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Handball-EM im W├╝rgegriff von Corona - Sorgen in der Liga

Von dpa
Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Die MVM Dome-Handball-Arena leuchtet vor dem Spiel in den Farben der ungarischen Flagge.
Die MVM Dome-Handball-Arena leuchtet vor dem Spiel in den Farben der ungarischen Flagge. (Quelle: Tamas Kovacs/MTI/AP/dpa./dpa)
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Bratislava (dpa) - Die Corona-Welle ├╝berrollt die deutschen Handballer bei der Europameisterschaft mit voller Wucht und verst├Ąrkt nicht nur die Sorgen in der Bundesliga.

W├Ąhrend die DHB-Auswahl in Torwart Till Klimpke und Marcel Schiller zwei weitere Infizierte vermelden musste, arbeitete die Europ├Ąische Handball-F├Âderation mit Hochdruck daran, die Fortsetzung der Endrunde zu gew├Ąhrleisten. In der deutschen Top-Liga nehmen die Bedenken immer mehr zu.

Gro├če Sorgen im Handball

"Ich will nicht sagen, dass das der gr├Â├čtm├Âgliche anzunehmende Unfall ist. Aber das ist nat├╝rlich schwer", sagte HBL-Gesch├Ąftsf├╝hrer Frank Bohmann der Deutschen Presse-Agentur zu den beunruhigenden Nachrichten aus Ungarn und der Slowakei. Und Dierk Schm├Ąschke, Gesch├Ąftsf├╝hrer des deutschen Vizemeisters SG Flensburg-Handewitt, warnte: "Das ist ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen."

Wie von Kritikern bef├╝rchtet nimmt die Zahl infizierter Spieler zu - auch bei anderen Nationen. "Die aktuelle Situation ist eine gro├če Herausforderung. Das ist gar nicht zu leugnen", sagte EHF-Generalsekret├Ąr Martin Hausleitner der Deutschen Presse-Agentur. Man habe das Hygienekonzept gemeinsam mit den Organisatoren schon vor dem Turnier an einigen Stellen nachgesch├Ąrft und sch├Ąrfe "auch laufend nach", betonte Hausleitner.

Abbruch steht derzeit nicht zur Debatte

Ein Abbruch der Endrunde - wie zuletzt im Eishockey bei der U20-WM - steht derzeit nicht zur Debatte. Auch wenn sich nach Ansicht von Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer die EM "in Richtung Farce" bewegt. Der Weltmeister von 2007 bef├╝rchtet sogar einen nachhaltigen Schaden f├╝r den gesamten Handball. "Es w├Ąre bitter und f├╝r unsere Sportart schlecht, wenn am Ende die Mannschaft Europameister werden w├╝rde, die die wenigsten Coronaf├Ąlle hat", sagte Schwarzer dem Portal "Spox" und f├╝gte hinzu: "Wir m├╝ssen aufpassen, dass es am Ende nicht hei├čt: Die Handballer sind nicht ganz dicht und haben noch nie etwas von Corona geh├Ârt."

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Der langj├Ąhrige DHB-Vizepr├Ąsident Bob Hanning attestierte dem Turnier schon jetzt aufgrund der vielen Corona-Ausf├Ąlle "nicht den sportlichen Wert anderer Europameisterschaften". Eine besonders gro├če Gefahr f├╝r die Gesundheit der Spieler sieht er bei der EM jedoch nicht. "Das Risiko einer Ansteckung gibt es ├╝berall", sagte der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Bundesligisten F├╝chse Berlin.

Arzt L├╝bke kritisiert Stadionauslastung

Allerdings sind die Spieler beim Kontinentalturnier - anders als vor einem Jahr bei der WM in ├ägypten - nicht komplett von der Au├čenwelt abgeschottet. Die Hallen in den slowakischen Spielorten Bratislava und Kosice sind zu 25 Prozent ausgelastet und in Ungarn sogar voll. Bei den Vorrundenspielen des Co-Gastgebers in Budapest jubelten auf den Trib├╝nen 20.000 Fans - viele ohne Maske. "Wir haben in Ungarn eine Impfquote von 62 Prozent und in der Slowakei von 45 Prozent. Das rechtfertigt nicht die volle oder hohe Auslastung der Hallen", kritisierte der deutsche Mannschaftsarzt Philip L├╝bke vor einigen Tagen.

Da war die Welt im DHB-Team noch in Ordnung. Nach mittlerweile neun positiven Corona-F├Ąllen nimmt jedoch die Angst vor einem Fl├Ąchenbrand zu - auch in der Liga. "M├Âglicherweise gibt es noch weitere Corona-F├Ąlle in der Mannschaft. Ob es dann Sinn macht, immer weiter nachzunominieren, muss man sehen", sagte Bohmann. "Da muss man dann sehr vorsichtig sein und nicht sagen, ich mach's noch viel schlimmer als es ist. Wenn es jetzt noch weitere Ausbr├╝che gibt, dann haben wir eine neue Situation." Viktor Szilagyi, Gesch├Ąftsf├╝hrer beim Rekord-Champion THW Kiel, erg├Ąnzte mit Blick auf den Bundesliga-Neustart nach der EM: "Wir m├╝ssen verhindern, dass Infektionen in die Mannschaft getragen werden."

Bohmann: "Konzept muss bewertet werden"

Warum ausgerechnet das deutsche Team bei der EM derart stark betroffen ist, ist dem DHB ein R├Ątsel. Bohmann sieht eine Erkl├Ąrung in der hochansteckenden Omikron-Variante. "Die Infektiosit├Ąt ist unvergleichlich h├Âher als in der Vergangenheit. Ich ma├če mir nicht an zu sagen, ob das am Hygienekonzept des Turniers liegt - oder ist jedes Hygienekonzept bei dieser Infektiosit├Ąt ├╝berfordert?", sagte der 57-J├Ąhrige. "Man wird im Nachhinein bewerten m├╝ssen, ob es richtig war, das Konzept so offen zu lassen."

Zumal es schon zu Turnierbeginn beunruhigende Nachrichten gegeben hatte. So berichtete Frankreichs Superstar Nikola Karabatic vor dem Auftakt: "Wir sind fassungslos ├╝ber die Bedingungen, unter denen diese EM steht. Wir haben strenge Protokolle befolgt, um uns das Virus nicht einzufangen. Und dann kommen wir hier im Hotel an und bewegen uns unter G├Ąsten, die keine Masken tragen. Wir essen auch an den gleichen Orten." Laut Hausleitner wurden die Missst├Ąnde "angesprochen und behoben".

├ähnliche Erfahrungsberichte gab es vom DHB-Team zwar nicht - und doch erwischte es die Deutschen mit voller Wucht. "Corona wird uns begleiten. Wir m├╝ssen auf alles achten und am Ende auch das Gl├╝ck haben, dass wir coronafrei bleiben", hatte Kapit├Ąn Johannes Golla kurz vor dem Turnier gesagt. Diese Hoffnung ist l├Ąngst dahin.

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