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Weniger AutounfÀlle? So macht Technik den Verkehr sicherer

Von dpa
Aktualisiert am 12.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Dank der Technik soll die Zahl der AutounfĂ€lle zukĂŒnftig noch mehr zurĂŒckgehen.
Dank der Technik soll die Zahl der AutounfĂ€lle zukĂŒnftig noch mehr zurĂŒckgehen. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild./dpa)
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MĂŒnchen (dpa) - Vom ersten Auto bis zum ersten tödlichen Autounfall vergingen zehn Jahre: 1886 meldete Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent an, am 11. August 1896 wurde die 44 Jahre alte Londonerin Bridget Driscoll ĂŒberfahren - so jedenfalls ist es in der britischen Presse ĂŒberliefert. Und kurz nach diesem UnglĂŒck brachte die britische "General Accident Corporation" vor 125 Jahren im Herbst 1896 die erste Kfz-Versicherung auf den Markt.

In Deutschland wurde die erste Autopolice 1899 vom Stuttgarter Verein angeboten, spĂ€ter von der Allianz ĂŒbernommen. Seither haben die Versicherer wegen weltweit steigender Autozahlen in Summe alljĂ€hrlich mehr zu tun.

Weniger UnfÀlle durch Corona

Zwar gab es bei tödlichen VerkehrsunfĂ€llen mit und ohne Auto in Deutschland schon vor 50 Jahren eine Trendwende. Den Großteil der SchĂ€den machen aber nicht die schweren UnfĂ€lle aus. Gesamtdeutsche Unfallzahlen gibt es erst seit 1991, doch deren Zahl ist gestiegen: 1991 zĂ€hlte das Statistische Bundesamt 2,3 Millionen, 2019 dagegen fast 2,7 Millionen UnfĂ€lle. Nur 2020 waren es coronabedingt sehr viel weniger.

Abgesehen davon wird eine Vielzahl von SchĂ€den der Polizei gar nicht gemeldet - Beispiel Parkbeule. FĂŒr die kommenden zwei Jahrzehnte erwarten die Versicherer nun einen markanten RĂŒckgang der Unfallzahlen.

Vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin gibt es eine brandneue Prognose: In der Kfz-Haftpflicht erwartet der GDV bis 2040 im Vergleich zu 2019 20 bis 30 Prozent weniger UnfĂ€lle, deswegen einen um 19 bis 25 Prozent geringeren Schadenaufwand, gegenzurechnen seien 4 bis 6 Prozent höheren Reparaturkosten. "Im Ergebnis 13 bis 21 Prozent weniger EntschĂ€digungsleistungen der Kfz-Versicherer." Den grĂ¶ĂŸten Effekt auf Kfz-HaftpflichtschĂ€den haben Notbremsassistenten sowie Park- und Rangierassistenten.

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Schadeninflation- das große Thema

Die finanziellen Auswirkungen werden laut GDV zunĂ€chst ĂŒberschaubar sein. "Die neuen Assistenzsysteme machen das Autofahren zwar sicherer, sie verbreiten sich aber nur langsam und machen Reparaturen im Schadenfall teurer", sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jörg Asmussen.

Bereits jetzt haben Assistenzsysteme aber einen messbaren positiven Effekt. "Wir beobachten, dass es bei Fahrzeugen mit Assistenzsystemen so um die zwanzig Prozent weniger SchĂ€den gibt", sagt Jörg RheinlĂ€nder, Vorstandsmitglied beim MarktfĂŒhrer HUK Coburg. "Aber das sind keine riesenhaften SprĂŒnge, das erreichen wir in Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung auch mit unseren Telematiktarifen." Auf der anderen Seite gebe es eine Schadeninflation bei den Kosten der Ersatzteile. "Das ist das große Thema", sagt der HUK-Vorstand.

Bis autonome Autos die Straßen in grĂ¶ĂŸeren Zahlen bevölkern, werden noch viele Jahre vergehen. "Das autonome Fahren wird sich zuerst in langsamen Verkehrssituationen durchsetzen", meint RheinlĂ€nder. "Und dann auf Autobahnen, wo es relativ wenige SchĂ€den gibt."

Große Herausforderungen in Sicht

Arbeitslos werden die Kfz-Versicherer nicht werden, doch stehen sie vor großen Herausforderungen. "Seit der Wiedervereinigung ist der Kfz-Bestand in Deutschland im Schnitt jedes Jahr um 1,5 Prozent gewachsen, so auch nach wie vor in der jĂŒngeren Vergangenheit", sagt Onnen Siems, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) in Köln. MSK ist als aktuarielle Beratungsgesellschaft auf Versicherungsmathematik spezialisiert.

Da jedes Fahrzeug versichert werden muss, bedeutet dieses stete Wachstum fĂŒr die Versicherer quasi automatisches NeugeschĂ€ft. "Wir erwarten spĂ€testens in den nĂ€chsten zehn Jahren eine sukzessive Abflachung des Trends, so dass der maximale Fahrzeugbestand in 2030 oder frĂŒher erreicht wird", sagt Siems.

Die GrĂŒnde: "Es ist zu erwarten, dass die Energiekosten fĂŒr Benzin und Diesel, aber auch fĂŒr Strom weiter ĂŒberinflationĂ€r ansteigen werden." Weitere Faktoren sind der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs und des Radwegenetzes.

"Das heißt, die Kosten fĂŒr den automobilen Individualverkehr werden steigen und der Wechsel auf öffentliche Verkehrsmittel beziehungsweise das Fahrrad wird vereinfacht", sagt Siems. "Den langfristigen RĂŒckgang des Kfz-Verkehrs halten wir fĂŒr plausibel."

Der Kuchen wird kleiner

Der Kuchen auf dem Markt der Kfz-Versicherung wird demnach also kleiner werden: "Die Anzahl der Kfz wird rĂŒcklĂ€ufig sein, und der Schadenaufwand in Summe durch sinkende Schadenfrequenzen." Dieser erwartete RĂŒckgang der SchĂ€den wird nach MSK-Prognose je nach Kundensegment unterschiedlich ausfallen. "Diese differenzierten Trends mĂŒssen Autoversicherer zukĂŒnftig noch frĂŒher erkennen und in ihr Pricing integrieren", meint Siems. "Nur Versicherer mit einer exzellenten Pricingkompetenz werden in dem VerdrĂ€ngungswettbewerb langfristig bestehen."

Der zweite große Trend ist der Sprung vom Verbrennungs- zum Elektromotor. Derzeit sind Elektroautos nach einer Analyse der Allianz noch teurer zu reparieren als herkömmliche Fahrzeuge. Das liegt unter anderem daran, dass vielen WerkstĂ€tten die Qualifikation fehlt. Doch auch das wird sich Ă€ndern, sind die Berater ĂŒberzeugt. "Elektroautos werden mittel- und langfristig gĂŒnstiger sein als Autos mit Verbrennungsmotoren", sagt Siems. "GrundsĂ€tzlich sind Autos mit elektrischen Antrieben deutlich einfacher - und somit auch gĂŒnstiger - konstruiert als Verbrenner mit Hightech-Motoren, Getrieben und Abgasreinigungssystemen."

Somit scheint nicht gĂ€nzlich ausgeschlossen, dass auch die Versicherung in Zukunft einmal gĂŒnstiger werden könnte. "GrundsĂ€tzlich - also langfristig - folgen die BeitrĂ€ge dem Schadenvolumen", sagt Siems.

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