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"Glücksrad"-Neuauflage mit Sonya Kraus: "Wir gendern richtig"


Sonya Kraus: "Es ist nicht das Aus deiner Weiblichkeit"

Von Janna Halbroth

19.01.2023Lesedauer: 6 Min.
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Sonya Kraus: Sie startete ihre TV-Karriere als Glücksfee.Vergrößern des Bildes
Sonya Kraus: Sie startete ihre TV-Karriere als Glücksfee. (Quelle: Bernd-Michael Maurer)

Das "Glücksrad" kommt zurück. Sonya Kraus schlüpft dafür in die Rolle, die sie zum TV-Star machte. Heute will sie mehr sein als die Blondine mit dem kurzen Rock.

Die dreht doch am Rad – was im Allgemeinen eine nicht sehr nette Umschreibung ist, bedeutet im "Glücksrad"-Universum alles. Vor allem für Sonya Kraus. Die freut sich nämlich darüber, als erste Glücksfee weltweit das Rad erobert zu haben. Von der Buchstabenwand geht es für die 49-Jährige jetzt nämlich ans Buchstabenrad.

Mit t-online spricht Kraus über ihre Anfänge als Model und TV-Star und erzählt, warum für sie ein Hüftschwung im knappen Röckchen als junge Frau durchaus auch feministisch war. Außerdem spricht sie über ihre Krebserkrankung und verrät, wie sie ihre Söhne bei dem Thema angelogen hat.

t-online: Frau Kraus, das "Glücksrad" kommt nach 25 Jahren zurück. Sind Sie heute der Rolle der Glücksfee entwachsen?

Sonya Kraus: Absolut. Nur als Glücksfee wäre ich auch nicht dabei gewesen, das wäre zu langweilig für mich. Der Rolle bin ich wirklich entwachsen. Das ist das Schöne an der Neuauflage, dass ich auch am Rad bin. Wir gendern beim "Glücksrad" mal richtig wirkungsvoll: Denn Thomas Hermanns und ich wechseln uns ab. Mal ist er an der Wand und mal ich. Wir moderieren grundsätzlich immer zusammen. Ich glaube, ich bin die einzige Glücksfee, die das Rad erobert hat. Das wird eine sehr aktuelle und völlig genderneutrale Nummer. Thomas wollte es auch wissen, der liebt die Buchstabenwand. Er wird sogar hochhackige Schuhe anhaben.

Wie fühlt es sich für Sie persönlich an, wieder zum "Glücksrad" zurückzukehren?

Ich kam in dieses Studio und habe sofort gefühlt: Das ist mein Wohnzimmer. Diese knapp 1.000 Sendungen, die ich auf dem Buckel habe, habe ich so verinnerlicht. Die haben den Fingerabdruck auf meiner Seele hinterlassen. Dementsprechend war ich tiefenentspannt. Ich hätte die Sendung auch mit drei Promille stemmen können, weil es so ein Automatismus war. Seitdem öffentlich gemacht wurde, dass das "Glücksrad" wiederkommt, sprechen mich sehr viele unterschiedliche Leute an. Vom Briefträger über die Tennistrainerin meiner Söhne ist alles dabei. Seitdem ist mir eigentlich erst klar geworden, welchen Kultstatus diese Sendung hat. Als junges Mädel mit Anfang 20 war mir das gar nicht klar, da war das nur ein Job.

Erinnern Sie sich an die erste Folge?

Ich erinnere mich mehr an mein erstes Casting. Ich weiß sogar noch, was ich anhatte.

Und was war das?

Ein türkisfarbener Pulli und ein veganer Lederrock mit veganen Stiefeln. Ich kannte das "Glücksrad" nur in der amerikanischen Originalversion. Ich habe das in Deutschland gar nicht so wahrgenommen, weil ich zu der Zeit sehr viel gereist bin. Ich bin dann souverän an diese Rolle herangegangen und habe für die bis dato stumme Buchstabenfee das Mikrofon erobert.

