Sie sind hier: Home > Auto > Technik & Service >

Chipmangel der Autobauer: Die hausgemachte Krise

Hausgemachte Krise  

Das steckt hinter dem Chipmangel der Autobauer

28.07.2021, 14:32 Uhr
Chipmangel der Autobauer: Die hausgemachte Krise. Produktion bei VW: Viele Hersteller mussten wegen des Chipmangels die Fertigung drosseln oder für einige Modelle sogar einstellen. (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)

Produktion bei VW: Viele Hersteller mussten wegen des Chipmangels die Fertigung drosseln oder für einige Modelle sogar einstellen. (Quelle: Rainer Weisflog/imago images)

Die Bänder stehen still, Arbeiter gehen in Kurzarbeit: Wegen des Chipmangels werden Millionen Autos weniger gefertigt als geplant. Diese Krise haben sich die Hersteller zum Teil selbst eingebrockt.

Die Meldungen kommen beinahe im Wochenrhythmus: VW stoppt einen Teil seiner Bänder in der Slowakei. Audi fährt die Produktion in Neckarsulm herunter. Daimler setzt die Fertigung in gleich drei Werken aus, schickt Tausende in Kurzarbeit. BMW stoppt die Produktion in Leipzig, drosselt drei Tage später die Fertigung in Regensburg. Während Daimler wieder Kurzarbeit ankündigt. Und so weiter.

Weltweit haben viele Autohersteller ähnliche Probleme. Und das alles, weil Chips plötzlich zur Mangelware wurden: Die Nachfrage nach Halbleitern ist so gewaltig, dass ihre Hersteller mit der Fertigung nicht hinterherkommen. Die Folge sind Lieferengpässe in der Autoindustrie. Dadurch werden etliche Millionen Neuwagen weniger gebaut. Wie konnte es dazu kommen?

Pandemie und Fehler der Autobauer

Die Autohäuser waren geschlossen, das Geld war bei vielen knapp: Gerade zu Beginn der Pandemie brach der Verkauf von Neuwagen drastisch ein. Darauf reagierte die Branche unter anderem, indem sie weniger Chips bestellte. Denn die meisten Autobauer lagern zugelieferte Bauteile wie Chips nicht strategisch. Sie bestellen nur, was gerade gebraucht wird. Wenn alles gut läuft, sparen sie damit viel Geld. Und wenn es schlecht läuft, so wie jetzt, haben sie eben Engpässe. Die Chipkrise der Autobranche ist laut Experten somit zu einem guten Teil hausgemacht.

Was die Autoindustrie nämlich nicht verstanden hatte: Insgesamt ging die Nachfrage nach Chips während der Pandemie deutlich nach oben. Viele Unternehmen gingen von jetzt auf gleich ins Homeoffice, auch die Schule fand zu Hause statt. Es entwickelte sich ein enormer Ansturm auf Laptops, Tablets, Smartphones und auch Spielkonsolen. Und Hersteller dieser Waren sind für die Chipindustrie wichtigere Kunden als die Autobauer: Apple allein benötigt etwa so viele Chips wie sie alle weltweit zusammen. Da liegt auf der Hand, welcher Kunde zuerst bedient wird. Zumal die Produzenten ihre Fertigung schnell der spezifischen Nachfrage angepasst hatten.

Nur wenige Hersteller für Mikrochips

Zwar gibt es viele Chipentwickler, aber nur wenige Hersteller. Einer der wichtigsten unter ihnen ist TSMC aus Taiwan. Etwa 70 Prozent der Chips, die unsere Autos steuern, kommen aus ihren Werken. Und die sind komplett ausgelastet, sie können eine höhere Nachfrage nicht bedienen. Jede Störung, wie etwa ein Brand, ein Schneesturm oder ein Erdbeben wie zu Jahresanfang in Japan, bremst die Chipproduktion und erschwert die Lage der Abnehmer.

Lange Wartezeit

Selbst wenn die Produzenten mehr Chips bauen könnten, wäre das Problem nicht gleich gelöst. Denn die Fertigung dauert Monate. Wer beispielsweise heute einen Mikrocontroller bestellt, wartet mindestens ein halbes Jahr lang bis zur Lieferung. Es kann aber auch ein ganzes Jahr vergehen.

Natürlich arbeitet die Industrie an einer Besserung der Lage. Aber auch das kann dauern. Neue Mitarbeiter müssen gefunden und ausgebildet werden. Der Bau neuer Fabriken oder der Ausbau bestehender Anlagen kostet einige Jahre – und einige Milliarden. Eine solche Investition wird zunächst natürlich gründlich geprüft. Und selbst bei grünem Licht gibt es schon die nächsten Probleme. Unter anderem mit den benötigten Fertigungsmaschinen: Es fehlen die Chips, um sie zu steuern.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • capital.de
  • handelsblatt.com
  • mdr.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Media Markttchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: