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Relegation: 1860 München steigt in die Dritte Liga ab

Hinter ihm tobte der Hass  

So erlebte Pentke den Wahnsinn in München

31.05.2017, 10:30 Uhr | Guido Heisterkamp, t-online.de

Relegation: 1860 München steigt in die Dritte Liga ab . Unfassbare Szene: Regensburgs Torwart Philipp Pentke muss eine Sitzschale beseitigen, die Löwenfans in den Fünfmeterraum geworfen haben. (Quelle: imago images/MIS)

Unfassbare Szene: Regensburgs Torwart Philipp Pentke muss eine Sitzschale beseitigen, die Löwenfans in den Fünfmeterraum geworfen haben. (Quelle: MIS/imago images)

In der 81. Minute brach hinter Regensburg-Torwart Philipp Pentke die Hölle los. Frustrierte Löwen-Fans in der Nordkurve schmissen alles, was ihnen in die Hände kam, auf das Gäste-Tor: Sitzschalen, Stangen, Feuerwerkskörper, Becher.

Der souveräne Schiedsrichter Daniel Siebert unterbrach das Spiel folgerichtig für knapp 15 Minuten und ließ die überhitzten Gemüter der Löwen-Anhänger abkühlen. Co-Trainer und 1860-Legende Daniel Bierofka versuchte vergeblich, die Gemüter zu beruhigen, schrie sich die Seele aus dem Leib. Aber auch nach der Zwangspause flogen immer wieder Gegenstände in den Gästestrafraum.

Pentke muss Strafraum "aufräumen"

Pentke reagierte mit bewundernswerter Ruhe, räumte immer wieder Stangen und Sitzschalen weg, als wären es Pappbecher, die neben ihm einprasseln. Aber es grenzt an ein Wunder, dass Pentke bei der unfassbaren Entladung des Fan-Frustes nicht verletzt wurde. 

Immer wieder fliegen Sitzschalen und Stangen unmittelbar neben Pentke aufs Spielfeld. (Quelle: dpa/Peter Kneffel)Immer wieder fliegen Sitzschalen und Stangen unmittelbar neben Pentke aufs Spielfeld. (Quelle: Peter Kneffel/dpa)

Nach der Sensation und dem erfolgreichen Aufstieg in die 2. Liga reagierte Pentke erstaunlich verständnisvoll. "Das war schon ein bisschen crazy", meinte der Regensburg-Keeper in der "ARD": "Man kann den Frust ein bisschen verstehen, aber dass es so ausartet..."

Pentke war natürlich stolz auf seine Mannschaft: "Aber wir haben standgehalten, das Ergebnis spricht für uns. Wenn man 60.000 ins Stadion holt und dann so eine Leistung abliefert, ist das bitter.“

Obwohl Pentke unter Wurfgeschoss-Dauerattacke steht, behält der Regensburg-Kapitän die Nerven und peitscht seine Mannschaft nach vorne. (Quelle: imago images/Nordphoto )Obwohl Pentke unter Wurfgeschoss-Dauerattacke steht, behält der Regensburg-Kapitän die Nerven und peitscht seine Mannschaft nach vorne. (Quelle: Nordphoto /imago images)

"Haben uns lange beraten"

"Wir haben uns lange beraten mit dem Schiedsrichter", berichtete Pentke: "Wir haben vereinbart, solange ich nicht getroffen werde, soll ich alles schnell beseitigen." Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Pentke wirklich getroffen worden wäre.

Erleichterung und Freude pur bei Philipp Pentke und den Aufstiegshelden aus Regensburg nach dem Schlusspfiff. (Quelle: imago images/Eibner)Erleichterung und Freude pur bei Philipp Pentke und den Aufstiegshelden aus Regensburg nach dem Schlusspfiff. (Quelle: Eibner/imago images)

Die Löwen stürzten unter skandalösen Umständen zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert in die 3. Liga und sehen in eine ungewisse Zukunft. "Ich bin unendlich traurig", sagte 1860-Kapitän Kai Bülow, "es ist unheimlich bitter, es tut mir sehr leid." Die Frage zum Hass der eigenen Fans ließ er unbeantwortet.

Das sagen die beiden Trainer zum Skandal-Spiel:

1860-Trainer Vitor Pereira: "Ich habe dieses Risikoprojekt angenommen. Leider hat es nicht gereicht. Es ist ein trauriger Moment. Es ist alles schwer zu verkraften. Es ist ein großes Loch in mir. Glückwunsch an den Gegner, sie waren die bessere Mannschaft und haben den Aufstieg verdient. Wir haben den Klassenerhalt nicht heute vergeben. Wir sind nicht in den beiden Relegationsspielen abgestiegen, sondern in den Spielen zuvor."

Regensburg-Trainer Heiko Herrlich: "Es war ein sehr emotionaler Moment, hier in der Allianz Arena aufzusteigen. Es erfüllt mich mit Dank und Demut, Teil von Jahn Regensburg sein zu dürfen. Wir haben heute gut Fußball gespielt. Ich bin nicht nur Trainer, sondern auch Fußballfan. Es tut mir im Herzen weh, was hier mit 60 passiert. Das ist eigentlich ein Verein, der in die Bundesliga gehört, aber mit diesen Rahmenbedingungen ist es schwer, zu arbeiten."

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