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So werden Blitzeranlagen in Deutschland beschÀdigt

dpa, David Langenbein

Aktualisiert am 05.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Mobile Radaranlage: Sie wird aufgebaut, um TemposĂŒnder im Straßenverkehr zu ĂŒberraschen.
Mobile Radaranlage: Sie wird aufgebaut, um TemposĂŒnder im Straßenverkehr zu ĂŒberraschen. (Quelle: Hubert Jelinek/imago-images-bilder)
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"Mist! Hat der mich gerade erwischt?" Das haben sich wohl die meisten Autofahrer schon mal gefragt, wenn sie an einem Blitzer vorbeigefahren sind. Aber mancher ĂŒbertreibt es mit der Wut darĂŒber deutlich.

Sie kommen mit Spraydosen, schwerem Werkzeug oder sogar Schusswaffen: Blitzeranlagen werden in Deutschland oft beschĂ€digt. Immer wieder gibt es Berichte ĂŒber Vandalismus bei den Messanlagen zur GeschwindigkeitsĂŒberwachung.


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Beispielsweise in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen: Dort sorgte die Tempo-50-BeschrĂ€nkung an einer Baustellenausfahrt fĂŒr Lastwagen offenbar fĂŒr einigen Ärger bei Autofahrern und anderen. Erst wurden nur Schilder ĂŒbermalt oder abmontiert. Die Folge: Zahlreiche Radarfotos mussten fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt werden, weil das Tempolimit fĂŒr die Fahrer nicht zu erkennen war.

Blitzer mit Spitzhacke eingeschlagen

Anfang Februar ging es dem teilstationĂ€ren Blitzer "Bernhard" dann an den Kragen. Vermutlich mit einer Spitzhacke wurde auf die rund 230.000 Euro teure Anlage eingeschlagen. "Da hat jemand mit großer Wucht mit etwas Spitzem drauf eingeschlagen", sagt ein Sprecher der Stadt der Deutschen Presse-Agentur. Vier Panzerglasscheiben zum Schutz der beiden Kameras splitterten. "Die Anlagen sind sehr stabil, aber mit brachialer Gewalt kriegt man alles kaputt. Die Technik wurde aber nicht beschĂ€digt", sagt er.

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Trotzdem ein teurer Wutausbruch: Auf rund 29.000 Euro beziffere man den Schaden aktuell, sagt der Sprecher der Stadt. Dabei sei der Blitzer in der Stadt eigentlich nicht umstritten gewesen. Im Gegenteil, es habe sogar zeitweise einen kleinen Hype um ihn gegeben. Aber natĂŒrlich fĂ€nden nicht alle "Bernhard" toll. Schon 2019 ging ein TĂ€ter mit einem BaseballschlĂ€ger auf die Anlage los. Er wurde jedoch geschnappt und musste eine Strafe zahlen.

Anders nach dem Vorfall im Februar. Zwar ging die Alarmanlage von "Bernhard" los, doch als jemand bei ihm ankam, hatte sich der TĂ€ter lĂ€ngst davon gemacht. Das Verfahren wurde eingestellt. Man könne die Anlagen nicht rund um die Uhr schĂŒtzen, sagt der Stadtsprecher.

Blitzerattacken: Freiheitsstrafe oder Geldbuße droht

Wie viele Attacken auf Blitzer es pro Jahr in Deutschland gibt, wird nach Angaben des Bundeskriminalamtes nicht erhoben. Die FĂ€lle fließen unter SachbeschĂ€digung in die Statistik ein. Diese können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden, erklĂ€rt die Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Die TĂ€ter mĂŒssen dabei nicht immer verĂ€rgerte Autofahrer sein, die geblitzt wurden. "Vielleicht denken sie auch, dass der Blitzer, der in ihrer Straße steht, besonders falsch ist, dass sie das selbst besser entscheiden können", erklĂ€rt Sherine Franckenstein vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Die Motivationen können ganz unterschiedlich sein. "Das kann impulsiv oder gezielt passieren. Das kann ein Freitagabend-Event sein, dass man Spaß daran hat, Sachen zu zerstören", erklĂ€rt die Psychologin.

TĂ€ter denken nicht an Konsequenzen

Besonders bei Impulshandlungen etwas aus akuter Wut darĂŒber, geblitzt worden zu sein, dĂŒrften sich die TĂ€ter oft nicht genug Gedanken ĂŒber die Konsequenzen machen: "Das ist nicht zu Ende gedacht. Man bedenkt nicht, dass einen jemand dabei filmen oder entdecken könnte. Oder glaubt, dass man die Blitzer-Aufnahme mit der Zerstörung zurĂŒckholen kann, dass die noch nicht gespeichert ist." Bei einer solchen Handlung sei momentan kein Schuldbewusstsein vorhanden. "In diesem Zustand werden sie davon ausgehen, das Recht zu haben, die Blitzeranlage zu zerstören", sagt Franckenstein.

Im vergangenen Dezember drosch ein wohl verĂ€rgerter Autofahrer in SaarbrĂŒcken auf einen BlitzeranhĂ€nger ein und versuchte, ihn zu zerstören. Der unbekannte Mann sei von Zeugen gestört worden, als er mit dem Hammer auf den AnhĂ€nger einschlug, teilte die Polizei damals mit. Er flĂŒchtete daraufhin gemeinsam mit einer Frau in einem in der NĂ€he abgestellten Auto.

Blitzer werden auch beschossen

Dabei wird nicht immer mit schwerem Werkzeug vorgegangen. Es kann sogar mal geschossen werden. So geschehen etwa im Februar in Groß Reken im MĂŒnsterland. Die stationĂ€re Anlage "Starenkasten" wies mehrere Einschusslöcher auf und wurde stark beschĂ€digt. Es entstand ein Schaden von rund 10.000 Euro.

Ähnliches passierte nur ein paar Tage spĂ€ter in Friedrichshafen in Baden-WĂŒrttemberg. Dort betrug der Schaden rund 1.000 Euro. Angriffe auf Blitzer kĂ€men immer mal wieder vor, meist aber mit Spraydosen, sagt ein Sprecher der Polizei.

AngezĂŒndete Blitzeranlagen

An der A1 am Dreieck Vulkaneifel etwa wurde eine Blitzeranlage im Oktober vergangenen Jahres angesteckt. Im Bereich der Polizei Trier sind zudem zwei BlitzeranhĂ€nger im Einsatz, die in der Vergangenheit wiederholt angezĂŒndet worden waren, hieß es damals. Mit Böllern wurde eine Anlage Anfang des Jahres in Leipzig attackiert.

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"Bernhard" in Bielefeld ist noch nicht wieder eingesetzt. Momentan gebe es bei einem Ersatzteil Lieferprobleme, sagt der Sprecher der Stadt. Erst wenn dieses geliefert sei, könne er seinen Dienst wieder antreten.

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Von Markus Abrahamczyk
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