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Christoph Maria Herbst verzweifelt: "Bringt doch eh alles nichts"


Christoph Maria Herbst: "Für den Planeten eine Katastrophe"

Von Janna Halbroth

Aktualisiert am 04.12.2023Lesedauer: 7 Min.
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Christoph Maria Herbst: Der Schauspieler verzweifelt manchmal an einem nachhaltigen Leben.Vergrößern des Bildes
Christoph Maria Herbst: Der Schauspieler verzweifelt manchmal an einem nachhaltigen Leben. (Quelle: IMAGO/Robert Schmiegelt)

Er gehört zu den lustigsten Männern Deutschlands. Im t-online-Interview schlägt Christoph Maria Herbst ernste Töne an – über seine kinderlose Ehe, "Stromberg" und den Klimaschutz.

Vor rund 20 Jahren feierte Christoph Maria Herbst als Stromberg Erfolge. Noch heute findet die Serie jede Menge Anhänger, dabei will sie so gar nicht in unsere aktuelle Zeit passen. Stromberg, der Abteilungsleiter, ist misogyn, rassistisch, egoistisch und eigentlich ziemlich peinlich.

Heute spielt Herbst andere Rollen. Etwa den Rechtsanwalt Merz in "Merz gegen Merz". Außerdem stand er für das Jubiläum der ZDF-Reihe "Terra X Faszination Erde" vor der Kamera. Für Herbst eine große Sache – ist er doch erstmals Moderator und nicht Schauspieler. In der Folge, in der er zu sehen ist, geht es um Australien, ein Kontinent, der ihn fasziniert. Vor allem, weil die Menschen dort durch ihre besonderen Lebensumstände, geprägt von Naturkatastrophen, mit einer ganz eigenen Mentalität auf ihr Dasein blicken.

Wie sehr ihm selbst die Umwelt am Herzen liegt, warum er nie eine große Hochzeitsfeier veranstaltet hat und wie heftig Streamingdienste ihn zu einer "Stromberg"-Nachfolge drängen wollen, verrät der 57-Jährige im t-online-Interview.

t-online: Herr Herbst, machen Sie etwas in Ihrem Alltag, das Nachhaltigkeit fördert?

Christoph Maria Herbst: Ich fische natürlich auch im Trüben. Ich versuche mit meinen kleinen, immer wieder von Ohnmacht geprägten Möglichkeiten, das eine oder andere umzusetzen. Ich denke dann aber auch immer: Mein Gott, wenn ich das jetzt hier tue, was kann ich damit eigentlich bewirken?

Was genau machen Sie denn?

Ich esse kein Fleisch, seit sieben Jahren fahre ich ein hundertprozentiges Stromauto, war da also Pionier. Dieses Auto wird ausschließlich mit nachhaltiger Energie betankt. Ich versuche überwiegend mit dem Zug zu fahren, also lauter diese Dinge, die geradezu auf der Straße liegen. Wenn ich mir aber die großen Player angucke, die sich gefühlt keinen Zentimeter bewegen, frage ich mich schon, was ich groß tun soll. Letztlich machst du das doch für die eigene innere und äußere Hygiene und hoffst, dass du dank deiner Prominenz einen Vorbildcharakter haben kannst für andere. Aber ich muss ehrlich sagen, es fällt mir manchmal schwer, zwischendurch nicht die Flinte ins Korn zu werfen und zu denken: Es bringt doch eh alles nichts, nach mir die Sintflut. An so einem Gedanken gräbt man natürlich auch mal entlang.

 
 
 
 
 
 
 

Würden Sie sich wünschen, dass die Politik mehr tut, sodass diese großen Player auch in die Verantwortung gezogen werden?

Ich denke zum Beispiel an Indien. Da stehen eine Milliarde Menschen und die wollen endlich so leben, wie es der Westen tut. Wer könnte ihnen das verwehren? Das wäre natürlich eine unglaubliche Ungerechtigkeit, zu sagen, dass sie das schön sein lassen sollen. Das ist ein mega Land, das vor dem Absprung steht. Für den Planeten Erde ist das eine Katastrophe. Es sind sehr schwierige Fragen, über die wir hier gerade sprechen. Ich bin einmal mehr heilfroh, gerade in dieser Zeit, kein Politiker zu sein.

