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Knowunity: Wie eine App für Schüler richtig durchstartet


Wie Jugendliche mit einer Schüler-App durchstarten


Aktualisiert am 26.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Firmenchef mit Anfang 20: Benedict Kurz ist einer der Gründer von Knowunity.Vergrößern des Bildes
Firmenchef mit Anfang 20: Benedict Kurz ist einer der Gründer von Knowunity. (Quelle: Knowunity)

Die Corona-Krise hat die Schule digitaler gemacht. Doch auch abseits des Klassenraums nutzen immer mehr Schüler-Apps, um besser zu lernen. Eine besonders erfolgreiche: Knowunity.

Eigentlich war schon alles klar: Tennisprofi wollte er werden, mitspielen ganz oben, bei großen Turnieren antreten. Mit gerade einmal 17 Jahren war Benedict Kurz aus Sindelfingen bereits zweimal deutscher Vizemeister im Tennis, fast jeden Tag stand er auf dem Platz, um zu trainieren.

All das ist heute drei Jahre her – und seitdem kam vieles anders als gedacht. Inzwischen schafft es Kurz noch ein bis zweimal pro Woche zum Tennis und wenn, dann auch nur zum Spaß. Grund dafür ist ein kleiner Knopf, den Millionen junge Menschen täglich auf ihrem Smartphone antippen, eine App mit dem Namen "Knowunity".

Hinter dem Kofferwort aus "to know" (Englisch für "wissen") und "community" ("Gemeinschaft") verbirgt sich eine Anwendung, mit der Schüler Lernzettel und Vorbereitungsmaterialien für Klassenarbeiten austauschen können. Gleichzeitig erlaubt ihnen die App auch, sich gegenseitig Nachhilfe in Mathe, Geschichte, Englisch und Co. zu geben, per Chat oder Videotelefonat.

Dadurch geht es auch ums Vernetzen: Knowunity mutet ein wenig an wie Instagram oder Twitter. Einzelnen Nutzern, die sich besonders auskennen in einem Fach, werden leicht zu Influencern, zu sogenannten "Knowern". Insgesamt fast zwei Millionen Menschen haben die App bereits auf ihre Telefone geladen, nutzen sie, um so ihr eigenes Wissen mit anderen Schülern zu teilen und in der Schule besser zu werden.

Startkapital von Verwandten

App statt Tennis? Spicken statt Sport? Fast erstaunt es, dass gerade auf eine solch naheliegende Idee vor Kurz und seinen Mitstreitern niemand gekommen ist. "Nachhilfe-Angebote im Netz gibt es schon seit Langem zuhauf", sagt auch Kurz. "Jedoch keine Anwendung, bei der sich Schüler untereinander vernetzen können. Das war unsere Marktlücke."

Und die nutzten er und seine drei Mitstreiter Julian Prigl, Yannik Prigl, Gregor Weber und Lucas Hild: Noch 2019 gründeten sie ihr Unternehmen in Sindelfingen bei Stuttgart, klaubten eigenes Geld zusammen sowie Zuschüsse von Eltern und Verwandten. "Am Anfang haben wir uns im Keller meines Großvaters getroffen, wir waren ja nur zu fünft", sagt Kurz.

Heute erinnert fast nichts mehr an diese Zeit. Statt in einem dunklen Keller in der beschaulichen Kleinstadt sitzt Kurz nun in einem lichten Büro in Berlin-Kreuzberg, fünfter Stock, oberste Etage, in Sichtweite der Touristenmagnet Checkpoint Charlie.

100.000 Nutzer nach nur zwei Monaten

Bis zu einem solchen Punkt schaffen es nur wenige Start-ups in Deutschland. Im Schnitt scheitern vier von fünf neuen Firmen in den ersten drei Jahren nach ihrer Gründung. Was diese Statistik angeht, ist Knowunity also schon mal über den Berg.

Kurz weiß das, ist stolz darauf, sagt aber auch: "Es gehört wie bei allen Gründungen eine große Portion Glück dazu." In seinem Fall zeigte sich das in Gestalt eines bekannten Influencers, der die App nur wenige Tage nach dem ersten Launch im September 2020 auf seinem TikTok-Kanal bewarb. "Wir hatten binnen weniger Tage Zehntausende Nutzer, nach zwei Monaten hatten 100.000 Leute die App runtergeladen", erzählt Kurz.

Dann ging alles ganz schnell: Durch die hohen Download-Zahlen hielt sich Knowunity mehrere Wochen in der Spitzengruppe der App-Charts, wurde von noch mehr Leuten runtergeladen und genutzt. Für Tennis war schon bald keine Zeit mehr, für ein Studium – jetzt, da Kurz und seine Kollegen ihr Abi bestanden hatten – auch nicht.

Noch schreibt Knowunity rote Zahlen

"Wir sind voll ins Unternehmertum eingestiegen, haben uns nur noch darum gekümmert", so der Gründer. Rasch musste frisches Geld her, erste Finanzierungsrunden standen an, sogenannte "Business Angels", Investoren, die an die Geschäftsidee glaubten, gaben ihnen Wagniskapital. Sogar Fußballstar Mario Götze schoss einen Betrag hinzu.

Inzwischen ist aus dem einstigen Fünf-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit 45 Mitarbeitern geworden. Bis Jahresende sollen es 110 sein. "Wir wachsen immer weiter", sagt Kurz. "Der Run auf die App ist ungebrochen – auch weil wir immer wieder neue Features testen und uns gut in die Zielgruppe hineinversetzen können. Schließlich waren wir ja selbst bis vor zwei Jahren noch Teil davon."

Einzig Geld lässt sich derzeit noch nicht mit der App verdienen. Das, was Betriebswirte den "Break-Even-Point" nennen, den Zeitpunkt, ab dem ein Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, hat Knowunity noch nicht erreicht. "Darum geht es uns in diesem Jahr aber auch noch gar nicht", so Kurz. "Unser Ziel ist es zunächst, unsere Reichweite zu vergrößern, in neuen Märkten zu starten."

Premium-Zugänge und Werbeeinnahmen als Einnahmequelle

Nachdem Knowunity bereits in Frankreich erfolgreich gelauncht ist, peilen Kurz und seine Kollegen in den kommenden Monaten Polen als neuen Markt an, mittelfristig will das Start-up auch in den USA durchstarten. "Bis Ende des Jahres wollen wir 5,5 Millionen Nutzer haben, Ende 2023 sollen es dann mehr als 20 Millionen sein", so Kurz.

Eine Verzehnfachung innerhalb so kurzer Zeit? "Auf der ganzen Welt gibt es rund eine Milliarde Schüler", sagt Kurz. "Und von den Universitäten, den Studenten, die ja ebenfalls gemeinsam lernen können, sprechen wir da noch gar nicht."

Wie viele es genau auch werden mögen, fest steht: Spätestens im zweistelligen Millionen-Nutzer-Bereich dürfte sich zeigen, inwieweit Knowunity auch in der Lage ist, Gewinn zu machen. Möglich sei etwa, in der App verstärkt Anzeigen zu platzieren, etwa von Firmen, die um Schulabgänger buhlen. Ebenso denkbar seien Premium-Zugänge für die Nutzer, die ihnen gegen Bezahlung weitere Funktionen in der App eröffneten.

Kurz sagt: "Wir haben noch sehr viel vor mit Knowunity." Dass er selbst dafür bis zu 100 Stunden Arbeit pro Woche in sein Unternehmen stecke, stört ihn nicht – auch wenn Tennis damit nur ein Hobby bleibe.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Knowunity-Co-Gründer Benedict Kurz
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