Auch mit Stimme vermittelte die Buchstabenfee auch damals nicht gerade das Bild einer starken modernen Frau. War Ihnen diese Rolle je unangenehm?

Mir ist bewusst, dass ich damals als kurzberockte junge Frau, die mit einem coolen Hüftschwung von links nach rechts läuft, nicht dem feministischen Leitbild entsprochen habe. Aber damals war mir das egal. Ich fand es feministisch, dass ich mit 23 Jahren und 60 Arbeitstagen ein kleines Vermögen verdient habe. So konnte ich mich unabhängig machen. Zusammen mit dem Geld, das ich durchs Modeln verdient habe, habe ich meine erste Immobilie finanziert und umgebaut. Für mich war der ökonomische Aspekt viel wichtiger. Ich wäre auch auf einem Bein herumgehüpft und hätte Wauwau geschrien, wenn ich dafür anständig bezahlt worden wäre.

Warum brauchen wir das "Glücksrad" überhaupt wieder?

Kultfernsehen, heile Welt, bunt. Es ist eine Art Flucht aus der Realität. Jeder hat irgendwann mal das "Glücksrad" gesehen und saß vielleicht mit der Oma vor der Glotze und hat mitgeraten. Es ist eine tiefverwurzelte Familienshow, mit der jeder eine Erinnerung verbindet. Es ist toll, eine Sendung, die niemandem weh tut und einfach gute Laune bringt, wieder aufleben zu lassen. Das Spielkonzept ist bewährt: Man wird unterhalten und muss ein bisschen denken. Ich finde das erhaltenswert.

Haben Sie Angst, dass das Format nicht gut ankommen könnte, weil das Publikum dem Ganzen überdrüssig ist?

Das glaube ich nicht. Das "Glücksrad" hat eine riesige Fangemeinde, die sind auf Entzug und können es kaum erwarten. Dass das Spielkonzept weit entfernt ist von Realityshows, die gerade vermehrt laufen, ist uns bewusst. Ob es auch als 90-minütiges Event funktioniert, das müssen wir einfach ausprobieren. Angst habe ich aber in dem Job keine. Ich bin ein alter Hase. Wenn es nichts wird, hatten wir wenigstens Spaß bei der Produktion.

Sonya Kraus und Thomas Hermanns: Sie moderieren das "Glücksrad".
Sonya Kraus und Thomas Hermanns: Sie moderieren das "Glücksrad". (Quelle: Bernd-Michael Maurer)

Das "Glücksrad"

Am 26. Januar 2023 läuft um 20:15 Uhr bei RTLZWEI das "Glücksrad", moderiert von Sonya Kraus und Thomas Hermanns. Bereits 7 Tage vor Ausstrahlung ist die Folge bei RTL+ verfügbar.

Warum hat man Sie Ihrer Meinung nach damals als Glücksfee genommen?

Ich denke mal, damals war es meine sonnige Ausstrahlung.

Selbst als Sie krank geworden sind, blieb Ihr Optimismus so eine Art Markenzeichen. Anfang des vergangenen Jahres haben Sie Ihre Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Wie geht es Ihnen aktuell?

Wirklich bombe. Das ist bei mir schon in Vergessenheit gerückt. Ich genieße mein Leben und bin froh, dass ich so ein Glückskind bin und bei mir alles so gut gelaufen ist. Ich hoffe, dass ich einigen Hoffnung geben kann, die jetzt gerade in der Situation sind. Denen möchte ich gern zeigen: Es ist nicht das Aus. Es ist nicht das Aus deiner Weiblichkeit. Es ist nicht das Aus vom Leben. Es geht weiter. Ein Hipphipphurra auf alle Götter in Weiß und das, was möglich ist. Vorsorge ist alles, immer hingehen und kontrollieren lassen. Die Quote ist einfach beschissen.

