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Otto Waalkes: Im Interview verrät die Comedy-Legende eine große Live-Panne

INTERVIEWComedy-Legende  

Otto Waalkes macht weiter, bis er "auf der Bühne tot umfällt"

Von Steven Sowa

13.12.2019, 16:27 Uhr
Otto Waalkes: „Ich werde wahrscheinlich auf einer Bühne sterben“

Auch mit 71 Jahren denkt Otto Waalkes noch lange nicht ans Aufhören. Wir haben mit dem Komiker darüber gesprochen, warum er bald wieder auf große Deutschland-Tournee gehen will. (Quelle: t-online.de)

Immer noch nicht müde: Im Interview zeigt uns Otto, wie ein Witz entsteht - und was sein bester Fauxpas auf der Bühne bisher war. (Quelle: t-online.de)


"Ulknudel", "Blödel-Ostfriese" oder einfach nur: Otto Waalkes. Das komödiantische Universalgenie sprach mit t-online.de über Tabugrenzen, Lampenfieber und eine Panne beim Live-Auftritt. 

Otto Waalkes ist ein Urgestein der deutschen Comedyszene. Der Mann mit den vielen Stimmen, der so gerne mit Kopfbedeckung durch die Gegend hüpft und sowohl mit Fernsehshows als auch mit Filmen und Live-Autritten zum Star wurde. Ulkige Parodien, launige Anekdoten oder Verse mit Witz und Verstand: Als Otto zu einem Redaktionsbesuch bei t-online.de vorbeischaut und mit der versammelten Mannschaft ins Gespräch kommt, ist der Unterhaltungswert groß. Doch Otto kann auch ernst sein – zumindest, wenn die Kamera mal ausnahmsweise zur Nebensache wird. Wenn sie auf ihn gerichtet ist, kommt der Otto heraus, den wir alle kennen: Aber sehen Sie selbst, oben im Video. 

Am liebsten spricht der 71-Jährige über seine große Leidenschaft: die Bühne. Im Frühling und im Herbst 2021 wird Otto Waalkes erneut auf Tour gehen und mit "Otto Live!" von Emden bis Dresden, von Basel bis Graz und von Dortmund bis Hamburg sein Programm abfeuern. Er wird Lieder singen, mit dem Ottifanten Kunststücke zum Besten geben, Figuren des öffentlichen Lebens parodieren und vor allem: Witze erzählen. 

Im Interview mit t-online.de erzählt das Allroundtalent von der Herausforderung, im hohen Alter noch über 70 Liveauftritte zu bewältigen. Dabei denkt der gebürtige Ostfriese auch laut darüber nach, dass es ihn eines Tages auf der Bühne erwischen könnte. 

Herr Waalkes, waren Sie auch schon früher der Klassenclown?

Ich kann mich an wenige Schülerstreiche erinnern. Ich war eher ein kleiner Streber, notgedrungen, ich kam ja als einziger in meiner Klasse aus einer Arbeiterfamilie. Dabei hätte meine Außenseiterrolle mich eigentlich zum Klassenclown prädestiniert. Ich war klein und schmächtig. Die Akademikersöhne waren dagegen sportliche Riesen. Vielleicht habe ich versucht, das zu kompensieren, mit Karikaturen unserer Lehrer oder einem Holladihiti – gejodelt habe ich damals schon. Möglich, dass dieses Verhalten als Clownerie empfunden wurde, aber es war meinerseits eher eine Schutzhaltung.

Liegt einem Humor einfach oder kann man das Lustigsein üben?

Ich glaube, wenn man zu viel analysiert, was komisch wirkt und was nicht, kann man viel an Originalität und Authentizität verlieren. Ich bin früher schon im Kindergarten – da war ich zwei, drei Jahre alt – als Puppendoktor aufgetreten. Und später beim Kindergottesdienst habe ich dann ein Gedicht vorgetragen, das hatte ich mir selbst zurechtgemacht:

"Weißt du Mutti, was ich möchte?...": Hier trägt Otto das Gedicht vor, das der als kleiner Junge selbst schrieb. (Quelle: t-online.de)

Ich habe dafür Applaus bekommen, selbst vom Pfarrer. Das war einer meiner ersten Schritte Richtung Comedy. Mit elf Jahren habe ich dann an einem Kindermusikwettstreit teilgenommen. Irgendwie hat das nahtlos auf die große Bühne geführt. Ich bin eigentlich, seitdem ich denken kann, bei jeder Gelegenheit aufgetreten und habe immer versucht, im Scheinwerferlicht zu stehen.  

