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eActros: Mercedes baut jetzt Elektro-Lkw in Serie

Was er kann, was er kostet  

Der erste elektrische Lademeister von Mercedes

07.10.2021, 17:46 Uhr | SP-X, mab, t-online

eActros: Mercedes baut jetzt Elektro-Lkw in Serie. Neuer eActros: Da er abgasfrei und sehr leise unterwegs ist, kann er überall hinliefern – sogar nachts. (Quelle: Hersteller)

Neuer eActros: Da er abgasfrei und sehr leise unterwegs ist, kann er überall hinliefern – sogar nachts. (Quelle: Hersteller)

Im Kampf gegen den Klimawandel dreht Mercedes seinen Trucks den Diesel ab und schickt jetzt als ersten Elektro-Lkw den eActros ins Rennen. So faszinierend der leise Riese fährt, hat die Sache allerdings einen Haken.

Der Actros wird zum eActros: Daimler baut nun auch Lkw mit Stromantrieb. Nach drei Jahren im Feldtest geht der 544 PS starke Laster jetzt mit zwei oder drei Achsen in Serie. Angetrieben wird er von zwei E-Maschinen, die in der zweiten Achse integriert sind und ein zweistufiges Automatikgetriebe nutzen. Gespeist werden sie aus tonnenschweren Batteriepaketen, die genau dort am Rahmen befestigt sind, wo sonst hunderte Liter Diesel in ihren Tanks schwappen.

Aufgeteilt in Akku-Blocks zu jeweils 105 kWh (Kilowattstunden) gibt es den eActros mit 315 oder 420 kWh, die bei durchschnittlicher Beladung für 300 oder 400 Kilometer reichen sollen, bevor der Laster an die Ladesäule muss. Wo das gesamte Gewicht von 25 Tonnen erreicht ist oder er mit Hänger gar auf 40 Tonnen kommt, sind es allerdings 20 Prozent weniger.

"Dort brauchen wir im besten Fall eine gute Stunde für den Sprung von 20 auf 80 Prozent", sagt Projektleiter Dalibor Dudic und räumt ein, dass die Zeit dabei das geringste Problem ist. "Das lässt sich locker in die Lenk- und Ruhezeiten integrieren oder an der Laderampe erledigen", sagt ein Fahrer.

Das Problem ist ein ganz anderes: nämlich eine Ladesäule zu finden. Denn öffentliche Zapfpunkte für elektrische Laster gibt es quasi noch nicht und die Pkw-Säulen sind allenfalls eine theoretische Möglichkeit.

Einsatz zunächst im Verteilerverkehr

Auch deshalb sieht Dudic die Zukunft des eActros erst einmal im Verteilerverkehr (also beispielsweise die Lieferung direkt ans Tor des Supermarkt-Lagers), wo die Strecken in der Regel bei höchstens 200 Kilometern am Tag liegen und eine Ladesäule auf dem Betriebshof sämtliche Reichweitensorgen ausräumen kann.

Hier wiederum hat der eActros zwei Vorteile: Nicht nur im Fahrerhaus sinkt der Lärm etwa um die Hälfte, was den Fahrern viel Stress erspart. Sondern der E-Antrieb macht den Lkw insgesamt deutlich leiser – und ermöglicht dadurch Nachtanlieferungen.

Modernes Cockpit: Im Fahrerhaus des eActros ist es nur etwa halb so laut wie in einem vergleichbaren Diesel-Modell. Das erspart Fahrern viel Stress. (Quelle: Hersteller)Modernes Cockpit: Im Fahrerhaus des eActros ist es nur etwa halb so laut wie in einem vergleichbaren Diesel-Modell. Das erspart Fahrern viel Stress. (Quelle: Hersteller)

Auch Dudic weiß aber, dass der elektrische Truck mittelfristig weiter fahren muss, wenn die Energiewende beim Nutzfahrzeug gelingen soll. Und billiger werden muss er natürlich ebenfalls. Schließlich kostet der eActros etwa dreimal so viel wie ein konventioneller Laster. Er dürfte sich damit zunächst extrem schwer tun in einem Markt, wo es nicht um Prestige geht, sondern um Profit.

Anders als beim Pkw lässt sich der Preis eines Lkw nicht pauschal nennen, da er stark von Faktoren wie Ausstattung und Anzahl der abgenommenen Fahrzeuge abhängt. In jedem Fall ist aber schon der Preis eines neuen Diesel-Actros sechsstellig.

Gewaltige Kosten – aber nur auf den ersten Blick

Doch bei den Kosten hilft die Regierung, die nicht nur auf die Lkw-Maut verzichtet und den E-Trucks zwei Tonnen zusätzliche Nutzlast schenkt. Außerdem schneide der eActros im Hinblick auf die Gesamkosten (unter anderem samt Treibstoff, Wartung und Verschleiß) in einigen Märkten kaum schlechter ab als vergleichbare Diesel-Modelle, sagt Daimler.

Und was den Aktionsradius angeht, hat das Unternehmen große Pläne. So arbeiten die Schwaben nicht nur an einem elektrischen Actros, der mit 500 Kilometern Reichweite auch für die Langstrecke taugen soll, sondern wollen parallel zum Marktstart im Jahr 2025 zusammen mit der Konkurrenz immerhin 1.700 Ladesäulen in ganz Europa aufstellen.

Allerdings liegt der Bedarf viel höher: Für das Jahr 2030 wird er bereits auf 50.000 Ladepunkte geschätzt.

Verwendete Quellen:
  • Daimler
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur SP-X
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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