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Ohne Google: Fairphone mit datenschutzfreundlichem Betriebssystem


Neues Fairphone verzichtet auf Googles Android

dpa, Christoph Dernbach

Aktualisiert am 11.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Die Selfie-Kamera des Fairphone 3 l├Âst mit acht Megapixeln auf.Vergr├Â├čern des BildesDie Selfie-Kamera des Fairphone 3 l├Âst mit acht Megapixeln auf. (Quelle: Fairphone/dpa-tmn./dpa)
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Fairphones zeichnen sich etwa durch konfliktfrei gehandelte Metalle oder recycelten Kunststoff aus. Und nun gibt es auch eines mit extra datenschutzfreundlichem Betriebssystem. Was steckt dahinter?

Der Verzicht auf Apps und Dienste von Google wurde bei den neusten Spitzen-Smartphones des chinesischen Huawei-Konzerns von den USA erzwungen. Andere Hersteller wie Fairphone verzichten zumindest bei bestimmten Modellen ganz freiwillig auf die Google-Dienste im Android-Betriebssystem. Schlie├člich gibt es etliche Verbraucher, die mit ihren Smartphones nicht Teil des weltumspannenden Google-Universums sein wollen.

Bislang setzte der niederl├Ąndische Hersteller Fairphone, der sich an besonders umweltbewusste Kundschaft richtet, in seinen Mobiltelefonen ausschlie├člich das gew├Âhnliche Android-Betriebssystem inklusive aller Google-Dienste ein. Manche Fairphone-Kunden, die besonders viel Wert auf Datenschutz legen, f├╝hlten sich aber bei dem Gedanken nicht wohl, dass ihr Ger├Ąt viele Daten an Google schickt, darunter Nutzungsstatistiken und Standortdaten.

Zwar kann man den Gro├čteil dieser ├ťbertragungen in den Tiefen der Google-Einstellungen einschr├Ąnken, eine vollkommene Google-Abstinenz erreicht man dabei aber nicht.

Android-Alternative f├╝r Google-Skeptiker

F├╝r die Google-Skeptiker hat die Firma nun ein Modell ohne Google-Dienste im Programm, das Fairphone 3 mit dem Betriebssystem "/e/". Auf diesen sperrigen Namen f├╝r ihre Android-Variante ist die gemeinn├╝tzige Stiftung "e Foundation" ausgewichen, weil der urspr├╝ngliche Projektname "eelo" als Marke rechtlich gesch├╝tzt war und nicht mehr verwendet werden durfte.

"/e/" wurde aus dem Android-Ableger LineageOS heraus entwickelt. LineageOS wird auch f├╝r etliche Smartphones von Samsung, HTC und anderen Herstellers als Ersatz f├╝r das Android mit allen Google-Diensten angeboten. Bei Fairphone bekommt man das Paket einsatzbereit geliefert, ohne sich selbst um eine technisch etwas kniffelige Installation des Betriebssystems k├╝mmern zu m├╝ssen.

Fairphone preist "/e/" als Open-Source-Betriebssystem an, das eine Umgebung biete, um von vornherein die Privatsph├Ąre der Nutzer zu sch├╝tzen. Und tats├Ąchlich bleiben hier die Nutzerdaten auf dem Smartphone sowie in der Cloud standardm├Ą├čig privat. Es finden keine unerw├╝nschten Datenfl├╝sse statt. Nebenbei sparen die Anwender auch Batteriestrom und Bandbreite, weil das Smartphone nicht st├Ąndig Kontakt mit Servern diverser Werbedienstleister aufnimmt.

Praxistauglich mit kleineren Abstrichen

Doch wie kommt man ohne die Google-Dienste zurecht? Im Praxistest klappt das erstaunlich gut. Bei manchen Funktionen wie Bildverwaltung, Tastatur und Datei-Browser hat man es mit den Standard-Android-Komponenten zu tun, mit denen man ohnehin vertraut ist. Statt Google Maps wurde die Anwendung MagicEarth von General Magic vorinstalliert, die auf dem OpenStreetMap-Projekt aufsetzt.

Bei anderen wichtigen Apps gelang es der "e Foundation" ebenfalls, brauchbare Alternativen zum Google-Android zu finden. Der Browser basiert auf dem bew├Ąhrten Chromium-Projekt und verzichtet nur auf die Sync-Funktionen der Chrome-App aus dem herk├Âmmlichen Android. Au├čerdem sorgt ein integrierter Adblocker daf├╝r, dass Anzeigen nicht angezeigt und Werbetracker abgewiesen werden.

Abstriche bei Kamera

Kleinere Abstriche muss man bei der Kamera-App machen. Zwar kann man auch HDR-Aufnahmen und Panorama-Bilder machen. Die Software bietet aber keine KI-Unterst├╝tzung f├╝r spektakul├Ąre Nachtaufnahmen oder Portr├Ątfotos mit k├╝nstlich unscharf gestelltem Hintergrund, mit denen die Spitzen-Smartphones von Herstellern wie Samsung, Huawei und Apple ihre Anwender immer wieder beeindrucken.

Apps werden beim "/e/"-Fairphone-Modell auch nicht wie bei herk├Âmmlichen Android-Ger├Ąten aus dem Google Play Store installiert, sondern aus einem eigenen Store der "e Foundation", dem "e Store". Wem das Angebot des "e Stores" nicht ausreicht, kann auch zus├Ątzliche Stores wie F-Droid installieren, in dem Open-Source-Apps angeboten werden. Unterm Strich kommt man mit "/e/" erstaunlich gut zurecht. Fairphone verlangt f├╝r das Modell 3 mit "/e/" 479 Euro.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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