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"Und das ist also Ihr Las Vegas?" - ZDF-Serie "Der Palast"

Von dpa
Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Ensemble bereitet sich auf die Show vor.
Das Ensemble bereitet sich auf die Show vor. (Quelle: Julia Terjung/ZDF/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Manchmal finden Leute ja, man habe Ähnlichkeit mit jemandem. Vielleicht erinnert eine Geste an eine andere Person. Oder ein Ausdruck im Gesicht. Aber wie wĂ€re es wohl, einem Menschen zu begegnen, der genauso aussieht wie man selbst?

Mit einer solchen Szene beginnt die ZDF-Serie "Der Palast". In den spÀten 1980er Jahren, kurz vor dem Mauerfall, besucht Marlene Wenninger den Friedrichstadt-Palast im Osten Berlins.

Ikonische SchauplÀtze

Als sie die Treppe hochkommt, wird sie schon begrĂŒĂŸt. "Das ist unser Gast aus der BRD", wird sie vorgestellt. Die GeschĂ€ftsfrau trifft sich mit einem Vertreter des DDR-Außenhandelsministeriums. "Und das ist also Ihr Las Vegas?", will Marlene wissen, wĂ€hrend die beiden im Saal auf die Show warten. "Das grĂ¶ĂŸte Revuetheater in ganz Europa", antwortet ihr GesprĂ€chspartner etwas stolz, "ja".

Ikonische SchauplĂ€tze bieten eine gute Vorlage fĂŒr Serien. Der Friedrichstadt-Palast gehört dazu. Bis heute besuchen Tausende Menschen jĂ€hrlich die Glitzershows. Keine BĂŒhne in Berlin hat mehr Zuschauerinnen und Zuschauer. Abends halten oft Reisebusse vor dem Haus, das zwar nach expressionistischen 1920er Jahren aussieht, aber erst in den 1980er Jahren eingeweiht wurde.

Deutsche Teilung

Auch als Filmkulisse dient der "Palast", wie er manchmal genannt wird. In der Netflix-Serie "Das Damengambit" taucht das GebĂ€ude als Drehort auf. Das ZDF erzĂ€hlt dort nun eine Geschichte ĂŒber die deutsche Teilung, denn in der Serie trennt die Berliner Mauer die Stadt. Als Marlene in der Show sitzt, greift sie plötzlich zum Fernglas: Eine TĂ€nzerin sieht ihr zum Verwechseln Ă€hnlich.

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Marlene lĂ€uft zum Hinterausgang und folgt ihrer mysteriösen DoppelgĂ€ngerin. Die TĂ€nzerin heißt Christine Steffen. Und bald stellt sich heraus, dass beide Frauen eigentlich Zwillinge sind, getrennt als Babys. WĂ€hrend Marlene im Westen aufwuchs, blieb Christine mit ihrer Mutter in der DDR. Aber was ist damals passiert? Und wie können sie das Leben der anderen kennenlernen, wĂ€hrend das politische System sie trennt?

Doppelrolle fĂŒr Svenja Jung

"Der Palast" erzĂ€hlt nicht nur etwas ĂŒber die Nickeligkeiten des ShowgeschĂ€fts ("Maske wird ma' wieder nicht jenannt"), sondern auch ĂŒber deutsche Geschichte. Schauspielerin Svenja Jung ĂŒbernimmt dabei eine Doppelrolle. Auch Heino Ferch und Anja Kling spielen mit. Die sechs Folgen sind ab 27. Dezember in der ZDF-Mediathek zu sehen. Der Sender zeigt sie ab 3. Januar in Doppelfolgen im Fernsehen. Regie fĂŒhrte Uli Edel ("Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo").

Die Miniserie zeigt natĂŒrlich viele schöne Bilder. Frauen mit prĂ€chtigem Lidschatten und exzentrischen KostĂŒmen, heute wirkt das herrlich aus der Zeit gefallen. Dazu gibt es Berlin im Nebel. Und Berlin im Regen. Und Lieder wie "Bataillon d'Amour" und "99 Luftballons". Die Geschichte erinnert erstmal an Erich KĂ€stners "Das doppelte Lottchen". Auch dort treffen sich zufĂ€llig zwei Schwestern wieder, die getrennt aufgewachsen sind.

Zwischen Kunst und Regime

In der Serie wird das Ganze mit politischen Themen unterfĂŒttert. Zum Beispiel, wenn die Theaterleute irgendwie zwischen ihrer Kunst auf der BĂŒhne und politischer FĂŒhrung agieren mĂŒssen. "Nadja, ich brĂ€uchte nochmal ein Papier zur inhaltlichen Relevanz. Was macht das Besondere unserer Revue aus? Wo reprĂ€sentiert sich der sozialistische Alltag? Und so weiter und so weiter." - "FĂŒrs Kulturministerium. Alles klar."

Es geht auch irgendwie um BRD-Mief, um den Umgang mit HomosexualitÀt und die unterschiedlichen Lebenswege der beiden Schwestern. Manche Dialoge sind etwas aufgesetzt, die Geschichte eher vorhersehbar. Aber trotzdem bieten die Folgen einige Stunden gute Unterhaltung mit interessantem Thema.

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