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TV-Kritik: "Tatort: Des Anderen Last" aus Köln zur Weihnachtszeit ist Flop


Mal wieder mehr Sozialdrama als Krimi

  • Steven Sowa
Von Steven Sowa

03.12.2023Lesedauer: 2 Min.
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"Tatort: Des anderen Last": Klaus Brettschneider (Hans Martin Stier, l) und Boris Riedle (Nils Hohenhövel), r) sind als Paketboten im Einsatz.Vergrößern des Bildes
"Tatort: Des anderen Last": Klaus Brettschneider (Hans Martin Stier, l) und Boris Riedle (Nils Hohenhövel), r) sind als Paketboten im Einsatz. (Quelle: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost)

Im "Tatort: Des Anderen Last" wird ein Paketbote in der Vorweihnachtszeit brutal ermordet. Lohnt sich das Einschalten beim neuen Krimi aus Köln?

Eine TV-Kritik von Steven Sowa

Der Kölner "Tatort" läutet die Vorweihnachtszeit ein. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln im bitterkalten Köln, überall hetzen Paketboten in Weihnachtskostümen durch die Stadt – und einer von ihnen liegt plötzlich ermordet im Lieferwagen. Der "Tatort: Des Anderen Last" dreht sich aber weniger um den Mord an dem jungen Familienvater Milan Strasser (Dennis Svensson).

Vielmehr stehen die Arbeitsbedingungen, der physische wie psychische Druck der Lieferbranche im Fokus. Die Spedition von Sybille Jäger (Susanne Bredehöft) bildet dabei den Umschlagsplatz für die Sozialkritik dieses WDR-Krimis. Es ist zwar löblich, dass dieser neue Fall aus Köln die Zuschauer mehr für die Knochenjobs der Paketbranche sensibilisiert. Aber pünktlich zur Bestellhochsaison könnte die Geschichte thematisch kaum offensichtlicher daherkommen.

Gesellschaftliche Relevanz hin oder her: Das Whodunit, der Kern des Krimis, rückt bei "Des Anderen Last" (mal wieder) in den Hintergrund. Erzählt wird vor allem vom großen Druck in der Paketlieferbranche. "200 Pakete Minimum am Tag – trauen Sie sich das zu?", fragt die Paketdienst-Chefin in ihrer abgerockten Firmenzentrale eine potenzielle Mitarbeiterin.

"Zeit ist Geld, ganz besonders in diesem Business"

Alle Angestellten werden als fragile, körperlich geschundene und kaputte Seelen porträtiert. Ein unnötig drastisches Drücken auf die Tränendrüsen, eine übertriebene Inszenierung der unbestritten großen Dramatik.

Ebenfalls thematisiert wird, dass Kunden und Kundinnen die mental und körperlich anstrengende Tätigkeit nicht immer ausreichend würdigen. "Früher als Postbote war das anders, da wurde man noch respektiert", erinnert sich ein resignierter Paketbote an Vor-Online-Shopping-Zeiten. "Zeit ist Geld, ganz besonders in diesem Business."

Platte Dialoge und dazu noch eine konstruierte Auflösung

Zu allem Überfluss weihnachtet es auch beim Kölner Ermittlerteam. Neben einer Wichtelaktion im Kommissariat kommt es dabei zu folgendem Dialog: "Wo warst du denn die ganze Zeit?", fragt Ballauf seinen Kollegen. "Weihnachtsgeschenke", antwortet Schenk. "Das kann man doch auch im Internet bestellen", wundert sich Ballauf, woraufhin Schenk mit vorbildlich vorgetragener Zeigefinger-Ermahnung entgegnet: "Damit die armen Schweine noch mehr zu schleppen haben?"

All das führt zu Abnutzungserscheinungen. Weniger wäre hier mehr gewesen, zumal die Auflösung des Krimis am Ende enttäuscht. Erstens ist im Verlauf des Krimis immer mehr abzusehen, auf welchen Täter es hinausläuft – und zweitens ist das Tatmotiv so sehr konstruiert, dass man sich fragt, warum die Macher dieses Krimis nicht mehr Arbeit in die Ausarbeitung des Krimis statt der Betonung des Paketdramas gesteckt haben.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
  • ARD: "Tatort: Des Anderen Last" vom 3.12.2023
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