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Klimagas-Quote: So k├Ânnen Besitzer von E-Autos Kasse machen

Von dpa
Aktualisiert am 12.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Die Halter eines Elektroautos k├Ânnen mit einem CO2-Zertifikat bis zu 350 Euro im Jahr verdienen.
Die Halter eines Elektroautos k├Ânnen mit einem CO2-Zertifikat bis zu 350 Euro im Jahr verdienen. (Quelle: Christoph Dernbach/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Das Versprechen klingt fast zu gut, um wahr zu sein: "Geld verdienen mit dem Elektro-Auto". Wer in diesen Tagen im Netz nach dem Wortunget├╝m "Treibhausgasminderungsquote" oder "THG-Quote" sucht, st├Â├čt auf unz├Ąhlige Anzeigen, die Besitzern eines Elektrofahrzeuges eine Pr├Ąmie von ├╝ber 300 Euro im Jahr versprechen.

Schnell und unb├╝rokratisch soll das Geld flie├čen, ohne daf├╝r arbeiten zu m├╝ssen. Man muss nur ein Auto mit reinem Batterieantrieb oder einen gr├Â├čeren Elektroroller besitzen und einen Fahrzeugschein vorlegen k├Ânnen. Das Programm kommt so gut an, dass sich beim Umweltbundesamt ein Stau von Pr├Ąmienantr├Ągen gebildet hat.

Mineral├Âlunternehmen m├╝ssen f├╝r hohen CO2-Aussto├č zahlen

Im Gegensatz zu den staatlichen Kaufpr├Ąmien f├╝r E-Autos, die derzeit auf dem Pr├╝fstand des Bundesregierung stehen, stammen die THG-Pr├Ąmien nicht aus Steuermitteln, sondern von der Mineral├Âlwirtschaft. Die THG-Quote verpflichtet n├Ąmlich Mineral├Âlunternehmen dazu, ihren CO2-Aussto├č von Jahr zu Jahr zu senken. Und wenn sie das nicht aus eigener Kraft schaffen, m├╝ssen sie zahlen.

Ausgangspunkt f├╝r die CO2-Berechnungen sind die Werte aus dem Jahr 2010. Im laufenden Jahr muss der Aussto├č um sieben Prozent darunter liegen, 2030 m├╝ssen es dann bereits 25 Prozent weniger sein. Um die Quote zu erf├╝llen, haben die Konzerne bislang vor allem dem herk├Âmmlichen Sprit Biokraftstoff beigemischt - beim Benzin in Deutschland bis zu zehn Prozent (E10), beim Diesel bis zu sieben Prozent (B7).

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Doch mit vorgeschriebenen j├Ąhrlich steigenden Minderungsquoten f├Ąllt es Aral, Shell und Co. immer schwerer, nur mit dem Biosprit um Strafzahlungen herumzukommen. Ein Ausweg: Die Konzerne k├Ânnen Verschmutzungsrechte von sauberen Akteuren einkaufen, um die gesetzlichen Vorgaben zumindest auf dem Papier zu erf├╝llen. Die reichen die Kosten weiter: Bezahlen m├╝ssen am Ende diejenigen, die noch immer mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind.

Handel mit CO2-Zertifikaten

Der Handel mit CO2-Zertifikaten war bislang Unternehmen vorbehalten. In Deutschland profitierten vor allem Energieversorger von den Ausgleichszahlungen. Mit einem vergleichsweise hohen Anteil von erneuerbaren Energien im deutschen Strommix bleiben sie deutlich unter den erlaubten Verschmutzungsgrenzen und k├Ânnen eingespartes CO2 als Emissionszertifikat an die Mineral├Âlkonzerne verkaufen.

Seit Jahresbeginn 2022 d├╝rfen in Deutschland auch Privatleute bei diesem Gesch├Ąft mitmischen. Damit sich dasUmweltbundesamtnicht mit unz├Ąhligen Einzelantr├Ągen herumschlagen muss, kommen Zwischenh├Ąndler ins Spiel, die die Formulare zur CO2-Minderung b├╝ndeln und diese dann im Paket pr├╝fen lassen, um sie dann auf dem Markt anzubieten.

Antragsstau

Trotzdem gibt es bei der Beh├Ârde derzeit einen Antragsstau, so dass sich die Halter der Fahrzeuge gedulden m├╝ssen. Neben den klassischen Stromversorgern und Mobilit├Ątsanbietern sammeln rund 40 Start-up-Unternehmen wie Emobia, Klima-Quote.de oder Fairnergy die THG-Quoten ein und ├╝berweisen an die Halter eines E-Autos jeweils bis zu 350 Euro im Jahr pro Fahrzeug.

Nur Plugin-Hybride sind ausgeschlossen, weil sie auch mit fossilem Kraftstoff betankt werden k├Ânnen. Aber selbst elektrisch betriebene Leichtkraftr├Ąder und E-Motorr├Ąder, die ein gro├čes Nummernschild haben und schneller als 45 Stundenkilometer fahren, d├╝rfen die THG-Quote in voller H├Âhe in Anspruch nehmen.

