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K├Ânnen sich moderne Autos miteinander unterhalten?

dpa-tmn, Thomas Geiger

Aktualisiert am 29.09.2020Lesedauer: 4 Min.
Moderne Autos: Navigationssysteme k├Ânnen Hinweise zum Spritsparen geben.
Moderne Autos: Navigationssysteme k├Ânnen Hinweise zum Spritsparen geben. (Quelle: Canetti/getty-images-bilder)
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Fortschrittliche Navis liefern l├Ąngst mehr Infos als nur die Reiseroute ÔÇô das kann Autofahrern den Alltag erheblich erleichtern. Doch k├Ânnen sich Fahrzeuge im Stra├čenverkehr auch untereinander vernetzen?

Das Wichtigste im ├ťberblick


  • Was bieten moderne Navis?
  • Welche Vorteile gibt es f├╝r E-Autos?
  • Wo k├Ânnen Autos am besten Energie zur├╝ckgewinnen?
  • K├Ânnen sich Autos miteinander und der Umgebung unterhalten?

Vorausschauendes Fahren ist nicht nur sicher, sondern sorgt auch f├╝r einen guten Verkehrsfluss und einen niedrigen Verbrauch. Das lernen schon Lenkrad-Novizen in der Fahrschule. Zwar sind angesichts von Topographie und Streckenf├╝hrung die M├Âglichkeiten des Menschen oft arg eingeschr├Ąnkt, doch bietet einmal mehr die Elektronik profunde Unterst├╝tzung an.

Immer mehr Autos sind mit Navigationssystemen ausgestattet, erweitern so den Horizont des Fahrers und ├Âffnen ihm selbst dann die Augen, wenn der Blick durch Kurven, Kuppen oder Kreuzungen blockiert ist.

Was bieten moderne Navis?

Weil die Systeme im Wagen immer st├Ąrker miteinander vernetzt sind, reagieren sie auf Wunsch zunehmend automatisch. So sind Autofahrer gegen Strafzettel wegen ├╝berh├Âhter Geschwindigkeit gefeit, wenn intelligente Tempomaten mit dem Navigationssystem und der Verkehrszeichenerkennung zusammenarbeiten. Denn dann regelt die Elektronik nicht nur den Abstand zum Vordermann, sondern passt auch das Tempo automatisch dem jeweiligen Limit an ÔÇô und zwar auch dann, wenn das entsprechende Schild vielleicht noch gar nicht zu sehen ist.

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Mit der gleichen Logik l├Ąsst sich auch der Verbrauch senken: Weil die Navigation selbst ohne aktive Zielf├╝hrung wei├č, wann auf der vorausliegenden Strecke Kreuzungen, scharfe Kurven, Kreisverkehre, Ortseinfahrten kommen, kann sie den Fahrer mit Anzeigen im Cockpit oder Head-up-Display oder sogar einem sanften Gegendruck im Gaspedal auf bevorstehende Bremsman├Âver hinweisen, erl├Ąutert Mercedes-Sprecher Ren├ę Olma. Und wenn dabei der Tempomat aktiviert ist, passt der die Geschwindigkeit bei vielen Marken und Modellen mittlerweile selbst dem Streckenverlauf an.

Welche Vorteile gibt es f├╝r E-Autos?

Solche Hinweise zum Spritsparen werden bei konventionell angetriebenen Autos oft bel├Ąchelt und von manchem geflissentlich ignoriert. Mit zunehmender Elektrifizierung zum elementaren Bestandteil der Betriebsstrategie, wird der elektronische Weitblick aber immer wichtiger. Weil die Entwickler im Ringen um die Reichweite alle Register ziehen, planen die Systeme neben der k├╝rzesten Route auf Wunsch auch die effizienteste oder die mit den am besten gelegenen Ladepunkten.

"Es ist schlie├člich nicht sinnvoll, wenn ein Plug-in-Hybrid mit vollem Akku auf einer Passh├Âhe ankommt und bei der nachfolgenden Abfahrt keine Kapazit├Ąt hat, um die Bremsenergie zu rekuperieren", erl├Ąutert Heiko Sprenger von BMW, dort Leiter Energiemanagement im Fahrzeug. Und je nachdem, wie der Fahrer seinen Wagen programmiert hat, verteilen sie bei Plug-in-Hybriden auch die unterschiedlichen Betriebsarten und wechseln immer dann in den Elektro-Modus, wenn es durch Innenst├Ądte geht, w├Ąhrend ├╝ber Land der Verbrenner bevorzugt wird, so der Experte weiter.

