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Nach Flixbus-Unfall bei Schwerin: Wie sicher ist Reisen mit dem Fernbus?

Schwerer Unfall bei Schwerin  

Wie sicher ist das Reisen im Flixbus?

12.09.2020, 13:22 Uhr
Nach Flixbus-Unfall bei Schwerin: Wie sicher ist Reisen mit dem Fernbus?. Der Fernbus rauschte in einen Graben: Möglicherweise war ein Sekundenschlaf des Fahrers Auslöser für den Unfall.  (Quelle: Nonstop)

Der Fernbus rauschte in einen Graben: Möglicherweise war ein Sekundenschlaf des Fahrers Auslöser für den Unfall. (Quelle: Nonstop)

Wieder ein schweres Busunglück: Auf der Autobahn 24 nahe Schwerin wurden Dutzende Fahrgäste verletzt. Wie gefährlich ist das Reisen in einem Fernbus? Und was tut Flixbus für die Sicherheit seiner Passagiere?

Schweres Busunglück auf der A24 in Mecklenburg-Vorpommern: In der Nähe von Wöbbelin hat es am frühen Morgen des 12. September einen Unfall mit einem Flixbus gegeben. Nach Polizeiangaben wurden dabei 31 Menschen verletzt. Das Unternehmen Flixbus bestätigte der Deutschen Presse-Agentur zunächst drei Verletzte.

Der Bus war von der Straße abgekommen und in einen Graben gefahren. Die Ursache für den Unfall werde noch ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Rostock der dpa.

Wenn ein Reisebus verunglückt, gibt es oft viele Verletzte. Das verwundert kaum, wenn man die Ausmaße eines solchen Busses bedenkt.

  • Die gängigen Flixbusse sind vier Meter hoch, 14 Meter lang und  2,50 Meter breit.
  • Der Motor hat rund 500 PS, 13 Liter Hubraum und wiegt mehr als eine Tonne.
  • Der Bus bietet – je nach Ausbau – Platz für bis zu 87 Reisende. Voll beladen, wiegt er 26 Tonnen.

Wie sicher ist das Fahren im Flixbus?

Generell sind Sie im Fernbus sicher unterwegs. Auf einer Milliarde Personenkilometer (Zahl der transportierten Personen multipliziert mit der Distanz) kommt es zu 0,12 Toten. Damit ist der Bus fast so sicher wie der Zug (0,05). Zum Vergleich: Im Auto liegt der Wert bei 1,97 – europaweit sogar bei 3,03.

In Deutschland reisen rund 25 Millionen Fahrgäste pro Jahr per Fernbus – und fast jeder von ihnen steigt dabei in einen der leuchtend grünen Flixbusse. Mit einem Anteil von rund 95 Prozent sind die Bayern der absolute Marktführer.

Wenn es mit dem Fernbus kracht, ähneln sich oftmals die Ursachen, sagt der ADAC. Häufige Gründe sind:

  • Zu geringer Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden
  • Fehler beim Abbiegen
  • Zusammenstöße beim Wenden oder Rückwärtsfahren

Wenn es dabei zum Brand kommt, kann ein vermeintlich leichter Unfall zur Katastrophe führen.

Tatsächlich sei der Brandschutz ein Problem der Busse, kritisiert der ADAC: Die Anforderungen an verbaute Materialien seien deutlich weniger streng als beispielsweise im Zug oder auf dem Schiff. Hier fordert der Verkehrsclub strengere Normen. Außerdem sollten moderne Assistenzsysteme zur Pflicht werden.

Was tut Flixbus für die Sicherheit?

Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia erklärt gegenüber t-online.de: "Die Fernbusflotte, die für uns im Einsatz ist, ist mit modernsten Sicherheitssystemen ausgestattet." Ihre Sicherheit gehe über die geforderten Standards hinaus. Dazu gehören demnach Features wie Fahrdynamikregelung, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Aufmerksamkeitsassistent sowie ein Brems- und Notbremsassistent.

Außerdem lasse man stichprobenartig unangekündigte Kontrollen durchführen, in Deutschland durch den Tüv Süd. Die Organisation würde monatlich 500 Checks vornehmen.

