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Yvonne Catterfeld: "Das w├╝rde ich absolut ausgrenzen"

  • Maria Bode
Von Maria Bode

Aktualisiert am 02.12.2020Lesedauer: 8 Min.
Yvonne Catterfeld: Die Schauspielerin und Musikerin spricht mit t-online unter anderem ├╝ber schlechte Laune.
Yvonne Catterfeld: Die Schauspielerin und Musikerin spricht mit t-online unter anderem ├╝ber schlechte Laune. (Quelle: Andreas Rentz/Getty Images for Marc Cain)
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Seit vier Jahren ist Yvonne Catterfeld als eine der Hauptfiguren in der Krimireihe "Wolfsland" zu sehen. Im t-online-Interview erz├Ąhlt sie, was ihr dieses feste Engagement bedeutet und welche Rollen sie definitiv ablehnen w├╝rde.

Bei dem einen Sender sitzt sie auf dem roten Sessel und h├Ârt sich Goldstimmchen an, beim anderen ermittelt sie im d├╝steren Krimi ÔÇô und fernab der ├ľffentlichkeit singt sie auch noch im Tonstudio neue Songs ein. Yvonne Catterfeld ist wohl das, was man gemeinhin als Allroundtalent bezeichnen w├╝rde.


Durch die Jahre mit Yvonne Catterfeld

Mai 2003
November 2003
+14

W├Ąhrend ihre Rolle in "Wolfsland" nicht immer bester Laune ist, ist die Yvonne Catterfeld, die das Publikum von "The Voice of Germany" zu sehen bekommt, stets gut drauf. Wem sie das zu verdanken hat und was sie gegen schlechte Stimmung im Privaten unternimmt, erz├Ąhlt die Schauspielerin, die heute 41 Jahre alt wird, im Interview mit t-online.

t-online: Sie haben inzwischen zehn Folgen von "Wolfsland" gedreht. Inwiefern kann man von einem eingespielten Team sprechen?

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Yvonne Catterfeld: Wir sind schon sehr eingespielt, kennen auch unsere Charaktere inzwischen sehr genau. Am Anfang musste ich mich noch ein bisschen reinhangeln, wobei das auch gut passte, weil meine Figur Viola Dellbr├╝ck ja neu nach G├Ârlitz kam. Da war sie eh noch unsicher, das hat ganz gut parallel zu meiner Arbeit gepasst, mich in die Rolle einzufinden.

Also wachsen Sie und Ihre Rolle mit weiteren Episoden der Reihe ÔÇŽ

Ja, es ist sch├Ân f├╝r mich, ans Set zu kommen und schon alle zu kennen und zu umarmen. Dass das aktuell nicht geht, fehlt nat├╝rlich. Ich finde es schwierig, gebremst voreinander dazustehen und diesen Austausch von Energie nicht mehr zu haben. Aber trotzdem freue ich mich immer, Jan Dose und G├Âtz Schubert zu sehen. Das Grundteam ist immer das gleiche. Das ist sch├Ân. Ich mag das unheimlich gern. Es ist nicht wie nach Hause kommen, aber es ist gem├╝tlich und ich kann mich einfach fallen lassen, wie ich bin ÔÇô ohne unsicher zu sein. Aber auch Viola l├Ąsst mehr und mehr in sich hineinblicken ...

"Wolfsland": In der Krimireihe ermittelt Yvonne Catterfeld als Viola Dellbr├╝ck an der Seite von G├Âtz Schubert (hinten) als Butsch.
"Wolfsland": In der Krimireihe ermittelt Yvonne Catterfeld als Viola Dellbr├╝ck an der Seite von G├Âtz Schubert (hinten) als Butsch. (Quelle: MDR/Molina Film/Felix Matthies)

Eine feste Rolle scheint schon etwas Besonderes f├╝r eine Schauspielerin oder einen Schauspieler zu sein.