Warum?

Es ist so eine unfassbare Gemengelage, man muss so wahnsinnig vielen Ansprüchen gerecht werden, müsste unentwegt allen möglichen auf die Füße treten, kann das aber auch nicht tun, weil man wieder gewählt werden will. Es ist schier ausweglos. Wenn man sich erst mal intensiver mit dieser Thematik beschäftigt und nicht die genügend hohe Resilienz hat, könnte man sehr schnell in eine tiefe Depression verfallen.

Es gibt glücklicherweise auch erfreulichere Themen. Sie sind seit 2019 Teil der Fernsehserie "Merz gegen Merz". Warum halten Sie schon so lange an diesem Projekt fest?

Also warum das ZDF das tut, müsste man natürlich das ZDF fragen, ich will eine Antwort versuchen für Sie: Ein Grund ist natürlich das Ensemble. Michael Wittenborn, Claudia Rieschel, Carmen-Maja Antoni, Bernd Stegemann, Annette Frier, also da bleibt kein Auge trocken, wenn ich diese Namen nenne. Wenn dann noch ein Ralf Husmann das Buch schreibt, ein Felix Stienz Regie führt, wäre man echt ziemlich dumm, wenn man dieses Eisen nicht weiter schmieden würde.

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Die Serie ist auf ihre Art auch Familiensendung, weil viele Zuschauerinnen und Zuschauer Szenen aus ihren eigenen Familien entdecken können, so absurd diese auch sind.

Das tut mir sehr leid (lacht), aber ja, so ist es wohl und deshalb tut es auf so eine angenehme Weise weh. Wenn man das mit in seinen eigenen Alltag nehmen kann, entwickle ich auf meine alten Tage fast noch missionarischen Eifer, weil mein Handeln Auswirkungen auf die Menschen hat. Und deshalb hat das, was ich da beruflich mache, doch auch mit dem Thema zu tun, was wir eben hatten. Denn das macht unser Leben auch aus, zwischendrin die Leute zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen, ist Teil meines Berufes.

In dem jüngsten "Merz gegen Merz"-Film wurde groß Hochzeit gefeiert. Sie sind auch verheiratet. Gab es bei Ihnen eine große Hochzeit oder eher eine kleine?

Wir haben unsere Hochzeit romantisch und klein gehalten. Genau das, was wir bei "Merz gegen Merz" da gerade alles beobachten können, genau das wollte ich vermeiden.


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Sie sind kinderlos. Haben Sie je bereut, dass Sie keine Kinder haben?

Das Gespräch müssen wir vielleicht in 10 oder 15 Jahren noch mal führen, weil ich dann im Schaukelstuhl sitze und keine Enkel habe, von denen ich mich bespaßen lassen könnte. Bislang hat sich Reue noch nicht eingestellt. Das war eine Entscheidung oder auch Nicht-Entscheidung, die sich so ergeben hat, die anscheinend genauso richtig war.

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Also haben Sie noch nie gedacht: Mit Kindern wäre es jetzt vielleicht schöner?

Nein, irgendwie nicht. Diesen Konjunktiv gibt es nicht in meinem Leben, weil ich viel zu sehr im Indikativ lebe. Ich weiß nicht, was ich verpasse, weil ich ja keine Kinder habe. Ich kenne das von Freunden oder der Familie, eben bei jenen, die Kinder haben. Da wird dann oft gesagt, Kinder würden das Leben so bunt machen. Aber ich habe auch so das Gefühl, dass mein Leben kein Schwarz-Weiß-Film ist.

Andersrum können Eltern natürlich auch nicht sagen, wie es ohne Kinder wäre.

