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E-Roller im Selbstversuch: Die wohl faulste Art der Fortbewegung

MEINUNGE-Roller im Selbstversuch  

Die wohl faulste Art der Fortbewegung

Von Charlotte Janus

26.06.2019, 09:01 Uhr
E-Roller im Selbstversuch: Die wohl faulste Art der Fortbewegung. Elektroroller der Firma Lime in Berlin (Quelle: imago images/Christian Ditsch)

Die E-Tretroller haben die Hauptstadt erobert: Die Roller von mehreren Leihanbietern lassen sich einfach am Straßenrand mieten. (Quelle: Christian Ditsch/imago images)

Die E-Roller haben die deutschen Städte erobert. Mit ihnen geht es einfach und schnell durch den Verkehr. Das neue Gefährt ist äußerst praktisch, dennoch erwarten einen einige Gefahren und Probleme.

Knopf runterdrücken, kurz ankicken und der E-Roller startet durch. Für einen Moment denke ich: "Was für eine Beschleunigung!" Dann überholen mich gleich mehrere Radfahrer auf einmal und ich komme mir plötzlich langsam vor mit meinen knapp 20 km/h. Die bringen die Roller maximal auf die Straße. Wären sie schneller, würde die Helmpflicht greifen.

Seit der vergangenen Woche sind die E-Roller im deutschen Straßenverkehr zugelassen. In Berlin sind gleich mehrere Leihservice-Anbieter am Start. Das Prinzip ist bei allen gleich. Man kann sie schnell und problemlos über die jeweilige App ausleihen. Eine Karte zeigt die genauen Standorte der Fahrzeuge an. Am Roller selbst muss man schnell einen QR-Code scannen und dann auf dem Smartphone die Fahrt starten. Der Roller reagiert, indem er ein Geräusch macht und ein kleines Licht am Lenker aufleuchtet. Schon kann es losgehen.

Elektroroller der Firma Lime (Quelle: imago images/Christian Ditsch)Elektroroller der Firma Lime in Berlin: Der Roller lässt sich ganz einfach durch das Scannen eines QR-Codes in der App entsperren. (Quelle: Christian Ditsch/imago images)

Leicht zu bedienen, aber der Untergrund ist entscheidend

Das Fahren ist absolut intuitiv und macht Spaß. Einen gewissen Gleichgewichtssinn brauche ich. Aber ansonsten kann ich nicht viel falsch machen. Dynamisch gleite ich durch den Berliner Stadtverkehr. Ohne jegliche Anstrengung. Fahren muss man mit den Rollern auf dem Radweg oder der Straße. Es ist eine praktische, aber auch unglaublich faule Art der Fortbewegung. Beim Radfahren oder Gehen leistet man zumindest etwas körperliche Arbeit und hält sich dabei fit. Der E-Roller rollt mich bewegungslos im Stehen voran.

Kaum habe ich mich auf meinem neuen Verkehrsmittel eingegroovt, begehe ich einen großen Fehler: Ich biege in eine Straße mit Kopfsteinpflaster ein. Davon gibt es, wie ich auf dem E-Roller schnell merke, noch erstaunlich viele. Es rumpelt und rattert, ich werde kräftig durchgeschüttelt. Dafür ist der Roller nicht gemacht. Jeden Moment könnte ich mit den Händen vom Lenker abrutschen. Schnell suche ich mir einen anderen Weg. Der Untergrund ist entscheidend für das Fahrvergnügen.

Der Roller regt sich nicht mehr

An der nächsten roten Ampel muss ich einen Moment warten. Mehrere Radfahrer kommen hinter mir zum Stehen. Es wird grün. Ich will wieder durchstarten, doch der Roller tut nichts mehr. Keine Regung. Das verursacht Unmut – bei mir wie auch bei den anderen, die hinter mir warten. Meine Buchung wurde ungewollt beendet. Warum, ist unklar. Ich vermute, der Akku ist leer. Ich schiebe den Roller von der Straße, dabei fängt er an, laut zu piepsen. Alarm! Der Roller denkt wohl, ich wolle ihn klauen. Ich schiebe ihn zur Seite, ärgere mich etwas und will ihn erneut ausleihen. Das geht zunächst nicht. Ich suche mir ein neues Gefährt, das glücklicherweise nicht allzu weit weg steht.

Gleiche Gefahren wie beim Radfahren

Abgesehen von diesem einen Moment des Ärgers gibt es kaum Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern. Auf dem Radweg oder der Straße fügt sich der E-Roller problemlos in den Verkehrsfluss ein. Als der Fahrer eines am Straßenrad haltenden DHL-Wagens seine Tür aufreißt, muss ich schnell reagieren und ausweichen, um nicht dagegen zu brettern. Ich befinde mich auf dem Roller in der gleichen Situation wie jeder Radfahrer. Die Gefahren sind keine neuen. Sie liegen nicht am E-Roller, sondern an mangelnder Rücksichtnahme der Teilnehmer am Straßenverkehr. 

Eine praktische Ergänzung der städtischen Mobilität

Günstig war der Spaß nicht. Allein für die Freischaltung des Rollers habe ich 1 Euro gezahlt. Jede Minute kostet dann 15 Cent. Meine 20 Minuten Fahrt: 4 Euro. Am Ziel angekommen bemerke ich, dass ich dort nicht parken darf. Ich befinde mich außerhalb des Geschäftsgebiets, das sich in Berlin am S-Bahn-Ring orientiert. Glücklicherweise kann ich in der App nachprüfen, wo genau die Gebietsgrenze verläuft. Ich muss lediglich eine Straße zurückfahren. Dann kann ich meine Buchung beenden.

Abgesehen von den wenigen Anfängerproblemen, die ich hatte, sind die E-Roller leicht zu bedienen. Gerade wenn man es einmal eilig hat, lassen sie sich unkompliziert ausleihen. So kommt man schneller und garantiert unverschwitzt ans Ziel. Dabei macht es auch noch großen Spaß, im Stehen durch die Stadt zu gleiten.

Der E-Roller ist eine praktische Ergänzung zu Leihfahrrädern, E-Scootern und Car-Sharing. Langfristig können die Angebote der Sharing-Economy den Stadtverkehr positiv beeinflussen. Etwas haben sie das sogar schon. Zumindest erscheint es für einen Moment so, als ich auf der Straße direkt neben mir zwei E-Scooter und mehrere Leihfahrräder erblicke. Privatfahrzeuge nicht in Sicht. Das spiegelt natürlich noch nicht die Realität wieder, könnte aber ein erster kleiner Ausblick auf eine innerstädtische Mobilität der Zukunft sein.

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