Otto Waalkes gibt eine seiner Anekdoten vor der Redaktion zum Besten: Interviewer Steven Sowa hört im Hintergrund aufmerksam zu. (Quelle: Robert Recker )Otto Waalkes gibt eine seiner Anekdoten vor der Redaktion zum Besten: Interviewer Steven Sowa hört im Hintergrund aufmerksam zu. (Quelle: Robert Recker )

Sie machen seit über 40 Jahren Comedy: Mussten Sie früher mehr aufpassen, was Sie sagen oder sind die Tabugrenzen heute enger?

Mittlerweile gibt's andere Tabus. Jede Ideologie schafft sich ihre eigenen selbst. Früher konnte man traditionelle Autoritäten auf die Schippe nehmen, das war dann schon der große Tabubruch. Der Staat, die Kirche, das hohe Gericht – diese Respektlosigkeit war ja unerhört. Zum Beispiel "Das Wort zum Montag". Meine Mutter war ganz entsetzt: "Wie kannst du nur? Du sollst den Namen des Herren nicht in den Schmutz ziehen!"

Otto imitiert die Stimme eines kleinen Kindes, zieht den Kopf leicht in den Nacken und blickt verschüchtert nach oben: "Nein Mutti, mir geht es nur um die Vortragsform dieser Predigt!"

Heute wäre das längst nicht mehr so heikel.

Dafür ist heutzutage Political Correctness ein großes Thema. Ist es nicht heute leichter, zum Beispiel mit Geschlechterzuordnungen anzuecken, als noch in den Siebziger- und Achtzigerjahren?

Ja, das ist richtig. Aber das können Leute wie Dieter Nuhr viel besser. Ich bin ja kein Kabarettist, dazu hat´s zum Glück nicht gereicht. Ich bin eher jemand, der das Alltagsgeschehen fröhlich glossiert und auf unbekümmerte Weise die Popkultur parodiert. Das macht mir persönlich mehr Spaß. Der Dialog mit dem Publikum, auch auf musikalischer Ebene, in Liedform und so weiter. Dass eine Reaktion vom Publikum kommt oder sogar der Anstoß für mich. Dass ein gemeinsames Konzept entsteht, ganz wie von selbst: Dann heben wir zusammen ab, mein Publikum und ich.

Was verarbeiten Sie am liebsten in Ihrem Humor?

Das Alltägliche, egal durch welches Medium es vermittelt wird: Werbung, Popmusik, Fernsehshows – ich halte Augen und Ohren offen, was reinkommt, daraus entsteht dann mein Material. Dafür habe ich immer einen Notizblock bei mir, darin sammeln sich Stichworte, Zitate, Zeichnungen. Ich arbeite jetzt schon am Programm für meine nächste Tour im übernächsten Jahr, 2021. Das Material probiere ich jetzt vor meinen Freunden aus. Gute Witze basieren auf Härtetesten!

Sie spielen Ihre Nummern tatsächlich noch Freunden und Bekannten vor?

Ja, natürlich! Ich muss doch wissen, wie ein Scherz wohl ankommt. Dieser zum Beispiel:

Otto testet einen Witz und auch dafür verstellt er automatisch leicht die Stimme. Er beugt sich nach vorne und spricht mit weit geöffneten Augen: "Ich muss aufhören zu trinken. Wieso denn? Ich sehe schon alles doppelt. Da kann ich dich beruhigen: Das sind Zwillinge ... ALLE VIER?"

Dann beobachte ich die Reaktionen. Haben die Leute nur höflich geschmunzelt? Oder wurde richtig gelacht? Dann lässt sich aus dem Witz etwas machen.

Otto bleibt Otto: Sobald die Kamera läuft, albert der 71-Jährige herum. Als Interviewer ist es nicht immer leicht, zwischen Ernst und Ulk zu unterschieden – doch Otto vergewissert sich bei seinem Gegenüber auch, ob die Antwort zufriedenstellend ausfiel oder nicht. (Quelle: Robert Recker)Otto bleibt Otto: Sobald die Kamera läuft, albert der 71-Jährige herum. Als Interviewer ist es nicht immer leicht, zwischen Ernst und Ulk zu unterschieden – doch Otto vergewissert sich bei seinem Gegenüber auch, ob die Antwort zufriedenstellend ausfiel oder nicht. (Quelle: Robert Recker)

2021 gehen Sie wieder auf Tour.

Warum nicht? Ich könnte mir vorstellen, dass ich irgendwann auf der Bühne tot umfallen werde, das wäre dann mein letzter Lacher. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es für diesen Auftritt noch Tickets gibt. *lacht*       

76 Auftritte mit dann 72 Jahren: Das ist sportlich.

Ja, aber das ist doch nichts Besonderes. Andere wie Udo Lindenberg oder die Rolling Stones machen bis zu 200 Auftritte während ihrer Tourneen – das geht also.

