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Wie Football-Spieler ihr Leben aufs Spiel setzen

Von Benjamin Zurmühl

Aktualisiert am 02.02.2018Lesedauer: 3 Min.
Harter Treffer: Rob Gronkowski (l.) von den New England Patriots krachte im AFC Championship Game mit Barry Church von den Jacksonville Jaguars zusammen und musste mit einer Gehirnerschütterung raus.
Harter Treffer: Rob Gronkowski (l.) von den New England Patriots krachte im AFC Championship Game mit Barry Church von den Jacksonville Jaguars zusammen und musste mit einer Gehirnerschütterung raus. (Quelle: Kevin C. Cox/getty-images-bilder)
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Jährlich werden in der NFL weit über 200 Gehirnerschütterungen diagnostiziert. Doch wer glaubt, dass nach zwei Wochen wieder alles gut ist, täuscht sich. Die Schäden werden unterschätzt.

Über zwei Millionen Deutsche sahen den Super Bowl 2017. Auch am Sonntag werden ähnlich viele Zuschauer dem Spiel entgegenfiebern. Für den US-Sport ist das Endspiel der NFL-Saison das größte Spektakel. Überteuerte Tickets, prunkvolle Halbzeitshows und aufwendige Werbeclips runden das einmalige Event ab. Auf dem Feld duellieren sich die beiden besten Teams der Saison, in diesem Jahr die New England Patriots und die Philadelphia Eagles. Die Spieler auf dem Rasen geben vollen Einsatz für den großen Traum – und riskieren ihre Gesundheit.

Die Rede ist dabei nicht nur von Knieverletzungen, Faserrissen oder leichten Knochenbrüchen, wie sie auch in anderen Sportarten vorkommen. Primär geht es um die zahlreichen Gehirnerschütterungen, die vor allem langfristig große Schäden verursachen. Denn die harten Schläge oder Stürze auf den Kopf ziehen durch ihre hohe Anzahl vor allem eine Krankheit nach sich: C.T.E.

Was ist C.T.E.?

Chronisch Traumatische Enzephalopathie, oder C.T.E., ist eine Gehirnerkrankung, die unter anderem Gedächtnisverlust, Depression, Persönlichkeitsveränderung oder sogar parkinsonähnliche Zuckungen verursachen kann. So fassen es jedenfalls die Wissenschaftler der University of California zusammen. Die Neuropathologin Dr. Ann McKee von der Boston University School of Medicine untersuchte im vergangenen Jahr die Gehirne von 202 verstorbenen Football-Spielern, 111 von ihnen spielten in der NFL. Von jenen 111 Akteuren wurde lediglich einer (!) nicht mit C.T.E. diagnostiziert.

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Unter den untersuchten Spielern waren nahezu alle Altersgruppen vertreten, sowohl 23- als auch 89-Jährige. Auch positionell war von Quarterbacks bis Kicker alles vertreten. Bei letzteren könnte man vermuten, dass sie kaum betroffen seien, da sie selten getacklet werden. Doch auch schon wenige Fouls reichen aus, um langfristige Schäden zu verursachen. Das beste Beispiel dafür ist Björn Nittmo.

Das traurige Schicksal des Björn Nittmo

Aus dem beschaulichen Lomma im Süden Schwedens in die Vereinigten Staaten von Amerika: Diesen Weg schlug Björn Nittmo als Austauschschüler ein. Doch in der High School in Alabama wurde der talentierte Hobby-Fußballer für das Football-Team angeworben. Als Kicker sollte er der Mannschaft helfen. Gesagt, getan: Nittmo sagte zu und wusste zu überzeugen. Nach einer erfolgreichen Zeit in der High School und an der Universität, wurde er 1989 von den New York Giants verpflichtet. Als "Exot" aus Schweden startete Nittmo auch abseits des Platzes durch, war mehrere Male bei der Late Night Show von David Letterman zu Gast.

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Bei einem Vorbereitungsspiel im Jahre 1997 wurde Nittmo jedoch im Spiel gegen die Atlanta Falcons beim Kickoff schwer getacklet. Doch der Schwede wird nicht nur zu Fall gebracht sondern auch von einem gegnerischen Verteidiger mit dem Knie am Kopf getroffen. Die Folgen für Nittmo waren immens. Schwere Kopfschmerzen, große Gedächtnislücken und ein lautes Geräusch im Kopf, was er nicht los wurde und auch heute noch besitzt.

Um seine Familie vor ihm selbst zu schützen, nahm er reißaus und ließ Frau und Kinder im Stich. Inzwischen lebt Nittmo verwahrlost in einem Wohnmobil in Arizona. Wie seine Ex-Frau der "Buffalo News" erzählte, verabredete sie sich bei ihrem letzten Gespräch mit ihm zum Geburtstag der gemeinsamen Tochter. Doch Nittmo erschien nicht.

Risiko bei Gronkowski

Das Schicksal von Björn Nittmo ist leider kein Einzelfall. Doch von den vielen Betroffenen hört man wenig bis gar nichts. Im Vordergrund steht das Spektakel, der Sport. Klar, American Football ist packend und mitreißend. Doch er hat oftmals Folgen, die man erst im Nachhinein sieht.

Auch Rob Gronkowski ist am Sonntag dabei. Noch vor zwei Wochen musste er mit einer Gehirnerschütterung vom Platz. Nicht die erste in der Karriere des Star-Tight-Ends der New England Patriots. An sich ist er wieder fit, unabhängige Ärzte haben dem 28-Jährigen eine Teilnahme am Spiel erlaubt. Und "Gronk" will natürlich auf dem Feld stehen, nicht den Super Bowl verpassen und ihn in vollen Zügen genießen. Die Frage ist nur: Um welchen Preis.

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