Nat├╝rlich birgt so eine Serie die Chance, dass man seinen Charakter weiterentwickeln kann und dass unerwartete Dinge passieren. Das macht viel Spa├č, der Charakter ist vielschichtiger in einer Serie. Wir drehen jetzt den zehnten Teil von "Wolfsland". Ich habe anfangs gedacht, nach zehn Teilen k├Ânnte man theoretisch auch aufh├Âren. F├╝r mich war es auch immer ein Kriterium, wie sehr mich die Rolle noch reizt, was noch passiert ÔÇô oder ob es irgendwann langweilig f├╝r mich als Schauspielerin wird. Aber ich bin jedes Mal wieder begeistert vom Drehbuch: wieder etwas Neues, neue Beziehungsebenen, neue Facetten, die zum Vorschein kommen. Ich finde es gro├čartig. Das machen unsere Autoren richtig gut.

Ist es eigentlich Zufall, dass Ihre "Wolfsland"-Rolle Viola Dellbr├╝ck wie Sie in Erfurt geboren wurde?

Ach, das habe ich schon wieder ganz vergessen. Ich glaube, die Idee war gar nicht so schlecht von den Autoren. Ich k├Ânnte mir vorstellen, dass das aufgetaucht ist, weil vielleicht ab und zu mein th├╝ringischer Dialekt ein bisschen durchkommt. Wobei: Tut er das?

Ich w├╝rde jetzt Nein sagen.

Aber ich finde es eine witzige Parallele. Ob das noch mal thematisiert wird, wei├č ich gar nicht. Bestimmt nicht.

In "Wolfsland" spielt schlechte Laune durchaus eine Rolle. Wie gehen Sie mit schlecht gelaunten Menschen in der Realit├Ąt um?

Ich glaube, Humor funktioniert bei schlecht gelaunten Menschen einfach am besten. Dass man die Dinge nicht so ernst nimmt, sich selbst nicht, das Gegen├╝ber in dem Moment auch nicht. Nat├╝rlich kommt es aber auch immer darauf an, warum jemand schlecht gelaunt ist. Das muss manchmal schon ernst genommen werden. F├╝r schlechte Laune gibt es einen Grund. Aber ob nun im Supermarkt oder bei der Post, es gibt immer mal Momente, in denen man auf schlecht gelaunte Menschen trifft. Ich nehme das nie pers├Ânlich. Das ist ja ein Verhalten, das eine Ursache hat. Wenn Sie Viola meinen, die ist einfach oft distanziert, vermeidet am liebsten Kontakt und sch├╝tzt sich auch.

Wie ist das, wenn Sie selbst schlecht gelaunt sind?

Auch ich bin mal schlecht gelaunt, aber ich merke, dass das viel einfacher ist, wenn ich mir an solchen Tagen vornehme, alles nicht ganz so ernst zu nehmen. Aber das gelingt mir nicht immer. Da kann ich leider auch sehr impulsiv sein.

W├╝rden Sie sich als direkt und schlagfertig bezeichnen?

Schlagfertig bin ich zum Gl├╝ck. Ich bin privat sehr direkt, manchmal sogar zu direkt. Ich bin einfach sehr ehrlich. Es bringt aber im pers├Ânlichen Umfeld niemandem etwas, wenn man um den hei├čen Brei redet. Empathie und Verst├Ąndnis zu haben, das sind f├╝r mich ganz zentrale Dinge. Aber auch sich verst├Ąndlich zu machen und sich zu erkl├Ąren. So was kann man Kindern von Anfang an mit auf den Weg geben. Das gr├Â├čte Problem ist ja oft die nicht vorhandene Kommunikation. Es hilft, seine Bed├╝rfnisse klar zu ├Ąu├čern, zu fragen und zu hinterfragen, warum jemand so handelt, reagiert. Oft steckt Angst dahinter oder ein nicht beachtetes und kommunizierten Bed├╝rfnis.

Sie sagten, Sie sind privat sehr direkt, wie sieht das im Beruf aus?