Die Fahrer würden ein umfangreiches Training erhalten, wobei die Sicherheit im Mittelpunkt stehe. Mangiapia: "Neben theoretischen Einheiten zu Verkehrsvorschriften üben die Fahrer in Simulationen auch das Fahren und Bremsen unter verschiedensten Bedingungen – von vereisten Straßen bis hin zu stockendem Verkehr." Darüberhinaus gebe es eine digitale Schulungsplattform für alle 7.000 Flixbus-Fahrer – die übrigens nicht bei Flixbus angestellt sind, sondern bei Partnerunternehmen.

Wie erkennt man einen sicheren Reisebus?

Allerdings gibt es auch in der Fernbus-Branche immer wieder Negativ-Beispiele. Sie können im Vorfeld einer Reise und beim Einsteigen das Unternehmen und den Bus überprüfen. Achten Sie dabei auf folgende Aspekte:

  • Sammeln Sie vor der Buchung Informationen über das Unternehmen im Internet.
  • Überschlagen Sie bei sehr günstigen Angeboten, ob der Preis überhaupt die entsprechende Leistung abdecken kann. Bei so genannten Butterfahrten ist generell Skepsis geboten.
  • Kann Ihnen der Reiseveranstalter bestätigen, dass seine Fahrer die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einhalten?
  • Vor dem Einsteigen in den Bus zeigt ein Blick auf die Plaketten für Hauptuntersuchung und Sicherheitsprüfung, ob sie gültig sind.
  • An der Reifenflanke können Sie ablesen, ob die Reifen noch genutzt werden dürfen. Die DOT-Nummer verrät ihr Alter: Zum Beispiel bedeutet die Nummer 0816, dass der Reifen in der achten Kalenderwoche im Jahr 2016 produziert wurde.
  • Nach maximal sechs Jahren sollte ein Reifen gewechselt sein. Da Busse aber viel mehr Kilometer abspulen als normale Autos, ist ein Blick aufs Profil meist sinnvoller: Ist es noch mindestens 1,6 Millimeter tief oder schon abgefahren?

Wo sitzt man im Bus am sichersten?

Wenn aber etwas passiert, dann wird es auch für die Reisegäste schnell gefährlich. Besondere Risiken im Reisebus sind Auffahrunfälle und – wegen seiner Höhe – das Umkippen. Untersuchungen zeigen, welche Plätze gefährlich sind und auf welchen Plätzen Sie im Reisebus am sichersten sitzen.

  • Besonders unsicher sitzt man vorn in der Nähe des Fahrers und der großen Windschutzscheibe.
  • Auch auf den hinteren Sitzplätzen ist man bei einem Unfall besonders gefährdet, wenn etwa ein Lkw auf das Heck auffährt.
  • Am Fenster sitzt man unsicherer als am Gang. Außerdem kann hier bei einem Unfall der Fluchtweg – nämlich der Gang – durch andere Fahrgäste blockiert sein.
  • Die sichersten Plätze im Bus sind also in der Mitte des Busses am Gang.

Was tun bei einem Brand?

  • Sobald Sie Rauch- oder Schmorgeruch wahrnehmen, informieren Sie den Fahrer.
  • Auch bei offenem Feuer gilt: Nicht erst Löschversuche unternehmen, sondern sondern sofort zum Fahrer! Ansonsten verlieren Sie kostbare Zeit.
  • Der Fahrer hält schnellstmöglich an und öffnet die Türen. Alle Fahrgäste verlassen den Bus zügig, bringen sich hinter einer Leitplanke in Sicherheit. Achten Sie auch auf andere Fahrgäste. Dann entfernen Sie sich mindestens 50 Meter vom Bus, um nicht von herumfliegenden Teilen getroffen zu werden. Betreten Sie nicht die Autobahn und folgen Sie unbedingt den Anweisungen des Busfahrers.
Verwendete Quellen:
  • Verkehrsclub ADAC
  • Allianz Pro Schiene
  • Setra
  • Flixbus
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
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