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"Tatort: Der scheidende Schupo" aus Weimar war anders aber gut

"Tatort: Der scheidende Schupo"  

Skurril, absurd und liebevoll inszeniert: Weimar ist anders - und das ist auch gut so

06.02.2017, 13:32 Uhr | Jessica Hornig, t-online.de

"Tatort: Der scheidende Schupo" aus Weimar war anders aber gut. Die Hauptkommissare Kira Dorn (Nora Tschirner, 3.v.li.) und Lessing (Christian Ulmen, 2.v.l.) mit ihrem Chef Kurt Stich (Torsten Merten, re.) und Frau Dr. Seelenbinder (Ute Wieckhorst, li.) am Krankenbett von Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey, 4.v.li.). (Quelle: MDR/Anke Neugebauer)

Die Hauptkommissare Kira Dorn (sitzend) und Lessing (hinten) mit ihrem Chef Kurt Stich am Krankenbett von Lupo. (Quelle: MDR/Anke Neugebauer)

Eine Bombe im Blumenbeet, ein todgeweihter Polizist und die stinkende Bio-Toilette "Exkrema 7500": Der vierte Weimar-"Tatort" mit dem Titel "Der scheidende Schupo" strotzte nur so vor irrwitzigen Ideen, staubtrockenen, ironischen Dialogen und verschrobenen Figuren. Womit er wieder bestens geeignet war, das treue "Tatort"-Publikum zu polarisieren. Denn Weimar ist anders. Aber das ist auch gut so.

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Dabei überzeugen die Weimarer Ermittler weniger mit klassischer Ermittlungsarbeit.

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Die Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger haben ihrer Kreativität in ihrem vierten Weimar-"Tatort" wieder freien Lauf gelassen und sich einen herrlich absurden, aber auch extrem liebe- und hingebungsvoll inszenierten Fall um das Kommissar-Pärchen Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ausgedacht. Ein bisschen Märchen-Flair gab es dank der mittelalterlichen Burg-Kulisse samt verwunschenem Kräutergarten noch obendrauf.

Die Skurrilitäten der handelnden Personen und die eigenwillige Ermittlungsweise der (selbst-)ironischen, sich stets munter die Pointen zuspielenden Kommissare standen bei "Der scheidende Schupo" im Mittelpunkt. Das ging weitgehend auf Kosten der Action, sorgte aber für ausgefeilte, klamaukig-witzige Dialoge und hübsch choreografierte Szenen, welche die fehlende Spannung mühelos kompensierten. Dabei gelang es der Krimikomödie gleichzeitig, den Zuschauer emotional mitzunehmen - was man beispielsweise von den "Tatort"-Kollegen aus Münster nur selten behaupten kann.

Die wundersame Wandlung des Schupo Lupo

Das lag vor allem an der tragischen Figur, um die sich die Handlung drehte: dem Kakao, Rosen und Kollegin Kira liebenden Schupo "Lupo" (Arndt Schwering-Sohnrey). Dessen Schicksal ging nicht nur Dorn und Lessing sowie ihrem Chef Stich (Torsten Merten) nahe, die erkennen mussten, dass sie eigentlich nichts über den sonderlichen Mann wussten, mit dem sie zusammengearbeitet hatten. Und Lupo selbst, nun scheinbar am Ende seines Lebens angekommen, nahm erstmals selbst die Zügel in die Hand - und seinen Chef als Geisel, um seinem Aufbegehren und dem Wunsch nach Rache an seinem Mörder Nachdruck zu verleihen.

Mindestens genauso fein ausgedacht war auch die Figur der "Tante" Olga Kruschwitz, die Carmen-Maja Antoni wunderbar verkörperte. Die Ex-Kindergärtnerin, engste Vertraute und Alleinerbin von Lupo agierte grummelig, schrullig, eigenwillig, war um kein deutliches Wort verlegen und Lupo gegenüber äußerst fürsorglich. Kurz: Es war ein Genuss, ihr zuzusehen.

Konzentration, bitte

Sorgsam ausgeklügelt waren zudem das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen den Scholder-Schwestern, ihrem Anwalt, Olgas Sohn Ringo und Lupo sowie die Wendungen, die der "Tatort" dadurch immer wieder nahm. Beides ließ sich allerdings nur mühsam aufdröseln und forderte vom Zuschauer volle Aufmerksamkeit, um nicht irgendwann den Faden zu verlieren.

Ein "Tatort", über den man diskutieren kann

Sicherlich lässt sich über einiges in diesem "Tatort" auch trefflich streiten - sei es der Humor der Ermittler, der Running-Gag mit dem "Kinderkacki"-Komposteimer oder überhaupt die Sinnhaftigkeit der Story samt überraschender Schluss-Wendung.

Doch eines steht fest: Der Weimar-"Tatort", einst als Feiertags-Eventfilm gedacht, hat seinen eigenen Stil entwickelt, eine Mischung aus Absurdität und Drama, Witz und Wärme. Von klassischer Ermittlungsarbeit oder gar Ernsthaftigkeit ist das weit entfernt, aber dafür können ja die Kollegen aus den anderen Städten sorgen. Weimar spielt leidenschaftlich mit Worten, Bildern, Ideen und Charakteren - und wird so zu etwas Besonderem. Das kann man mögen, oder auch nicht. Aber schön, dass es im "Tatort"-Reigen existiert.

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