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"Feinde": TV-Experiment der ARD geglückt – doch es gibt auch Kritik

Gerichtsdrama "Feinde"  

TV-Experiment der ARD geglückt – doch es gibt auch Kritik

04.01.2021, 11:00 Uhr | sow, t-online

"Feinde": TV-Experiment der ARD geglückt – doch es gibt auch Kritik. Weg zum Verhör: Kommissar Peter Nadler, gespielt von Bjarne Mädel, mit seiner Kollegin Judith Lansky (Katharina Schlothauer) und dem Verdächtigen Georg Kelz (Franz Hartwig) (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold)

Weg zum Verhör: Kommissar Peter Nadler, gespielt von Bjarne Mädel, mit seiner Kollegin Judith Lansky (Katharina Schlothauer) und dem Verdächtigen Georg Kelz (Franz Hartwig) (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold)

Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama "Feinde" füllte am Sonntagabend den "Tatort"-Sendeplatz – und konnte aus Quotensicht überzeugen. Die ungewöhnliche Programmierung sorgte aber auch für Kritik.

Es war eines dieser TV-Experimente, bei denen das lineare Fernsehen seine Macht demonstrieren kann. Wie so oft hieß der Kopf hinter der Sache: Ferdinand von Schirach. Nach "Terror" und "Gott" folgte nun das ARD-Event "Feinde" und zeigte die Ermittlungen und den Gerichtsprozess in einem Entführungsfall. Bjarne Mädel als leitender Ermittler und Klaus Maria Brandauer als Verteidiger standen dabei als Figuren im Mittelpunkt – und bildeten die Ausgangspunkte zweier Erzählstränge.

Im Ersten startete Mädel mit seiner Erzählung "Das Geständnis" um 20.15 Uhr. Parallel lief auf allen ARD-Kanälen von RBB bis WDR die Version von Brandauer: "Gegen die Zeit". Im Ersten endete "Das Geständnis" um 21.45 und mündete nach einer anschließenden Einordnung und den "Tagesthemen" dann in der zweiten Erzählversion. So wollte man bei der ARD sichergehen, dass beide Perspektiven gesehen werden und sich die Zuschauer mithilfe des Gesamtbildes ein Urteil bilden können.

Mehr als 15 Millionen Menschen sahen "Feinde" insgesamt

Im Ersten verfolgten das 7,98 Millionen Zuschauer und damit in etwa so viel, wie einen leicht überdurchschnittlicher "Tatort" am Sonntag. Insgesamt war das TV-Experiment allerdings erfolgreicher als der traditionelle Sonntagskrimi: Weitere 2,49 Millionen Zuschauer kamen aus den Dritten Programmen und dem Spartensender One hinzu, damit erreichte "Feinde" mehr als zehn Millionen Menschen an den Bildschirmen.

"Gegen die Zeit": Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) befragt Kommissar Nadler (Bjarne Mädel) im Gerichtssaal.  (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold)"Gegen die Zeit": Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) befragt Kommissar Nadler (Bjarne Mädel) im Gerichtssaal. (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold)

Auch am späten Abend begeisterten sich noch TV-Eulen für "Feinde" und schauten den anderen Teil: Im Ersten 3,53 Millionen, auf den Dritten weitere fast zwei Millionen. Von 20.15 Uhr bis in die Nacht hinein über alle Programme hinweg gerechnet sahen also mehr als 15 Millionen Menschen das Gerichtsdrama des Strafverteidigers Ferdinand von Schirach. Für die ARD ein großer Erfolg.

Und doch gab es neben dem Lob für Darsteller und Inszenierung auch während der Ausstrahlung und im Anschluss an das TV-Event Kritik: an der Programmierung, der Omnipräsenz und der multiperspektiven Erzählweise.

So schrieb das Branchenmagazin "DWDL" in einem Kommentar: "Ein bisschen weniger wäre noch viel mehr gewesen." Viele Szenen seien deckungsgleich inszeniert worden, Passagen gerieten zur Wiederholung – zwei Teile inklusive Einordnung und Doku kamen auf mehr als dreieinhalb Stunden Sendezeit und belegten alle ARD-Programme. User auf Twitter stimmten in diesen Tenor ein und urteilten: "Überhaupt kein Mehrgewinn und mindestens 45 Minuten stimmen gefühlt 1:1 überein."

Dass die Doku "Recht oder Gerechtigkeit" im Ersten gezeigt wurde, bevor der zweite Teil der Erzählung lief, stieß auch auf Kritik. "Es gehören zwei Seiten dazu. Man kennt nur eine Perspektive (...). Die Doku beinhaltet Ausschnitte aus beiden Filmen", lautete der Einwand. 


Die Fragmentierung des Programms, die Kleinteiligkeit, mit der User auf den Mediatheken der Dritten buchstäblich die "Qual der Wahl" hatten, wurde auch als Schwachpunkt der Programmierung ausgemacht. Es sei "ein längst überfälliger Schritt", die Dritten Programme zusammenzulegen, so der Vorwurf.

Dennoch gab es viel Lob für das TV-Event. Ausdrücklich gelobt wurden die Darsteller, allen voran die Protagonisten Mädel und Brandauer. Vor allem Bjarne Mädel, der als "Tatortreiniger" in der ARD zu großer Bekanntheit gelangte, wurde gefeiert: "Bjarne Mädel überrascht mich stets mit seinem schauspielerischen Können. Er kann mehr als nur Ernie."

Dass einige Nebendarsteller, wie ein Bitcoin-Experte, als zu klischeehaft proträtiert wurden und dem Stereotyp "Nerd mit Brille" entsprachen, ging dabei fast unter in den kritischen Bemerkungen zur Inszenierung.

Inszeniert wurde "Feinde" von Nils Willbrandt. Der deutsche Regisseur hat schon etliche "Polizeiruf" und "Tatort"-Episoden verantwortet und auch bei "SCHULD nach Ferdinand von Schirach" hinter der Kamera gestanden. Die Krimireihe mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle wurde 2019 in vier Folgen im ZDF gezeigt.

Verwendete Quellen:

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