Wo k├Ânnen Autos am besten Energie zur├╝ckgewinnen?

Auch das Rekuperieren reiner Elektrofahrzeuge l├Ąsst sich durch die Voraussicht der Elektronik optimieren, erl├Ąutert Frank Bekemeier, der bei VW die Elektroplattform MEB verantwortet. Statt den Grad der Energier├╝ckgewinnung und mit ihr die Bremskraft des zum Generator umgepolten E-Motors auf Knopfdruck zu variieren, kann man diese Entscheidung auch dem Bordcomputer ├╝berlassen. Der nutzt daf├╝r dann das Abstandsradar und Infos aus der Navikarte und findet selbstst├Ąndig die beste Balance aus Ausrollen und Laden des Akkus.

K├Ânnen sich Autos miteinander und der Umgebung unterhalten?

Haben die Autohersteller jahrelang nur Informationen genutzt, die im Fahrzeug verf├╝gbar oder etwa mithilfe des Abstandsradars an Bord generiert werden konnten, beziehen sie nun zunehmend Daten von au├čen ein. "Car to X"-Kommunikation lautet das Stichwort, unter dem sich moderne Autos mit der Infrastruktur vernetzen und so zum Beispiel variable Geschwindigkeitsbegrenzungen verarbeiten k├Ânnen, lange bevor auch die beste Kamera die Schilder sieht.

Das funktioniert aber nicht nur bei Schilderbr├╝cken auf der Autobahn, sondern auch bei Ampeln in der Innenstadt. Als erster Hersteller hat das Audi bewiesen und bietet deshalb in zahlreichen Modellen eine Art Ampel-Assistenten an. Der ist vor allem in den USA sowie seit diesem Jahr auch in Deutschland zun├Ąchst in Ingolstadt und D├╝sseldorf freigeschaltet.

Er wei├č, wann Rot ist und wann Gr├╝n und berechnet so die optimale Geschwindigkeit, mit der man ohne Stopp durch die Stadt kommt, erl├Ąutert Projektleiter Andre Hainzlmaier: "Damit wollen wir den Komfort f├╝r den Fahrer verbessern, die Sicherheit im Verkehr erh├Âhen und einen vorausschauenden, ├Âkonomischen Fahrstil f├Ârdern." Die Ergebnisse aus den hauseigenen Flottenversuchen geben ihm recht: Um bis zu 15 Prozent sei der Verbrauch in entsprechenden Pilotprojekten gesunken, melden die Bayern.

Countdown f├╝r mehr Geduld und Aufmerksamkeit

Auch falls die Gr├╝ne Welle mal ins Stocken ger├Ąt, ist der Ampel-Assistent nicht nutzlos. Er z├Ąhlt bei Rot die Sekunden herunter, so dass die Fahrer langsam an eine Ampel heranrollen k├Ânnen. Und kommen sie tats├Ąchlich zum Stehen, beruhigt der Countdown die Nerven und unterst├╝tzt ein z├╝giges Anfahren, so dass der Verkehr m├Âglichst schnell wieder gut flie├čt.

Dass zumindest letzteres auch ohne Vernetzung funktioniert, beweist Hyundai im neuen Kleinwagen i20 mit einem Anfahr-Assistenten der etwas anderen Art. Weil die Koreaner festgestellt haben, dass sich viele Fahrer beim Stopp arg ablenken lassen und den Blick von der Stra├če nehmen, sind die Abstandssensoren und Kameras im Stillstand nicht aus, sondern besonders wachsam, so Pressesprecher Bernhard Vo├č.

Registrieren diese, dass der Vordermann anf├Ąhrt, lenken sie die Aufmerksamkeit des Fahrers deshalb mit einem Warnhinweis wieder auf den Verkehr. Das mag bisweilen zwar ein wenig belehrend und aufdringlich sein, r├Ąumen die Koreaner ein. Aber es ist noch immer dezenter als das Hupen eines genervten Hintermannes.

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Von Markus Abrahamczyk
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