Halter werden wegen des Antragsstaus beim Umweltbundesamt kein Geld verlieren. Die Frist f├╝r die Einreichung der Quote sei der 28. Februar des Folgejahres, erkl├Ąrte die Verbraucherzentrale. Bei der Auswahl eines der zahlreichen Abwicklungsunternehmen sei deshalb keine Eile geboten. Die Antragsberechtigten k├Ânnten die Meldung bei einem Dienstleister bequem bis Ende 2022 erledigen.

F├╝r Verbraucher positiv - Klimaschutz profitiert wenig

DerADACbegr├╝├čt diese Regelung: "Aus Verbrauchersicht ist es positiv zu bewerten, dass mit der zus├Ątzlichen Anrechenbarkeit von elektrischem Strom der Wettbewerb um kosteneffiziente Treibhausgasminderungen f├╝r Energie im Verkehrssektor gef├Ârdert wird", erkl├Ąrte der Automobilclub, der selbst auch als THG-Dienstleister aktiv ist.

Differenzierter sieht man die THG-Quote f├╝r Elektroautos bei Umweltschutzverb├Ąnden. "Sie ist nicht sch├Ądlich, aber bringt den Klimaschutz leider viel zu wenig voran", sagt Tobias Austrup, Experte f├╝r Mobilit├Ąt bei Greenpeace. "Rund 300 Euro sind ein zu mickriger Anreiz, um auf Elektromobilit├Ąt umzusteigen." Die staatliche Kaufpr├Ąmie sei allein 20-mal so gro├č. "Ich m├╝sste dieses E-Auto also 20 Jahre lang fahren, um eine vergleichbare F├Ârderung zu erhalten. Das bringt also nicht wahnsinnig viel."

F├╝r einen schnellen Umbau der Mobilit├Ąt fordert Greenpeace andere Instrumente. "Eine Neuzulassungssteuer f├╝r Autos mit hohem Spritverbrauch w├╝rde einen deutlichen Fortschritt bringen. Das zeigen etwa Erfahrungen aus den Niederlanden, wo gleich beim Kauf oder bei der Erstanmeldung eines besonders klimasch├Ądlichen Verbrenners auch mal 20.000 Euro oder mehr f├Ąllig werden." Das habe die Autoflotte dort viel klimafreundlicher gemacht.

Mit der Regelung sollten eigentlich die Mineral├Âlkonzerne motiviert werden, sich zu wandeln, sagt Austrup. "Mit der THG-Quote m├╝ssen sie aber ihr Gesch├Ąftsmodell nicht grunds├Ątzlich ├Ąndern. Dabei sollten sie sich heute mit der Frage auseinandersetzen, womit sie ihr Geld verdienen wollen, wenn ein Verkauf von Mineral├Âlprodukten aus Klimagr├╝nden nicht mehr stattfinden kann. Die THG-Quote erzeugt diesen Transformationsdruck nicht. Es handelt sich eher um ein klassisches Freikaufen."

Diese Argumente verfangen auch bei manchen Bef├╝rwortern der Elektromobilit├Ąt, die selbst vom Zertifikatehandel profitieren k├Ânnten. Stellvertretend f├╝r die THG-Skeptiker steht der popul├Ąre Youtuber Oliver Kr├╝ger, der in seiner Firma drei Elektroautos einsetzt. Kr├╝ger ist der ├ťberzeugung, dass die THG-Pr├Ąmie f├╝r einen Elektroauto-Besitzer keinen Effekt in Sachen Klimawandel hat.

"Wer sich ein E-Auto kauft, macht das nicht wegen 300 Euro oder etwas mehr, die man hier kurzfristig kassieren kann", sagt der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Hamburger Unternehmens 163 Grad, das L├Âsungen rund um die Umstellung auf klimaneutrale Energie anbietet.

Nur gr├╝ner Schein

Letztlich diene das System nur dazu, die Mineral├Âlindustrie in einem gr├╝nen Gewand erscheinen zu lassen, meint Kr├╝ger. "Die Konzerne k├Ânnen rein rechnerisch ihren CO2-Fu├čabdruck verringern, ohne tats├Ąchlich was f├╝r den Stopp des Klimawandels unternommen zu haben." Kr├╝ger will deshalb auf die Einreichung seiner THG-Quoten und das damit verbundene Geld verzichten.

Greenpreace-Experte Austrup hingegen r├Ąt trotz aller Bedenken jedem Elektroautofahrer, diese Pr├Ąmie mitzunehmen. "Die Quote f├Ąllt sonst an den Staat zur├╝ck. Und der wird sie dann irgendwann versteigern. Die Mineral├Âlkonzerne kommen also so oder so an diese Quote."

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