrer Mannschaft gegen den FC Heidenheim. (Quelle: Stefan Bösl/imago-images-bilder)

Der Fußball, den sie spielen lässt, orientiert sich an den Profis. Ingolstadt hat in der 2. Bundesliga mit 38,7 Prozent im Schnitt den zweitwenigsten Ballbesitz. Die Schanzer stehen tief und suchen die Umschaltmomente. Auch in der U19 geht es um schnelles Konterspiel: "Wir spielen mit einer hohen Intensität und Dynamik nach vorne, wollen so unsere Tore schießen, aber wir sind uns natürlich auch nicht zu schade für die Arbeit in der Defensive. Das ist der Schanzer-Style, mit dem ich mich gut identifizieren kann."

Die Ergebnisse geben ihr recht. Ingolstadts U19 liegt auf Platz 12 von 21 in der Bundesliga Süd/Südwest, vor Teams wie Freiburg, Fürth oder Darmstadt. Dazu haben die Schanzer ein Spiel weniger als die meisten Konkurrenten.

Kein Gedanke an die Profis

Mit dem Hintergrund, dass Ingolstadt in den vergangenen Jahren mit Stefan Leitl und Roberto Pätzold mehrere Jugendtrainer zu den Profis holte, könnte auch Wittmanns Weg in den Männerbereich gehen. Roland Reichel schließt das nicht aus: "In der A-Juniorenbundesliga trainierst du größtenteils erwachsene Menschen. Der Unterschied zum Seniorenbereich ist nicht so groß. Wir sehen für Sabrina nach oben hin kein Limit."

Sie selbst blockt diese Gedanken ab, denkt aktuell auch nicht an eine Aufgabe als Assistentin beim Zweitligisten: "Ich bin bisher gut damit gefahren, mir keine Pläne für die Zukunft zu machen. Bisher ist alles in meiner Karriere im 'Best Case' verlaufen und ich hoffe, dass es auch so weitergeht. Wenn die Option kommt, werde ich darüber nachdenken. Jetzt ist aber noch nicht der Zeitpunkt gekommen, sich darüber Gedanken zu machen."

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Sie weiß selbst, dass mit einer Beförderung die Debatte um sie als Frau in der Männerdomäne neu losgehen würde. Sie wäre die erste Cheftrainerin in einer der obersten drei Profiligen der Herren. Bis über sie nur noch als Trainerin geredet wird, könnte es einige Zeit dauern. Da stellt sich die Frage, ob sie das überhaupt will oder weiter den eigenen Fokus auf den Nachwuchsfußball richtet. Denn der ist besonders in diesem Jahr anspruchsvoll genug. Am 5. Februar kommt der SC Freiburg nach Ingolstadt. Und nach sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen will Wittmann die Form weiter oben halten. Denn so rückt das Saisonziel Klassenerhalt in greifbare Nähe.

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  • Noah Platschko
Von Kim Steinke, Noah Platschko
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