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Wozu Menschen imstande sind: "Die Wannseekonferenz"

Von dpa
Aktualisiert am 24.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Szenenbild: "Die Wannseekonferenz" als Kammerspiel.
Szenenbild: "Die Wannseekonferenz" als Kammerspiel. (Quelle: Julia Terjung/ZDF/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Das Grauen verbirgt sich hinter Worth├╝lsen. Die 15 M├Ąnner am blankgewienerten Konferenztisch sprechen von "Evakuierung" und "Sonderbehandlung", von optimierten Abl├Ąufen und einzigartigen Organisationsaufgaben, von "nat├╝rlicher Verminderung" und "rassischer Flurbereinigung".

Gemeint ist die systematische Ermordung von Millionen europ├Ąischer Juden.

Der ZDF-Film "Die Wannseekonferenz" (24. Januar, 20.15 Uhr) wirft zum 80. Jahrestag noch einmal den Blick zur├╝ck auf jene "Besprechung mit anschlie├čendem Fr├╝hst├╝ck", bei der hohe NS-Funktion├Ąre am 20. Januar 1942 die von ihnen sogenannte Endl├Âsung der Judenfrage besprachen. Regisseur Matti Geschonneck zeigt das historische Ereignis als unterk├╝hltes Kammerspiel, als b├╝rokratisches Aktenschieben und eitles Kompetenzgerangel. Es wird um Details gefeilscht, doch niemand hat offenbar grunds├Ątzliche Zweifel. Es macht unruhig, das mit anzusehen.

Zehntausende Menschen nach Osteuropa verschleppt

Das ZDF stellt dem Film eine Dokumentation zur Seite, was hilfreich ist, die komplexen historischen Zusammenh├Ąnge zu verstehen. Zum Zeitpunkt der Wannseekonferenz - benannt nach dem Tagungsort in einer zum SS-G├Ąstehaus umfunktionierten Villa am Gro├čen Wannsee in Berlin - ist die systematische Ermordung der Juden Europas durch die deutschen Nationalsozialisten bereits im Gange. Zehntausende sind aus dem Deutschen Reich in besetzte Gebiete Osteuropas verschleppt, dort ans├Ąssige Juden sind massenhaft erschossen worden. Jetzt geht es darum, die Deportationen und das Morden zu beschleunigen.

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Damit beauftragt ist der SS-Offizier Reinhard Heydrich. Der wiederum l├Ądt die Funktion├Ąre ein, deren Unterst├╝tzung er f├╝r sein schreckliches Werk ben├Âtigt. Dazu z├Ąhlen Offiziere wie der NS-Cheflogistiker Adolf Eichmann, Vertreter aus den besetzten Ostgebieten, aber auch Beamte aus Berliner Ministerien.

Gest├╝tzt auf Eichmann-Protokoll

Das Filmskript von Magnus Vattrodt st├╝tzt sich auf das von Eichmann angefertigte Protokoll der Besprechung, das akribisch die bis dahin schon vollzogene Repression gegen die j├╝dische Bev├Âlkerung beschreibt, die Zahlen des geplanten V├Âlkermords und die Definition jener, die davon betroffen sein sollten - sogenannte Volljuden, sogenannte Halbjuden, sogenannte Mischlinge ersten und zweiten Grades.

Wie stellt man sich als Schauspieler diesem Wahnsinn, dieser Sprache, diesen Charakteren? "Zu wissen, das war so, das ist unsere Geschichte, das ist sehr belastend", sagt der ├ľsterreicher Philipp Hochmair, der im Film Reinhard Heydrich verk├Ârpert. "Es ist ganz anders, als im 'Tatort' am Sonntag einen Psychopathen zu spielen, denn der ist erfunden. Aber hier fragt man sich, wie kam es zu sowas? Wie ist sowas ├╝berhaupt m├Âglich, wie k├Ânnen Menschen sowas machen?" Das sei letztlich nicht zu beantworten.

Sein Kollege Frederic Linkemann stellt den in Lettland f├╝r Massenerschie├čungen verantwortlichen Kommandeur Rudolf Lange dar und damit den wohl d├╝stersten Charakter am Konferenztisch. Linkemann erz├Ąhlt, Regisseur Geschonneck habe den Schauspielern eher abgeraten, sich intensiv ├╝ber ihre historischen Figuren zu informieren. "Er wollte nicht, dass ich diesen "Metzger" spiele. Deshalb habe ich mich fast nicht vorbereitet auf diese Rolle. Ich habe versucht, so normal wie m├Âglich zu spielen. Das war sehr viel schlimmer. Der nette Typ von nebenan: Das kann doch gar nicht sein."

Geschonneck selbst sagt: "Wir wollen vor Augen f├╝hren, wozu Menschen imstande sind." Er f├╝hrt es vor Augen. Zuschauer m├╝ssen es aushalten.

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