Manchmal muss man da auch diplomatisch sein. Beispielsweise bei "The Voice of Germany" w├Ąre es manchmal einfach verletzend, wenn ich immer nur direkt w├Ąre. Ich muss abw├Ągen, was ich sage und wie ich es sage. Deshalb denke ich, dass ich bei "The Voice" schon zur├╝ckhaltender bin als privat. Wenn es in der Show wiederum ums Erarbeiten von Songs geht, bin ich fordernd, dann bin ich denkkritisch, fordere heraus und arbeite sehr gezielt und aktiv. Bei den "Blind Auditions" bin ich aber eher zur├╝ckhaltender.

"The Voice of Germany": Stefanie Klo├č, Yvonne Catterfeld, Nico Santos, Samu Haber und Rea Garvey.
"The Voice of Germany": Stefanie Klo├č, Yvonne Catterfeld, Nico Santos, Samu Haber und Rea Garvey. (Quelle: ProSiebenSat.1/Richard H├╝bner)
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Noch einmal zur├╝ck zu "Wolfsland". In einer der neuen Folgen spielt Kinderdarsteller Louis Christiansen neben Ihnen und G├Âtz Schubert. Bringt es f├╝r Dreharbeiten mit Kindern Vorteile mit sich, selbst welche zu haben?

Ich liebe es, mit Kindern zu drehen ÔÇô nicht erst seitdem ich selbst Mama bin. Kinder gehen einfach immer anders an das Ganze ran, haben immer auch einen Coach an ihrer Seite. Louis Christiansen bei "Wolfsland" war wirklich toll, ein ganz au├čergew├Âhnliches Kind. Ich fand das sch├Ân zu sehen, wie pur er spielt. Kinder sind noch so unbedarft und naiv. Aber man merkt, dass der Film auch was mit ihm gemacht hat. Er konnte sich sehr gut mit Erwachsenen unterhalten, und er war schon sehr weit.

Konkret geht es in der Folge um das Thema Kindesentf├╝hrung. Geht Ihnen das als Mutter n├Ąher?

Ich kann bestimmte Filme mit Kindern tats├Ąchlich nicht mehr gucken. Das hat sich wirklich ge├Ąndert, seitdem ich selbst ein Kind habe. Bei der neuen "Wolfsland"-Folge ist das Kind zwar nicht tot, aber der Film handelt davon, dass das Kind get├Âtet werden sollte. Das fand ich echt hart. Als ich die Szenen im Drehbuch gelesen habe, dachte ich, dass ich die Mutter nicht spielen w├╝rde. Es gibt bestimmte Rollen, die ich ablehnen w├╝rde. Ich will ├╝ber solche Situationen nicht nachdenken, ich will mir das nicht vorstellen. Das w├╝rde ich absolut ausgrenzen wollen. Ich will das nicht.

Polizeichef Dr. Grimm (Stephan Grossmann) scheint teils mehr Wert auf die Meinung von Violas m├Ąnnlichem Kollegen Butsch (G├Âtz Schubert) zu legen. Inwiefern hatten Sie schon mal das Gef├╝hl, als Frau anders wahrgenommen zu werden?

Was mir dazu direkt einf├Ąllt, ist, dass zu Beginn meiner Karriere in der Plattenindustrie vorwiegend M├Ąnner waren. Ich hatte eine Produktmanagerin, aber alle Entscheidungen wurden damals von M├Ąnnern getroffen. Soweit ich wei├č, hat sich das inzwischen ge├Ąndert. Durch mein eigenes Label stecke ich da nicht mehr so drin. Die Musikindustrie kann sehr hart sein und es ist nicht so einfach, sich da durchzusetzen. Ich denke aber, als Mann ist es oft genauso schwierig. Ich kenne viele K├╝nstler und wei├č gar nicht, ob das was mit Mann oder Frau zu tun hat. Man hat es einfach schwer, weil nat├╝rlich unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen ÔÇô wenn es schlecht l├Ąuft. Aber in erster Linie geht es ja darum, Erfolg zu haben. Und der basiert nun mal auf dem, was bereits Erfolg hat. Das ist immer die vermeintlich sichere Schiene und dagegen muss man ank├Ąmpfen. Aber ich glaube einfach, das gilt gleicherma├čen f├╝r Frauen wie f├╝r M├Ąnner.

