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Experten empfehlen Diesel-Nachrüstungen mit Steuergeld

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Kampf gegen Fahrverbote  

Experten empfehlen Diesel-Nachrüstungen mit Steuergeld

16.02.2018, 10:57 Uhr | dpa, rtr

Experten empfehlen Diesel-Nachrüstungen mit Steuergeld. Abgase eines Diesel-Pkw: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig urteilt am 22. Februar 2018 zu Fahrverboten. (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild)

Abgase eines Diesel-Pkw: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig urteilt am 22. Februar 2018 zu Fahrverboten. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

Neue Hardware bei alten Dieselautos soll womöglich mit Staatsgeld gefördert werden. Das soll den Stickoxidausstoß der Fahrzeuge senken und großflächige Fahrverbote verhindern.

Regierungsexperten haben vorgeschlagen, die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen "ganz oder zu einem höchstmöglichen Anteil" zu fördern, berichten "Süddeutsche Zeitung" und "Bayerischer Rundfunk". Das gehe aus dem Entwurf eines Abschlussberichts an die Bundesregierung hervor. Demnach könnte sich die Förderung neben öffentlichen Mitteln auch aus finanziellen Beiträgen der Automobilhersteller speisen.

Den Berichten zufolge ist das betreffende Gremium eine von vier Expertengruppen, die nach dem Dieselgipfel der Bundesregierung im vorigen August eingesetzt worden waren. Union und SPD hätten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, auf Basis dieser Expertenempfehlung noch 2018 über Nachrüstungen zu entscheiden.

Urteil zu Fahrverboten wird erwartet

Nachrüstungen sollen helfen, die Städte von den überhöhten Stickoxidemissionen der Fahrzeuge zu entlasten. Ziel der Bundesregierung ist es, großflächige Fahrverbote zu vermeiden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet am 22. Februar 2018 am Beispiel Düsseldorfs über solche Verbote.

Die Entscheidung hat nicht nur für private Autofahrer erhebliche Bedeutung, sondern auch für Teile der Wirtschaft. Insbesondere im Handwerk sind viele Dieselfahrzeuge im Einsatz.

In der Debatte um eine Verringerung von Luftschadstoffen durch ältere Dieselautos gibt es viele Vorschläge – und Unklarheiten. Versprechungen der Autobauer konnten bisher teils nicht umgesetzt werden. 

Nachholbedarf bei Softwareupdates

Softwareupdates sind erst bei wenigen älteren Dieseln aufgespielt. VW und Töchter wie Audi, Seat oder Skoda wurden nach dem Auffliegen von "Dieselgate" verpflichtet, neue Abgassoftware in Autos zu installieren, deren Schadstoffausstoß nur im Testbetrieb regelkonform war.

Hier sind nach Angaben der VW-Kernmarke zwar mehr als 90 Prozent von rund 2,25 Millionen betroffenen Wagen in Deutschland umgerüstet.

Aber unabhängig davon boten viele Hersteller auch an, Programme in der Abgasreinigung "freiwillig" zu erneuern, nachdem Prüfungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) Hinweise auf Unregelmäßigkeiten ergeben hatten. 

Solche Updates sagten die Konzerne beim ersten Dieselgipfel im August zu – jedoch sind bis heute die meisten davon nicht umgesetzt. Begründung: Das KBA habe die Anforderungen und konkreten Einsparziele für schädliche Stickoxide (NOx) noch nicht festgelegt.

Sobald diese Maßstäbe bekannt sind, könnten nach Einschätzung von VW insgesamt bis zu 5,3 Millionen Wagen der eigenen Konzernmarken sowie von Daimler, BMW und Opel "von Software-Updates profitieren". Audi spricht von europaweit "bis zu 850.000 Autos, für die nach der Genehmigung durch das KBA eine überarbeitete Software zur Verbesserung der Emissionswerte im Alltagsbetrieb angeboten wird".

Für den 6-Zylinder-TDI des A6 gibt es seit Oktober eine Freigabe, die Software haben nun 17 Prozent von 4.700 Wagen in Europa. BMW hat die "rein freiwillig zugesagten Softwareupdates nicht abgeschlossen", sie werden für die Abgasnorm Euro-5 bis zur Jahresmitte angepeilt.

Mercedes-Benz bietet schon seit dem Frühjahr 2017 neue Software für 250.000 Autos der Kompakt- und V-Klasse an, die Updatequote beträgt hier 80 bis 90 Prozent. Die übrigen der gut drei Millionen Wagen, auf die im vorigen Sommer aufgestockt wurde, konnten aber wegen der noch laufenden Softwareentwicklung und Abstimmung mit dem KBA bisher nicht in die Werkstatt.

Porsche berichtet, beim freiwilligen Rückruf des Macan (Herbst 2016) 90 Prozent der 33.500 Modelle in Europa mit neuen Programmen versorgt zu haben. Beim Pflichtrückruf des Cayenne (Sommer 2017) liegt die Quote bei 43 Prozent von 21.500 Exemplaren.

Autobauer wollen keine Hardwarenachrüstungen

Hardwarenachrüstungen stoßen weiter auf Ablehnung. Umbauten an der Fahrzeugtechnik schließen die Autobauer nach wie vor aus. VW argumentiert, jede Modell-Motor-Kombination brauche in einem solchen Fall eine neue Typgenehmigung – das könne Jahre dauern. Zudem sei unklar, wer die Kosten trage: Kunden, Hersteller oder der Staat?

Auch BMW erklärt, Hardwarenachrüstungen auf den modernen Standard Euro-6 würden eine "komplette Neuzertifizierung erfordern" – ebenso wie der Einbau von Technologien zur NOx-Reduktion (SCR). Bei älteren Dieseln wären "erhebliche nachträgliche Eingriffe in die Fahrzeugarchitektur" die Folge. Und die ebenfalls geforderte Konstanz der Eigenschaften des betreffenden Autos sei dann ebenso "nicht haltbar".

Aus der Branche ist zu hören, dass in alten Modellen beispielsweise auch gar kein Platz sei, um dort nachträglich Tanks für die Harnstofflösung AdBlue zu installieren. 

Umtauschprämien für Diesel ein Erfolg

Neue Diesel werden über verlängerte Umstiegsprämien vertrieben. Volkswagen sieht die – je nach Hersteller unterschiedlich aufgesetzte – Prämie für umweltfreundliche Neuwagen bei Rücknahme eines alten Diesels als "Erfolg".

Im ersten halben Jahr seien so etwa 150.000 Autos der Abgasnormen Euro-1 bis Euro-4 verschrottet worden. Jeder zwölfte teilnehmende Kunde habe sich zudem für einen alternativen Antrieb (Elektro, Hybrid, Erdgas) entschieden. Die Prämie wurde bis Ende März verlängert. Bei Audi nahmen bisher etwa 11.500 Kunden das Angebot in Anspruch, auch hier läuft es noch bis zum 31. März.

BMW verweist darauf, dass direkte Vergleiche zwischen den Herstellern wenig aussagekräftig seien. Das eigene Angebot für den geförderten Kauf CO2-armer oder elektrischer Modelle geht noch bis Ende Juni. Auch Daimler nennt keine konkreten Zahlen, spricht aber von einer guten Nachfrage. Das Programm läuft ebenfalls bis zur Jahresmitte.

Verwendete Quellen:
  • dpa, Reuters

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