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Warum es in Nigeria so schwer ist, auswärts zu gewinnen

t-online, bw

Aktualisiert am 31.10.2013Lesedauer: 3 Min.
Nigerianische Fans (hier der Nationalmannschaft) können fast immer mit einem Sieg der Heimmannschaft rechnen.
Nigerianische Fans (hier der Nationalmannschaft) können fast immer mit einem Sieg der Heimmannschaft rechnen. (Quelle: dpa-bilder)
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"Wir fahren weit, wir fahren viel, und wir verlieren jedes Spiel" - dieser Fangesang ist keinem Land der Welt so wahr wie in Nigeria. Dort ging in der vergangenen Woche die Saison zu Ende, mit der wohl erstaunlichsten Abschlusstabelle aller ersten Ligen der Welt.

Denn die Teams in Nigeria verlieren im heimischen Stadion kaum ein Spiel. In der abgelaufenen Spielzeit blieben zehn der 20 Mannschaften zuhause ungeschlagen. Der alte und neue Meister Kano Pillars gewann gerade mal zwei Spiele auf fremdem Terrain, die beste Auswärtsmannschaft der Liga gewann drei von 19 Partien. Selbst der Tabellenletzte Shooting Stars siegte in 13 Heimspielen und verlor dabei nur ein Mal. Zum Vergleich: Greuther Fürth stieg letztes Jahr in der Bundesliga ab, ohne auch nur ein Heimspiel zu gewinnen.

Dadurch rückt in Nigeria die gesamte Tabelle auf seltsame Weise zusammen. Die Punktedifferenz in Deutschland zwischen dem Ersten FC Bayern (91 Punkte) und dem Letzten Fürth (21) betrug 77 Prozent. In nahezu allen Ligen der Welt liegt die Differenz etwa in der Größenordnung wie in die Bundesliga. Nigeria stellt in dieser Hinsicht die große Ausnahme dar: Hier sind es gerade einmal 26 Prozent.

Korruption hält Nigeria im Würgegriff

Bei der Suche nach den Gründen für die eklatante Auswärtsschwäche stößt man schnell auf Korruption, die in Nigeria nicht nur den Fußball betrifft, sondern die gesamte Gesellschaft im Würgegriff hat. Die westafrikanische Nation steht auf Platz 139 auf dem Korruptionsindex von Transparency International. Davon sind in der Nigeria Premier League vor allem die Schiedsrichter betroffen.

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In Nigeria erhalten die Spielleiter ihre Aufwandsentschädigung nicht von der Liga, sondern vom Heimverein. Theoretisch vor dem Spiel, in der Praxis aber oft nach der Partie, wobei sich die Höhe der Entschädigung nach der "Leistung" richtet, erklärte ein namentlich nicht genannter Vereinsvertreter dem "Guardian". Je mehr ein Schiedsrichter für das Heimteam pfeift, desto höher seine Bezahlung.

"Der Heimverein holt dich vom Stadion ab, fährt dich zum Hotel und bezahlt dein Essen. Wie sollen die Referees da objektiv das Spiel leiten?", fragt Robert Akpenpuun, ehemaliger Pressesprecher einer regionalen Schiedsrichtervereinigung, in der Tageszeitung "The Nation".

Auf dem Weg zum Spiel überfallen

Auswärtsteams müssen zudem mit gewalttätigen Fanmassen und beschwerlichen Reisen rechnen. In der vergangenen Saison wurden die Busse der Sunshine Stars und der Wikki Tourists auf dem Weg zu Spielen überfallen. Weil man um die bestochenen Schiedsrichter weiß, gibt man sich bei den Planungen der Auswärtstrips nicht viel Mühe. Oft schlafen die Mannschaften im Bus, um die Hotelkosten einzusparen. Das übrige Geld vom sogenannten "Hotel de Bus" teilen sich dann Spieler und Trainerstab.

Besonders schlimm ist die Situation im Nordosten des Landes. Dort sind die Boko-Haram-Terroristen für eine angespannte Sicherheitslage verantwortlich. Weil der übertragende Fernsehsender Supersport deshalb keine TV-Teams mehr in die Region schicken will, soll die Einflussnahme der Referees bei den Kano Pillars, El-Kanemi Warriors und Gombe United besonders stark sein. Von zusammengerechnet 57 Heimpartien verloren die drei Teams keine einzige, nur vier Spiele endeten mit einem Unentschieden.

Schiedsrichter entkommen als Sanitäter verkleidet

Diese Art des Korruption ist in Nigeria schon traurige Tradition geworden. Im Mai 2010 war Dolphins FC zu Gast bei den Kano Pillars, die Auswärtsmannschaft lag in der Tabelle mit nur einem Tor vorn. Das Spiel stand nach 90 Minuten Unentschieden und der Vierte Offizielle wollte vier Minuten Nachspielzeit anzeigen. Doch er wurde mit körperlicher Gewalt daran gehindert, der Schiedsrichter ließ das Spiel noch über eine Stunde weiterlaufen. Ein Liga-Vertreter versuchte von der Seitenlinie den Schiedsrichter zu überzeugen, doch einen Elfmeter für das Heimteam zu pfeifen, um weitere Gewalt zu vermeiden.

"Zunächst hat er sich geweigert, aber die Zustände auf der Tribüne wurden immer schlimmer und einige unserer Spieler flehten ihn geradezu an, einen Elfer zu geben", erinnert sich Emmah Godwin, der damalige Kapitän der Dolphins, bei "africansportsonline.com". Der Schütze traf. Auch weil der Torhüter gar nicht erst versuchte, den Elfer zu halten.

Nach dem Schlusspfiff wollten die Fans dem Auswärtsteam und den Referees trotzdem an den Kragen. Die Heimmannschaft legte ihre Trikots zum Schutz um die Spieler des Auswärtsteams und geleiteten sie in die Katakomben. Die Schiedsrichter entkamen ebenfalls - als Sanitäter verkleidet.

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