Was machen Sie, um sich für die Tour fit zu halten?

Eine Tour ist ja selbst das beste Fitnesstraining, zwei Stunden auf der Bühne herumzuhüpfen, ist wie ein Marathonlauf. Dies ständige Interagieren mit dem Publikum, die Gänge auf der Bühne, die Konzentration, die Musik: Das ist Hochleistungstraining, aber für mich ist es auch ein Jungbrunnen. Dies Glücksgefühl, wenn alles läuft wie von selbst.

Aber wie und wann erholen Sie sich?

Ach, das ist doch Erholung! Verglichen mit Menschen, die jeden Tag eine Arbeit tun müssen, die sie nicht so lieben wie ich die meine, ist das eine völlig andere Nummer, ein Glücksfall. Dessen muss man sich bewusst sein.

Was konserviert man mit der Zeit an Ritualen und Gewohnheiten?

Dass man pünktlich ist. Dass man vor dem Auftritt ab 17 Uhr keine feste Nahrung mehr zu sich nimmt. Nur wenn du mit leerem Magen auf die Bühne kommst, dann bist du hungrig und ausgelassen und hast trotzdem Kraft für zwei Stunden. Kein Kaffee, keine Tabletten, kein Alkohol. Und nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt. Ohne Disziplin geht das nicht, wenn man im entscheidenden Moment wirklich da sein und bereit sein will, alles zu geben.

Sie haben kürzlich Ihre gemalten Kunstwerke in der Galerie Walentowski in Werl ausgestellt – vor allem verfremdete Abbilder berühmter Kunstwerke. Für was ist Malerei besser geeignet, als Comedy oder Musik?

Man kann Malerei einsetzen, wie man mag: gesellschaftskritisch oder zum reinen Vergnügen. Musik oder Wortwitze bieten dieselbe Bandbreite – wie er sie einsetzt, hängt vom Künstler ab. Als Komiker habe ich den Vorteil, dass ich den Effekt direkt erfahren kann, live, durch die Reaktionen im Saal. Wenn hinterher jemand eine Kritik schreibt, in der steht, der Abend sei nicht komisch gewesen, muss einen Komiker das nicht kümmern: Er war ja dabei und hat das Lachen und den Applaus gehört.

Gibt es nach 40 Jahren auf der Bühne eigentlich für Sie noch so etwas wie Nervosität?

Immer! Ich habe jeden Abend das Gefühl: Heute könnte alles schief gehen! Nur wenn man aufgeregt ist und dieses Lampenfieber hat, Schmetterlinge im Bauch, dann wird am Ende auch alles gut werden. Und wenn alles zusammen wächst und das Publikum am Ende dasteht und gar nicht mehr nach Hause gehen will, dann hat es wieder einmal geklappt. Die Resonanz auf meine Arbeit, das Gefühl, dass es den Menschen gefallen hat, das ist das beste Gefühl überhaupt!

Konzerttermine: 2021 tritt Otto 76 Mal im Rahmen seiner "Otto live!" auf Konzerttermine: 2021 tritt Otto 76 Mal im Rahmen seiner "Otto live!" auf

Ist Ihnen denn schon einmal ein Malheur auf der Bühne passiert?

Pannen gehören zu Liveauftritten. Da war zum Beispiel mal ein riesiger Ottifant neben mir auf der Bühne. Für den gab es extra Personal, zwei Personen, die in dem Kostüm steckten. Der Ottifant sollte sich umdrehen, aus dem Hintern kam dann eine kleine Rauchwolke und akustisch wurde ein kleiner Furz eingespielt – mehr nicht. Jetzt hatte aber der Mann, der hinten drinstand, einen Feuerlöscher präpariert, um den Furz optisch ein bisschen zu verstärken. Als er draufdrückte, hat er damit einen weißen Streifen von 30 Metern Länge hinterlassen, der sich durchs ganze Publikum zog. Wir durften dann die Reinigungsgebühren bezahlen – trotzdem war es ein großer Lacher.

Inzwischen sind auch die Kinder Ihrer älteren Fans mit dabei: Verändert das Ihre Art, die Show zu gestalten?

Das war und ist ein Familienprogramm, weil ganz verschiedene Generationen zusammenkommen. Das mag auch an meinen letzten Filmen liegen. So kommen immer wieder neue Generationen nach. Die haben mich noch nie live gesehen – also kann ich ans Aufhören nicht einmal denken!

Was ist für Sie ein absolutes No-Go?

Aufzutreten, wenn keiner im Saal ist. Das mache ich nicht.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Waalkes. 

Tickets für die "Otto live!"-Tour finden Sie hier.

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