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"Musik ist unschuldig"

Von t-online, Mth

Aktualisiert am 30.06.2022Lesedauer: 3 Min.
R. Kelly muss 30 Jahre ins Gefängnis gehen. (Archivbild von 2012)
R. Kelly muss 30 Jahre ins Gefängnis gehen. (Archivbild von 2012) (Quelle: United Archives International/imago-images-bilder)
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Sollen Kunst und Künstler getrennt werden oder sind in Ungnade gefallene Sänger schlicht unhörbar? Über diese Frage diskutiert das Netz momentan hitzig.

Schuldig in allen Anklagepunkten – so lautete das eindeutige Urteil der Jury im Prozess gegen Superstar R. Kelly, das schon im September gefällt wurde. Der Sänger, der in den 90er-Jahren große Erfolge feierte, musste sich wegen Missbrauchs, Kidnapping und Bestechung verantworten. Nun ist das Strafmaß bekannt: Er muss für 30 Jahre ins Gefängnis.


Michael Jackson: Das Leben des "King of Pop"

November 1972: Der 14-jährige Michael lächelt hier in einem Hotel in London in die Kamera. Zu dieser Zeit ist die spätere Show-Business-Legende auf Tour mit den Jackson 5.
Februar 1979: In diesem Jahr ist sein fünftes Album als Solokünstler erschienen – ein Riesenerfolg für "Off the Wall".
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Das Urteil sorgte weltweit für Schlagzeilen. Und nicht nur das: Zudem ist eine Diskussion um einen Boykott seiner Kunst entbrannt. Lady Gaga, die vor einigen Jahren "Do What U Want" mit dem heute 54-Jährigen aufnahm, will schon seit Längerem nicht mehr, dass der Song gespielt wird. Stattdessen ist jetzt nur noch die Neuauflage des Duetts mit Christina Aguilera zu hören.

R. Kelly ist nicht der Einzige, dessen Musik für viele untragbar geworden ist. Auch Michael Jackson, der zwar nie verurteilt wurde, aber noch viele Jahre nach seinem Tod des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird, ist auf manchen Radiosendern nicht mehr zu hören und wird in diversen Diskotheken nicht mehr gespielt. Xavier Naidoo und Michael Wendler werden ebenfalls von Playlists gestrichen, auch wenn die beiden deutschen Musiker nie eines Verbrechens angeklagt wurden, sondern "nur" mit ihren verschwörungstheoretischen Aussagen polarisierten.

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Wir wollten wissen, wie Sie dazu stehen, dass Werke von unliebsamen Künstlern boykottiert werden. Viele Zuschriften erreichten uns.

"In mir sträubt sich alles"

t-online-Leserin Maggie fand Michael Jacksons Lieder toll, hört sie mittlerweile aber nicht mehr. "In mir sträubt sich alles. Ich verlasse Veranstaltungen, wenn seine Musik gespielt wird. Und Menschen, die ihn immer noch mögen, sind mir weniger sympathisch", gibt sie zu.

t-online-Leserin Claudia Riekenberg ist ebenfalls rigoros: "Prominente, die mir durch so was unangenehm auffallen, höre oder gucke ich eh nicht mehr", sagt sie.

"Ein G'schmäckle hat es"

t-online-Leserin Rosalie Amalia ist weniger drastisch, fühlt sich beim Hören von R. Kellys oder Michael Jacksons Platten aber unbehaglich: "Ein G'schmäckle hat es jetzt schon. Ich hab die Musik immer gerne gehört, war meine Jugend. Und es sind/waren großartige Künstler. Trotzdem ist jetzt jedes Mal der Gedanke dabei."

t-online-Leser Christian Lingrön meint, dass jeder für sich selbst entscheiden sollte, ob er privat die Musik weiter konsumieren möchte. "Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk finde ich jedoch sollte kein Platz mehr dafür sein!" Anders sieht es Christian Lingrön, wenn es um Künstler geht, "die lediglich beschuldigt, aber nie etwas bewiesen wurde".

"Musik ist unschuldig"

Keine Bedenken hingegen hat t-online-Leserin Sabine: "Ihre Musik kann nichts für ihre Taten. Musik ist unschuldig und soll gehört/gesungen werden."

t-online-Leserin Petra Kummerfeldt liebt Michael Jacksons Werke und findet: "Musik ist Musik."

Auch t-online-Leserin Natalie Hin macht einen Unterschied zwischen Kunst und Künstler: "Solange das Werk nichts mit der Tat zu tun hat, ist nichts falsch daran, beides zu trennen."

t-online-Leser Marco findet es nicht gut, wenn Musik verbannt wird. "Ich höre immer noch gerne Xavier Naidoo. Klar denke ich an das, was er sagt. Aber seine Songs, die nicht aus der jetzigen Zeit stammen, höre ich trotzdem sehr gerne."

"Jeder Cent in die Opferbetreuung!"

Aus vielen der Zuschriften, die nach unserem Leseraufruf eingingen, ist herauszulesen, dass die Kunst zwar nicht verboten werden sollte, aber die Geschädigten profitieren müssten.

So schlägt t-online-Leser Georg Paulsen vor: "Jegliche Einnahmen aus den Filmen oder der Musik einkassieren und Opfern zugutekommen lassen. Denke, da kommen im Jahr einige Millionen zusammen, mit denen man viel Gutes tun könnte."

Auch t-online-Leser Bernd Lambrecht sagt klipp und klar: "Jeder Cent der Einkünfte muss in die Opferbetreuung!"

"Mit jedem verkauften Album und jedem gespielten Song verdienen die ihr Geld. Wenn die Sachen nicht verbannt werden, dann sollten die Opfer mit diesem Verdienst entschädigt werden. Ein Leben lang. Denn so lange tragen sie dieses Päckchen auch mit sich rum." So lautet das deutliche Plädoyer von t-online-Leserin Christine Engel.

"Wo fängt das an, wo hört das auf?"

Manche Leser geben den Hinweis, dass die in Kritik geratenen Promis ja nicht die Einzigen sind, die an der Entstehung der Kunstwerke beteiligt waren.

"Wo fängt das an, wo hört das auf?", fragt t-online-Leser Gil Baer und führt aus: "An einem Musikalbum oder Film sind so viele Kreative beschäftigt, die man ja alle mit abstrafen würde. Soll allen selbst überlassen werden, ob man sich deren Kunst weiterhin reinzieht oder eben nicht. Es sollte aber auch allen Kreativen bewusst sein, dass sie mit ihrem Verhalten ihrer Kunst schaden können."

t-online-Leser Ti Key pflichtet dem bei: "Wenn man Titel aus der Öffentlichkeit verbannt, dann nimmt man etwaige Einnahmen auch denen, die an der Produktion beteiligt waren – vom Texter, über die Musiker, bis zum Produzenten usw."

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