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WM 2022 in Katar: Marokkos Sensation – Das kann nicht wahr sein


Das kann nicht wahr sein

Von Benjamin Zurmühl, ar-Rayyan

06.12.2022Lesedauer: 3 Min.
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Party-Stimmung in Katar: Die marokkanischen Fans feiern ausgelassen im Stadion. (Quelle: t-online)
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Bisher standen ausschließlich Favoriten im WM-Viertelfinale. Und: Nur Teams aus Europa und Südamerika. Doch in einem historischen Spiel am Dienstag änderte sich das.

Es war nicht schwer zu erkennen, was den Marokkanern dieser Sieg bedeutete. Männer, die noch vor fünf Minuten wegen einer Sichtbehinderung fast einen Faustkampf veranstaltet hatten, lagen sich plötzlich in den Armen. Dazu der marokkanische Stadionsprecher, der bei seiner Ansprache in Tränen ausbrach. Und als Kapitän Roman Saiss feiernd auf die eigenen Fans zulief und sich auf die Brust trommelte, kochte das ohnehin laute Stadion noch einmal hoch.

Sekunden zuvor war die Sensation geschehen. Marokko hatte Spanien im Elfmeterschießen aus der WM geworfen. Der Mitfavorit auf den Titel war an der großen Überraschung dieses Turniers gescheitert. Zusammen mit den Zehntausenden Fans der "Atlaslöwen" im Stadion im Rücken, verteidigte Marokko über die vollen 120 Minuten mit viel Leidenschaft und Einsatz. Die Nordafrikaner brachten ihren Gegner zur Verzweiflung. Spanien spielte Pass um Pass, doch der Ertrag blieb oft aus.

"Sie waren wie ein Löwe"

"Die Spieler waren unglaublich", schwärmte Trainer Walid Regragui auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Unglaublich, das war nach Meinung der marokkanischen Journalisten auch Regragui selbst. Sie vergaßen für einige Minuten, dass sie Pressevertreter und keine Fans waren. Regragui erhielt beim Betreten des Podiums stehende Ovationen und Applaus. Auch Torwart Yassine Bounou, auf dessen Trikot nur "Bono" steht, wurde so begrüßt, als er wenige Augenblicke später erschien. Einige Journalisten aus dem Land des WM-Viertelfinalisten wollten auch keine Fragen an Trainer und Spieler stellen, sie wollten Ansprachen halten. "Yassine, Sie waren wie ein Löwe und haben bis nach Marokko gebrüllt", lobte ein Pressevertreter den Torhüter, der im Elfmeterschießen zwei Versuche pariert hatte.

"Löwe" Yassine Bounou ließ keinen Elfmeter ins Tor.
"Löwe" Yassine "Bono" Bounou ließ keinen Elfmeter ins Tor. (Quelle: IMAGO/JuanJo Martín)

Ein anderer konnte bei seiner Lobeshymne auf Trainer Regragui kaum unterbrochen werden. "Ich sitze hier und habe Tränen in den Augen. Sie haben 40 Millionen Marokkaner stolz gemacht", sagte er.

Regragui hat mit seinem Team Historisches erreicht. Erst zum vierten Mal hat es eine afrikanische Mannschaft ins WM-Viertelfinale geschafft. Für Marokko ist es das erste Mal. Zudem ist Regragui der erste afrikanische Trainer, der unter den letzten Acht steht. Für ihn sei das nicht wichtig, sagte er. Ihm sei es nur wichtig, dass es Marokko zum ersten Mal unter die besten acht Teams geschafft hat. Als ein Journalist sagte, er wolle, dass es die "Atlaslöwen" ins Finale schaffen, sodass er auch nicht aus Doha abreisen müsse, schmunzelte Regragui: "Ich weiß nicht, wie weit wir noch kommen können." Aber er wolle alles dafür tun, dass Marokko noch im Rennen bleibt.

Walid Regragui hat das größte Problem gelöst

Der 47-Jährige hat in nur einem halben Jahr aus einer unruhigen und hochtalentierten Mannschaft eine Einheit geformt, hat ihr einen klaren Plan mitgegeben und ihr das Selbstvertrauen gegeben, jeden Gegner schlagen zu können. Er hat dabei auch ein Problem gelöst, das in den Jahren zuvor die Debatten in dem fußballbegeisterten Land beherrschte.

Ein großer Teil der marokkanischen Spieler ist in anderen Ländern geboren und aufgewachsen. Torwart Bono zum Beispiel in Kanada, Verteidiger Noussair Mazraoui in den Niederlanden, Superstar Achraf Hakimi in Spanien und Flügelstürmer Sofiane Boufal in Frankreich. Abdelhamid Sabiri verbrachte fast seine komplette Kindheit und Jugend in Deutschland.

Abdelhamid Sabiri kam mit drei Jahren nach Deutschland, wuchs in Frankfurt auf und spielte für Teams wie Darmstadt, Nürnberg und Paderborn. Aktuell steht er in Genua unter Vertrag.
Abdelhamid Sabiri kam mit drei Jahren nach Deutschland, wuchs in Frankfurt auf und spielte für Teams wie Darmstadt, Nürnberg und Paderborn. Aktuell steht er in Genua unter Vertrag. (Quelle: IMAGO/JuanJo Martín)

In Marokko sorgte das vor der WM für Unruhe. Regragui sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genug gebürtige Marokkaner mitgenommen zu haben, die für ihr Land alles geben würden. Die Diskussion ist bereits vergessen, der Trainer selbst wollte es aber noch einmal ansprechen: "Schauen Sie, ich bin selbst in Frankreich geboren, aufgewachsen und bin dort Trainer geworden. Aber ich wollte immer meiner Heimat etwas zurückgeben."

Mit den Fans im Rücken will Marokko auch das Viertelfinale überstehen und die nächste Sensationsgeschichte schreiben. Vielleicht auch wieder mit Elfmeterheld Bono. Denn dann könnte es auf der Pressekonferenz nach dem Spiel heißen: Gut gebrüllt, Löwe.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen vor Ort
  • Teilnahme an Pressekonferenz nach dem Spiel
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