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DFB: Kinder sollen schonendes Kopfballspiel lernen

Von dpa
Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Tim Meyer, Teamarzt der Deutschen Nationalmannschaft und Leiter der medizinischen Kommission des DFB.
Tim Meyer, Teamarzt der Deutschen Nationalmannschaft und Leiter der medizinischen Kommission des DFB. (Quelle: Swen Pförtner/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Der Kopfball im Fußball ist umstritten. Schon lĂ€nger wird ein Zusammenhang zwischen sich hĂ€ufig wiederholenden Kopfverletzungen und neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer vermutet.

Besonders in Großbritannien gibt es eine Debatte ĂŒber die möglichen langfristigen Folgen des Kopfeinsatzes. Eine schottische Studie hat 2019 ein erhöhtes Risiko bei Fußballern herausgefunden, an Demenz oder Alzheimer zu sterben. Weltweit haben sich daher vereinzelt Wissenschaftler fĂŒr ein Verbot von KopfbĂ€llen bei Kindern ausgesprochen.

Tim Meyer, Teamarzt der Deutschen Nationalmannschaft und Leiter der medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), warnte bei einer Medienrunde am Mittwoch vor unĂŒberlegten Verboten: "So ein Kopfball zieht in der Regel kein greifbares medizinisches Krankheitsbild nach sich." GehirnerschĂŒtterungen könnten zwar vereinzelt bei KopfbĂ€llen auftreten, sagte Meyer. "Meistens ist es nicht der Ball, der diese GehirnerschĂŒtterung auslöst, sondern der Kontakt mit dem Kopf des Gegners, der Schulter, der Pfosten oder dem Boden." Statt eines Verbots soll das Kopfballspiel "schonend beigebracht" werden, forderte der Neurologe Claus Reinsberger, der auch Mitglied der medizinischen Kommission ist.

DFB: Schonendes Kopfballtraining fĂŒr Kinder

Der DFB will Kinder deshalb sensibler an das Thema heranfĂŒhren. Er empfiehlt fĂŒr das Training in den jĂŒngeren Jugendklassen leichte BĂ€lle - teils aus Schaumstoff - sowie eine geringe Zahl von Kopfball-Wiederholungen pro Training. In den höheren Jugendklassen soll erst in der A- und B-Jugend "mit allen Formen des Kopfballspiels" trainiert werden.

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Kleine Spielfelder bei den JĂŒngeren und Mini-Tore sollen dazu beitragen, dass die BĂ€lle flach gespielt werden. "Wir haben festgelegt, dass die Spielfelder mitwachsen mit den Kindern", sagte DFB-VizeprĂ€sident Ronny Zimmermann. "Wenn man sich heute ein Fußballspiel von FĂŒnf- oder SechsjĂ€hrigen anschaut, dann findet da eh relativ wenig Kopfballspiel statt."

Eine Antwort, inwiefern KopfbĂ€lle schwere Gehirnerkrankungen auslösen könnten, existiert bisher nicht. In England, Schottland und Nordirland gibt es seit Anfang 2020 ein Verbot von KopfbĂ€llen im Training von Kindern unter zwölf Jahren. Auch in den USA sind KopfbĂ€lle fĂŒr Kinder unter zehn Jahren verboten.

Wissenschaft untersucht Wirkung

Die schottische Studie aus dem Jahr 2019 hatte knapp 8000 ehemalige Spieler unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit bei Fußballern, etwa an einer Demenzerkrankung zu sterben, 3,45-mal höher ist als in der Restbevölkerung. Mehrere Nationalspieler aus der englischen Weltmeister-Mannschaft von 1966 sind nach einer Demenzerkrankung gestorben. Bobby Charlton, die Fußballlegende aus dem Weltmeister-Kader, leidet an Demenz. Reinsberger kritisierte an der Studie, dass soziokulturelle Faktoren wie Alkoholkonsum oder Lebensweise nicht berĂŒcksichtigt worden seien.

Die Wissenschaft fragt sich dennoch, wie hĂ€ufige leichte SchlĂ€ge auf den Kopf und leichte GehirnerschĂŒtterungen chronische Erkrankungen wie Demenz, Parkinson und schwere SchĂ€del-Hirn-Traumata begĂŒnstigen. Auch die Erkrankung CTE, die aus dem Boxen und dem American Football bekannt wurde, wird mit dem Fußball in Verbindung gebracht.

Bei der CTE, die bisher nur nach dem Tod festgestellt werden kann, weisen geschrumpfte Hirne auffĂ€llige Proteinablagerungen und entzĂŒndliche VerĂ€nderungen auf. "Das ist noch nicht ganz geklĂ€rt, wie man die Krankheit zu Lebzeiten erkennen kann. Klar ist, dass nicht oder nur ungenĂŒgend behandelte SchĂ€del-Hirn-Traumata ein Risiko fĂŒr diese CTE-Erkrankung sind", sagte Reinsberger.

DFB-Teamarzt Meyer will im Erwachsenenfußball nicht grundsĂ€tzlich vom Kopfball abraten. "Ich sehe auch nicht, dass wir in absehbarer Zukunft da irgendetwas wie ein Kopfballverbot haben werden." Lösungen sieht der Neurologe Reinsberger neben einem hirnschonenden Kopfballtraining in lĂ€ngeren Pausen fĂŒr am Kopf verletzte Spieler, um sie zu untersuchen. "Bevor man ĂŒber solche radikalen Lösungen nachdenkt, kann man auch in der derzeitigen Spielform sehr viel tun, um die Gehirngesundheit von Athletinnen und Athleten positiv zu beeinflussen", sagte Reinsberger.

Zeit fĂŒr Untersuchungen auf dem Platz gibt es im Profi-Sport oft nicht. Der Druck im Stadion wird von Ärzten hĂ€ufig als groß beschrieben. Seit der Saison 2015/2016 wird Medizinern in Deutschland eine Unterbrechung von drei Minuten ermöglicht, um Kopfverletzungen zu untersuchen. In einigen LĂ€ndern haben Mannschaften mittlerweile die Möglichkeit fĂŒr eine zusĂ€tzliche Auswechslung in einer solchen Situation. Denkbar sind auch temporĂ€re Wechsel, damit Spieler in der Kabine untersucht werden können. "Der Mannschaftsarzt auf dem Feld muss eine GehirnerschĂŒtterung nicht sicher diagnostizieren können, sondern er muss sie ausschließen können", sagte Reinsberger.

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