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Senioren am Steuer: Müssen ältere Fahrer getestet werden? Pro&Kontra

MEINUNGPro und Kontra  

Brauchen wir den Senioren-Tüv für Autofahrer?

01.08.2018, 10:47 Uhr | mab, t-online.de

Senioren am Steuer: Müssen ältere Fahrer getestet werden? Pro&Kontra. Älterer Autofahrer: Brauchen wir Fahrtests für Senioren? (Quelle: Getty Images/AzmanJaka)

Älterer Autofahrer: Brauchen wir Fahrtests für Senioren? (Quelle: AzmanJaka/Getty Images)

Unfallforscher kennen zwei Risikogruppen im Straßenverkehr. Die eine ist ganz jung und die andere ganz alt. Zum Schutz der Fahranfänger gibt es eine Reihe spezieller Regelungen – aber für die Senioren am Steuer gibt es keine. Dabei fordern Unfallforscher den Fahrtest für Ältere. Zeit zum Handeln für den Gesetzgeber?

Annemarie Munimus

Chefin vom Dienst Journal

 

 

Pro

Lebenslanger Führerschein – das darf nicht sein


Autos sind sehr praktisch, aber auch sehr gefährlich. Es sind tonnenschwere Blechlawinen, die alles platt machen können, was sich ihnen in den Weg stellt. Der Führerschein ist somit eine unverzichtbare Absicherung, die niemand ernsthaft infrage stellen würde. Doch sollte er, einmal erteilt, ungeprüft ein Leben lang gelten? Nein, denn Menschen und Gegebenheiten verändern sich im Laufe der Zeit. Daher sollte gerade die Fahrtauglichkeit mehrmals im Leben getestet und attestiert werden.


Sobald eine Tätigkeit das eigene Leben, oder das von anderen ernsthaft gefährden kann, muss überprüft werden, ob die betreffende Person der damit einhergehenden Verantwortung auch gerecht werden kann – körperlich und geistig. In Berufen, in denen eine große Gefahr für den Ausübenden oder andere besteht, wird schließlich auch ausgebildet, nachgeschult und die Tauglichkeit fortlaufend attestiert. Beispielsweise bei Piloten ist das der Fall.


Eignungstests für ältere Autofahrer als diskriminierend zu stigmatisieren, ist realitätsfern. Es geht schlicht um die größtmögliche Gewährleistung von Sicherheit: Für die älteren Autofahrer selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Natürlich darf man Altersgrenzen nicht willkürlich setzen und die Fahrerlaubnis grundlos entziehen. Vielmehr sollten Experten, ausgehend von medizinischen Erkenntnissen und Unfallstatistiken, Altersstufen festlegen, zu denen die Fahrtauglichkeit geprüft wird. Sehkraft und Reaktionsvermögen können schließlich objektiv gemessen werden.


Fahranfängern wird der Führerschein auf Probe ausgehändigt – sie haben noch nicht genügend Fahrpraxis gesammelt, aber besitzen in der Regel alle benötigten körperlichen Anlagen. Ältere Autofahrer hingegen haben zwar die Erfahrung, dafür kann es aber sein, dass ihre Fähigkeiten wieder nachlassen. Hier auf Freiwilligkeit und Vernunft zu setzen, ist ebenso fahrlässig, wie bei 17-Jährigen zu hoffen, dass sie stets besonnen handeln.

Prof. Dr. Georg Rudinger

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO)

Kontra

Es gibt bessere Lösungen als Fahrtests


Fahrtests für Senioren? Nach einer EU-Führerscheinrichtlinie aus dem Jahr 2006 wäre so etwas möglich. Trotzdem ist eine obligatorische Eignungsuntersuchung ab einem bestimmten Alter – aber welchem eigentlich? – in Deutschland bislang nicht vorgesehen. Und das ist auch richtig so.


Dass in Deutschland die Fahrerlaubnis lebenslang gilt, ist von der Verkehrspolitik immer wieder bis in die jüngste Zeit bekräftigt worden. Sie hat sich damit ausdrücklich gegen Pflicht-Fahrtauglichkeitstests für Ältere ausgesprochen. Das hat verschiedene Gründe, etwa juristische Erwägungen zum Beispiel bezüglich des verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsprinzips, aber auch die Befunde zahlreicher wissenschaftlicher Studien. Die Unfallstatistiken weisen nicht aus, dass das Kollektiv der älteren Kraftfahrer ein größeres Gefahrenpotenzial darstellt als andere Altersgruppen. Restriktive Maßnahmen gegen alle – weil ja angeblich so gefährlichen – älteren Autofahrer lassen sich so nicht begründen.


Generelle obligatorische gesetzliche Tests – ab einem willkürlich festgelegten Alter angewendet – wären angesichts der mit dem Alter wachsenden interindividuellen Unterschiede eine übergeneralisierende, also altersdiskriminierende Ungleichbehandlung und auch die methodisch falsche Maßnahme. Ein Vergleich der Überprüfungsverfahren zur Erneuerung der Fahrerlaubnis in 27 Mitgliedstaaten der EU zeigt: Keine einzige Studie belegt den positiven Effekt einer solchen generalpräventiven Maßnahme: Sie würde keine Schäden verhindern und die Sicherheit nicht erhöhen.


Hilfreicher sind alternative, sozusagen spezialpräventive Maßnahmen. Man kann ältere Fahrer anlassbezogen durch eine Fahrverhaltensbeobachtung untersuchen. Es gibt auch die Mobilitätsberatung durch Ärzte oder die Entwicklung und Erprobung von speziellen Trainingsmaßnahmen anhand qualifizierter freiwilliger Rückmeldefahrten. Daraus kann man individuelle Trainingsziele ableiten und konkrete Rückmeldungen zu Stärken und Schwächen des Autofahrers geben. Dass solche Trainings- und Beratungsmaßnahmen erfolgreich sind, zeigen internationale Studien. So bleiben fitte Senioren mobil, und die Straßen werden gleichzeitig sicherer.

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