Das stimmt, aber du wirst natürlich nicht als Eltern geboren, die hatten bis dahin schon ein Leben, ohne Vater oder Mutter zu sein. Aber das ist eine gemeinsame Entscheidung und das hat, wie alles im Leben, Vor- und Nachteile. Es ist nichts, wofür man sich entscheidet und was dann wieder rückgängig gemacht werden kann.

Ein letzter Themenwechsel: Seit dem "Stromberg"-Start sind mittlerweile 20 Jahre vergangen. Noch immer ist die Serie populär und in den Köpfen der Menschen. Nervt es Sie, immer wieder mit dieser Rolle in Verbindung gebracht zu werden?

Es lässt mich schmunzeln, dass ich wieder ein Interview führe, bei dem man an diesem S-Wort nicht vorbeikommt. Aber das nervt mich überhaupt nicht. Wir haben diese Zeit alle unfassbar genossen und egal, wen sie aus dem "Stromberg"-Ensemble fragen, würde das jeder genauso sagen wie ich. Alle haben danach noch viele tolle Dinge gemacht, aber diese "Stromberg"-Zeit war schon ein besonderes Geschenk und das haben wir alle ganz fett in unseren Herzen und Gedanken abgespeichert.

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Hätten Sie damals erwartet, dass diese Serie so groß wird?

Nein, natürlich haben wir nicht damit gerechnet, dass so was nach zwei Jahrzehnten immer noch geguckt wird. Aber in unserer heutigen Zeit ist nie etwas wirklich weg, es wird zwar im linearen Fernsehen nicht mehr ausgestrahlt, aber du kannst es im Netz anklicken wie blöde. Bei Netflix läuft es hoch und runter, auf My Spass, bei Amazon, überall. Ich bekomme heute noch Zuschriften, wo mir meistens Männer mitteilen, dass sie sich mit ihren Kumpels am Wochenende alle fünf Staffeln und den Kinofilm angeguckt haben. Das ist wirklich eine nachwachsende Generation. Wir haben hier anscheinend etwas Zeitloses geschaffen und das ist schon faszinierend.

Was macht das mit Ihnen?

Ich hatte bisher immer gedacht, das würde nur Loriot hinkriegen. Es müssten sich mal Sozialwissenschaftler oder Psychologen damit beschäftigen, wo das herkommt. Das können ja nicht nur die lustigen Witze sein, die wir da von uns geben. Vielleicht ist es noch weitreichender. Gerade wenn ich an die Figur Stromberg denke, muss ich feststellen, wenn er irgendwas nicht ist, dann woke. Vielleicht ist er eine Art Ventil für den einen oder anderen.

Wäre so etwas wie "Stromberg" im linearen Fernsehen heute noch möglich?

Das ist eine Frage, die nicht beantworten kann. Aber dafür hat der liebe Gott Streamingdienste geschaffen und die stehen, auch wenn das jetzt schlimm unbescheiden klingt, bei uns Schlange und ich kann nachts fast nicht schlafen, so laut ist das Klopfen an die "Stromberg"-Tür (lacht).

Hätten Sie denn noch einmal Lust drauf?

Momentan hätte ich ehrlicherweise eher keine Lust. Dafür habe ich mittlerweile zu viele andere tolle Sachen gespielt und noch vor. Vor allem auch so viele, die mit dieser Figur Bernd Stromberg so gar nichts zu tun haben. Ich finde, ich habe zum richtigen Zeitpunkt die Reißleine gezogen. Ich bin beruflich nicht "Stromberg"-Darsteller, sondern Menschendarsteller. Man muss sich auch die anderen tollen Kollegen und Kolleginnen angucken, die in einer Serie gespielt haben und die nach deren Beendigung nicht mehr glücklich geworden sind. Sie waren immer nur noch diese eine Figur, für die sie standen und das ist etwas, was ich nie erleben wollte. Deswegen bin ich fast ein bisschen stolz drauf, dass ich auf dem Höhepunkt gesagt habe, dass wir den Bernd einfrieren. Aber, was man einfrieren kann, kann man auch wieder auftauen. Wer weiß, wann?

Verwendete Quellen
  • Interview mit Christoph Maria Herbst
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