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Olympia 2021: Meine irren Erlebnisse als Olympia-Reporterin in Tokio


15 Minuten Ausgang pro Tag  

Die irren Vorschriften bei Olympia

23.07.2021, 16:36 Uhr
Olympia-Reporterin: So verrückt ist der Arbeitsalltag in Tokio

Nur 15 Minuten an der frischen Luft, Fiebermessen und Flughafen-Checks. t-online-Reporterin Melanie Muschong schildert ihren verrückten Alltag bei Olympia. (Quelle: t-online)

Nur wenige Minuten an der Luft und kaum Freiheiten: So erlebt t-online-Reporterin Melanie Muschong den verrückten Arbeitsalltag in Tokio. (Quelle: t-online)


15 Minuten an der frischen Luft, Fiebermessen und Flughafen-Checks. Mitarbeiter, die mich am Bus abfangen. Das Leben als Olympia-Reporterin habe ich mir anders vorgestellt. Ein "Erlebnisbericht" aus Tokio.

TokioJapan: Es ist 20.05 Uhr. Ich laufe hektisch durch einen kleinen Supermarkt und schnappe mir alles, was ich finde – Reisbällchen mit Wasabi-Füllung und Gemüse. Ich habe kaum Zeit. Und Getränke nicht vergessen. Wasser, Cola. Nehme ich mit. Ich schaue auf meine Uhr. Verdammt. Schon 20.12 Uhr. In ein paar Minuten muss ich zurück im Hotel sein. Also: Schnell bezahlen und strammen Schrittes die 200 Meter zurück zum Lobby-Eingang. 20.16 Uhr. Puh. Geschafft. Angekommen. Der Hotelmitarbeiter schreibt die Uhrzeit neben meinen Namen auf seine Liste. Ich bin beruhigt.

Reisbällchen und Tütensuppe: Die Supermarkt-Ausbeute von Reporterin Melanie Muschong an ihrem ersten Abend in Tokio. (Quelle: t-online/t-online)Reisbällchen und Tütensuppe: Die Supermarkt-Ausbeute von Reporterin Melanie Muschong an ihrem ersten Abend in Tokio. (Quelle: t-online/t-online)

So wird das jetzt wohl jeden Tag in den kommenden zwei Wochen für mich laufen.

Mein Name ist Melanie Muschong und ich berichte für t-online von den Olympischen Spielen 2021 aus Japan. Doch aufgrund der strikten Regeln für ausländische Journalisten wegen der Corona-Pandemie wird es für mich und meine Kolleginnen und Kollegen ein – sagen wir mal – spezielles Turnier.

Der "7-Eleven"-Laden in der Nähe des Hotels: Zu Fuß sind es etwa 200 Meter dort hin. (Quelle: t-online/t-online)Der "7-Eleven"-Laden in der Nähe des Hotels: Zu Fuß sind es etwa 200 Meter dort hin. (Quelle: t-online/t-online)



Wir – also Journalisten, Fotografen und allgemein Medienschaffende – dürfen nur für 15 Minuten am Tag unser Hotel verlassen, wenn es um "nicht-berufliche Gründe" geht. Nach einem anstrengenden Tag mal etwas länger um den Block gehen? Nein! Sushi essen in einem Restaurant in Tokio? Fehlanzeige. Joggen, um den Kopf frei zu bekommen? Auf keinen Fall!

Der Security-Desk in der Hotel-Lobby: Jeden Tag sitzt hier 24 Stunden eine Person, die die Ausgänge der Personen überprüft. (Quelle: t-online/t-online)Der Security-Desk in der Hotel-Lobby: Jeden Tag sitzt hier 24 Stunden eine Person, die die Ausgänge der Personen überprüft. (Quelle: t-online/t-online)

Tägliches Fiebermessen als Ritual 

Und das ist längst nicht alles. Auch morgens gibt es Rituale, die nun zu meinem Alltag dazugehören. Nach dem Aufstehen wird in der Lobby Fieber gemessen. Meine Temperatur trage ich in eine Gesundheits-App ein, die mich zudem nach meinem körperlichen Zustand fragt. Das ist Pflicht für uns – und das nicht erst seit dieser Woche. 

Das Prozedere startete bereits vor knapp 14 Tagen, also noch vor meiner Abreise. Aber: Ich möchte mich nicht beschweren. Immerhin darf ich das machen, wovon so viele andere Menschen träumen. Ich bin live vor Ort bei den Olympischen Spielen, darf über die größten Sportlerinnen und Sportler unseres Planeten berichten. Das ist unglaublich. Aber es ist in diesem Jahr eben auch anstrengender als sonst.

Und man hat immer diese Gedanken im Hinterkopf: Was, wenn ich eine Regel mal versehentlich missachte? Und was, wenn ich auf einmal tatsächlich erhöhte Temperatur habe?

Aber zurück zur Gesundheits-App. Wenn ich alles korrekt eingetragen habe, erscheint das Wort "Registered" (zu Deutsch: registriert) in grüner Schrift auf meinem Handy. Nächster Schritt im Tagesplan: Der Corona-Test. Die ersten drei Tage nach der Einreise und anschließend alle vier Tage müssen wir PCR-Tests machen. Erst wenn dieser auch negativ ist, bin ich erleichtert.

Private Olympia-Busse und Taxis holen uns am Hotel ab und fahren auch dorthin zurück. Die Fahrzeit beträgt bei mir etwa 70 Minuten. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen wir für die zwei Wochen nicht benutzen. 



Ankunft im Pressezentrum: Security-Mitarbeiter begrüßen mich. Der Check erinnert an Flughafenkontrollen. Getränke mitnehmen? Geht. Allerdings muss ich zeigen, dass kein gefährlicher Inhalt in meiner Flasche ist. Also trinke ich jeden Tag einen Schluck bei der Ankunft. Das Pressezentrum ist riesig. Plastikwände trennen Hunderte von Schreibtischplätzen. Es gibt Kaffee und Wasser an einem Stand. Glück gehabt.

Ich schreibe meine Texte, tausche mich mit Kolleginnen und Kollegen aus. Dann geht es eventuell zu einem sportlichen Wettbewerb, anschließend zurück zum Hotel. Direkt nach dem Ausstieg am Abend empfangen uns zwei Mitarbeiter, um uns den direkten Weg in die Lobby zu geleiten. Klar: Ausbüchsen soll keiner.

Ich schreibe noch letzte Artikel und meine Übergabe an die Kollegen. Dann geht es wieder los: Essen und Getränke besorgen. Und trotzdem bin ich froh, hier zu sein.

Während ich von einigen Kollegen höre, dass sie kurz davor waren, die Reise komplett abzusagen, lächle ich und freue mich auf meinen Gang zum Supermarkt, um (kurz) Olympische Luft einzuatmen. Denn die Spiele sind nicht nur für Sportler ein Highlight, sondern auch für mich.

Es ist eine besondere Zeit. Es sind besondere Spiele. Und es ist immer noch ein Großereignis, das nur alle paar Jahre stattfindet und die ganze Welt bewegt.

Einblicke in Ihren verrückten Arbeitsalltag gibt t-online-Reporterin Melanie Muschong auch im Video direkt hier oder ganz oben im Artikel.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen

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