Sie haben durch die Chemotherapie viele Haare verloren. Damit sind Sie sehr offen umgegangen, haben sich ohne Perücke gezeigt. Ist Ihnen das schwergefallen?

Es hat mich nicht gejuckt und es juckt mich jetzt auch nicht. Als Showmaus bin und war ich immer eine kleine Mogelpackung. Mir war immer klar, was die Amis schon seit Jahren machen. Beyoncé oder Naomi Campbell, die tragen alle eine Perücke und nicht, weil sie gerade eine Chemo machen. Sondern weil es geil und praktisch ist, oder weil es mit den eigenen Haaren nicht geht. In den Vereinigten Staaten ist das selbstverständlich. In Deutschland ist das ganz anders. Das finde ich schade. Den Frauen geht es schlecht, sie haben Todesangst und dann verlieren sie auch noch ihre Wimpern und ihre Haare. Jeder bekommt mit, was Sache ist und dann bekommt man auch noch eine schlechte Perücke. Dabei gibt es für kleines Geld viele gute Tricks und Möglichkeiten. Man muss sich mit dem Thema einfach nur mal ein bisschen mehr anfreunden und beschäftigen.

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Wie sehen Ihre Haare aktuell aus?

Während der Chemo hatte ich eine Kühlhaube auf. Das ist ein Instrument der Hoffnung. Es friert dir deine Kopfhaut ein, in der Hoffnung, dass weniger Gift die Zellen zerstört. Bei mir hat das nicht so gut funktioniert. Ich sehe aus wie Nachbars Lumpi. Einige alte Haare sind noch lang, andere sind ganz weg und andere kommen nach. Das lasse ich aber so. Ich bin über Weihnachten in den Urlaub geflogen. Dafür habe ich mir im Afroshop Boxer Braids (Anm. d. Red.: Flechtfrisur aus zwei Zöpfen) machen lassen, damit ich im Urlaub keine Perücke tragen muss und jetzt im Januar lasse ich mir eine Kurzhaarfrisur schneiden. Dann kann ich immer zwischen Perücke und kurzen Haaren aussuchen. In der Abwechslung liegt die Würze.

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Und wie wird es beim "Glücksrad" sein?

Na, da wechsele ich auch ab. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, in jeder Folge eine neue Frisur zu präsentieren?

Wie erleben Ihre Kinder Sie, wenn sie Sie im Fernsehen sehen?

Das steht nicht im Mittelpunkt unseres Familienlebens. Ab und zu gucken meine Söhne mal rein. Für sie ist es immer ein bisschen komisch, die Mutti aufgetakelt im Fernsehen zu sehen. Es besteht eine extreme Distanz zwischen mir als Mutter und mir als Fernsehtante.

Haben Sie Ihre Kinder von Anfang an eingeweiht, dass Sie Brustkrebs haben?

Das war tatsächlich sehr schwierig für mich. Ich bin ins Krankenhaus gegangen und habe gesagt: Mama muss arbeiten. Dann bin ich zurückgekommen und konnte es nicht verheimlichen. Ich sah aus wie ein Gespenst. In dem Moment habe ich es heruntergespielt.

Was haben Sie gesagt?

Ich habe ihnen erzählt, dass ich ein Knötchen in der Brust hatte, operiert werden musste und deswegen ein bisschen vorsichtig sein müsse. Ich hatte aber die Rechnung ohne Google gemacht. Die Bilder, die die beiden dann da gesehen haben, waren für sie sehr erschreckend. Da musste ich dann Aufklärungsarbeit leisten. Es hat mich aber durchaus motiviert, während der Chemotherapie noch stärker zu sein. Ich wollte für meine Kinder eine ritterliche Front präsentieren. Das funktionierte auch. Es war eine Motivation für mich, stark zu bleiben, mich nicht gehen zu lassen. Ich wollte nicht in den Nebenwirkungen zerfließen. Es hat sich angefühlt wie der schwerste Kater und ich habe mich dennoch zusammengerissen.

Verwendete Quellen
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