Als Sie in der Musikbranche Fu├č gefasst haben, waren Sie noch sehr jung. War das f├╝r Sie problematisch, da nur von M├Ąnnern umgeben zu sein?

Ich hatte zu Beginn gl├╝cklicherweise meine Managerin als starke Vertreterin, insofern war das okay f├╝r mich und es stand nicht so im Vordergrund. Mir ist es eben nur aufgefallen, wenn es um die Beurteilung von Songs ging ÔÇô welche nehmen wir aufs Album, was wird die Single. Da war schon klar, dass Frauen anders entschieden h├Ątten. Das sind manchmal einfach andere Meinungen, andere Emotionen, andere Sichtweisen.

Yvonne Catterfeld im Jahr 2003: In dieser Zeit feierte sie ihren musikalischen Durchbruch.
Yvonne Catterfeld im Jahr 2003: In dieser Zeit feierte sie ihren musikalischen Durchbruch. (Quelle: imago images / Camera4)

... vielleicht auch eine andere Darstellungsweise beispielsweise im Musikvideo.

Genau, nat├╝rlich h├Ątte man mich vielleicht auch anders inszeniert oder anders in Szene gesetzt. Aber es ist schon lustig. Ich hatte immer Fotografen, ich hatte immer m├Ąnnliche Stylisten oder Make-up-Artisten. Ich mochte das, aber ich habe das nicht bewusst so gew├Ąhlt. Ich arbeite einfach gerne mit M├Ąnnern zusammen. Ich kann mich inzwischen sehr gut durchsetzen, bin sehr burschikos und sehr kumpelhaft. Das f├Ąllt aber nicht jeder Frau leicht. Manche sind vielleicht doch verletzlicher oder sch├╝chterner. Aber ich konnte mich immer gut auf die Ebene bringen. Witzigerweise hat es sich so ergeben, dass ich inzwischen ein komplettes Frauenteam f├╝rs Songwriting habe, eine Producerin und auch bei "The Voice" habe ich ein komplettes Frauenteam um mich rum: eine Stylistin, eine Assistentin der Stylistin, eine Make-up-Artistin, meine Managerin. Die sind alle einfach cool.

Wie kam das?

Zufall. Die Chemie hat gestimmt. Ich glaube, ich habe selbst immer Vorurteile gehabt, denn es gibt und gab eben auch Frauen, mit denen ich nicht so klarkam. Jetzt passt es einfach total. Wenn man bei uns in die Garderobe reinkommt, ist es zum Schreien komisch, wir lachen so viel. Es ist so unfassbar lustig bei uns, wir passen einfach super zusammen. Das macht total Spa├č, was auch wichtig ist, bevor man in so eine Sendung geht. Ich kann in die Garderobe schlecht gelaunt reinkommen, ich kann mich fallen lassen, heulen ÔÇô ich werde einfach immer aufgefangen. Oder wir heulen eben zusammen oder regen uns zusammen auf.

Klingt nach einem Dreamteam ÔÇŽ

Ja, es kommt aber einfach auf die richtigen Menschen an. Ich w├╝rde genauso gut mit einem m├Ąnnlichen Team zurechtkommen. Aber ich finde es extrem wichtig, dass man so eine Basis hat, wo man sich fallen lassen kann. Wir m├╝ssen, auch wenn wir wir selbst sind, vor der Kamera auch eine Rolle einnehmen. Ich kann ja nicht mit der Emotion reingehen, die ich morgens vielleicht gehabt habe, sondern ich muss mich in eine Situation versetzen, die man vor die Kamera bringen kann, in einen zeigbaren Zustand. Selbst wenn morgens irgendwas passiert ist, muss ich dann umschalten und auf Kontrollmodus stellen.

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Die beiden neuen "Wolfsland"-Filme "Kein Entkommen" und "Das Kind vom Finstertor" laufen jeweils am Donnerstag, 3. Dezember 2020, 20:15 Uhr sowie am Donnerstag, 10. Dezember 2020, 20:15 Uhr im Ersten.

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