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Weltmeister Spanien scheidet in der Vorrunde aus

Von sid
Aktualisiert am 18.06.2014Lesedauer: 3 Min.
Xabi Alonso (li.) und Iker Casillas (re.) können nicht glauben was passiert ist.
Xabi Alonso (li.) und Iker Casillas (re.) können nicht glauben was passiert ist. (Quelle: /Reuters-bilder)
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Das schier Undenkbare ist eingetreten: Die Vorherrschaft der spanischen Nationalmannschaft hat bei der WM in Brasilien ein jĂ€hes Ende gefunden. Am Tag, als in Madrid König Juan Carlos abdankte, wurde in Maracana auch die einzigartige Ära der Furia Roja zur Geschichte. Durch ein 0:2 (0:2) gegen Chile ist der Titelverteidiger bereits nach dem zweiten Spiel der Vorrunde ausgeschieden.

"Es gibt keine Entschuldigungen", sagte der konsterniert und mĂŒde wirkende Erfolgstrainer Vicente del Bosque. Vom Ende einer Ära, auch vom Ende seiner eigenen, wollte er aber nichts wissen: "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um darĂŒber zu reden." Del Bosque hatte erst im FrĂŒhjahr seinen Vertrag bis 2016 verlĂ€ngert. Auch KapitĂ€n Iker Casillas wirkte betroffen: "Es ist schwierig zu erklĂ€ren, was passiert ist", sagte er, doch die ErklĂ€rung scheint einfach: Tika-taka hat ausgedient.


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Eduardo Vargas (20.) und Charles Aranguiz (43.) hatten die gehemmt, mĂŒde und ratlos wirkenden Spanier bereits in der ersten Halbzeit ins Mark getroffen. In der zweiten Halbzeit wurde der Titelverteidiger dann phasenweise vorgefĂŒhrt - die brasilianischen und chilenischen Zuschauer unter den 74.101 Augenzeugen begriffen den historischen Moment und feierten die SĂŒdamerikaner mit "Ole"-Rufen.

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Spanien schreibt unfreiwillig Geschichte

Chile steht nun ebenso bereits im Achtelfinale wie die Niederlande, die zuvor Australien mit 3:2 bezwangen. Oranje hatte die Spanier fĂŒnf Tage zuvor beim denkwĂŒrdigen 5:1 gedemĂŒtigt. "Jetzt wollen wir auch den Gruppensieg", kĂŒndigte Chiles Trainer Jorge Sampaoli kess an.

Mit den Triumphen bei der EM 2008 und der EM 2012 sowie bei der WM 2010 war den Spaniern Einzigartiges gelungen - jetzt schrieben sie erneut Fußball-Geschichte, diesmal allerdings unfreiwillig: Nur 1950 war Italien als Titelverteidiger schon vor dem Ende der Vorrunde gescheitert. Auch bei der WM 2010 hatte es den vorzeitigen Sturz des Weltmeisters gegeben: Italien erwischte es damals aber erst im dritten Gruppenspiel.

Xavi und Pique auf der Bank

Unter Trainer Vicente del Bosque, der die Mannschaft nach dem EM-Titel 2008 ĂŒbernommen hatte, war die Furia Roja nie zweimal nacheinander als Verlierer vom Platz gegangen - mit dem Mut der Verzweiflung stemmten sie sich vor allem in der zweiten Halbzeit gegen die ungewollte Premiere, blieben dabei aber rat- und planlos. Pedro vergab in der 53. Minute den Anschlusstreffer, Mauricio Isla war aber in der 69. Minute ebenso nahe am 3:0 fĂŒr Chile.

Del Bosque hatte erneut auf das 4-2-3-1-System gesetzt, mit dem seine Mannschaft gegen die Niederlande ins offene Messer gelaufen war. Allerdings nahm er tiefe Einschnitte vor: Del Bosque stĂŒrzte das Denkmal Xavi vom Sockel und setzte den Regisseur und KapitĂ€n des FC Barcelona auf die Bank. FĂŒr ihn spielte Pedro, im Abwehrzentrum verlor Pique seinen Platz an Bayern-Profi Javi Martinez.

Große Probleme beim Spielaufbau

Iker Casillas stand dagegen trotz seiner Patzer beim 1:5 gegen Oranje wieder im spanischen Tor - zum 156. Mal und zum insgesamt 17. Mal bei einer WM, das ist spanischer Rekord. Der "heilige Iker" bekam von Beginn an viel zu tun, und sah zumindest beim 0:2 erneut nicht gut aus: Vor dem Treffer von Aranguiz hatte er dem TorschĂŒtzen einen Freistoß von Alexis Sanchez vor die FĂŒĂŸe abgeklatscht.

Chile begann stark und ließ mit ihrem bekannt aggressiven Stil den Spaniern keinen Raum fĂŒr Ballstafetten. Spanien ĂŒbernahm zwar die Spielkontrolle, kam aber kaum einmal zum Abschluss. DafĂŒr zahlte sich das stĂ€ndige Gegenpressing der Chilenen aus. Nach einer Balleroberung in der spanischen HĂ€lfte passte Mauricio Isla zu Aranguiz, der bediente Vargas - der Angreifer des FC Valencia umkurvte Casillas und brauchte nur noch einzuschieben.

Danach verteidigte Chile effektiv, den Spaniern fehlten weiter auch zĂŒndende Ideen. David Silva und Andres Iniesta hatten große Probleme beim Spielaufbau. Vor und nach dem 0:2 kam der ĂŒberspielt wirkende Weltmeister immer hĂ€ufiger einen Schritt zu spĂ€t bei ZweikĂ€mpfen, mehr und mehr begingen selbst Filigrantechniker wie Iniesta sogar Frustfouls. Je lĂ€nger das Spiel dauerte, desto mehr wurde auch deutlich: Das war wohl das Ende von Tiki-taka.

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Von Melanie Muschong
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