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Geblockt wegen Nacktheit? Twitter, das ist dumm!

Eine Kolumne von Nicole Diekmann

10.06.2022Lesedauer: 4 Min.
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Handy mit Sperrnachricht von Twitter: Bei dem sozialen Netzwerk ist es mit der sogenannten KĂŒnstlichen Intelligenz nicht weit her. (Quelle: Christoph Hardt via www.imago-images.de / Screenshot (Montage))
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Unsere Kolumnistin wurde von Twitter gesperrt. Und erlebte, wie stur, komplett unerreichbar und vor allem dumm das Netzwerk agiert.

Wie ironisch kann das Leben sein? Nach zwei Jahren Corona-Pause ist endlich wieder re:publica. Menschen, die einander nur von Twitter kennen, treffen sich in echt. Um dann darĂŒber zu twittern. Dieses Jahr ziert auch noch zum allerersten Mal ein deutscher Regierungschef die GĂ€steliste der re:publica. Noch mehr Stoff zum Twittern.

Ziemlich blöd, wenn man ausgerechnet an diesem Tag zum allerersten Mal bei Twitter gesperrt ist. So wie ich. Der Grund: Regelverstoß. Ich hatte das weltberĂŒhmte Bild vom "Napalm-MĂ€dchen" gepostet.

Die preisgekrönte Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt mehrere Kinder, die mit verstörten, verzerrten Gesichtern auf die Kamera des Fotografen zulaufen. Genau in der Mitte des Bildes lĂ€uft ein MĂ€dchen. Es ist nackt, es schreit, es hat seine Arme ausgebreitet. Beim genaueren Hinschauen sieht man Wunden an seinem linken Arm. SpĂ€ter im Krankenhaus werden die Ärzte Verbrennungen dritten Grades an einem Drittel des kleinen Körpers feststellen. Und doch ĂŒberlebt das Kind. 17 Operationen binnen zwei Jahren werden dafĂŒr notwendig sein.

Das Bild ist eine der Ikonen des Kriegsfotografie

Hinter dem geschundenen MÀdchen und den anderen schockierten und völlig verÀngstigten Kindern sieht man Soldaten. Und dicke Rauchschwaden. Das Bild mit dem Titel "The Terror of War" gehört zu den Ikonen der Kriegsfotografie.

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Das Foto vom "Napalm MĂ€dchen" aus dem Jahr 1972. Bei Twitter kannte man das ikonische Bild offenbar nicht. (Quelle: Nick Ut)

Entstanden ist es vor genau 50 Jahren, am 8. Juni 1972. Im Vietnamkrieg. An diesem Tag fliegen die SĂŒdvietnamesen Napalm-Angriffe auf das Dorf TrĂ ng BĂ ng. Dort lebt das neunjĂ€hrige MĂ€dchen namens Kim Phuc. Sie und ihre Cousins sind auf dem Bild zu sehen, wie sie rennen. Weg vor möglichen weiteren Angriffen, vor ihren Schmerzen und ihrer Angst.

Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politik-Berichterstatterin. Ganz anders, nĂ€mlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie ĂŒber 120.000 Fans hat. Dort filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet. Ihr Buch "Die Shitstorm-Republik" ist ĂŒberall erhĂ€ltlich, ihr neues Blog findet man hier.

Das Bild fĂ€hrt einem bis ins Mark. Das Leid der Zivilgesellschaft in Kriegen ist immer entsetzlich, und Kinder als Opfer zu sehen, ist noch mal etwas Furchtbareres. Kinder in ihrer Unschuld und ihrer Wehrlosigkeit. Die offensichtlichen Qualen der kleinen Kim Phuc, die in dem Moment des Auslösens nicht mal ansatzweise ermessen kann, was ihr gerade passiert ist, warum es passiert und wie haarscharf sie am Tod vorbeischrammt, quĂ€len auch den Beobachter. Wer auch nur ĂŒber einen Hauch von BeschĂŒtzerinstinkten verfĂŒgt – dieses Bild weckt sie.

Auch, weil das MĂ€dchen nackt ist. Das steigert seine Verletzlichkeit noch. Und ist der Grund, warum dieses Foto schon in der Vergangenheit zu Sperren in sozialen Netzwerken gefĂŒhrt hat. So wie nun bei mir.

Twitter sperrt den Accout – wegen KĂŒnstlicher Dummheit

Twitter informiert mich per Mail, dass mein Tweet gegen die Regeln verstoße, und fordert mich auf, ihn zu löschen. Nachdem ich das getan habe, bleibe ich trotzdem gesperrt. Zwölf Stunden lang. Sobald ich auf meinen Account gehe, kann ich dort die verbleibende Dauer meiner Sperre lesen. Transparenter wird es jedoch nicht mehr werden.

Die viel gepriesene KĂŒnstliche Intelligenz, die auch fĂŒr das Scannen von Social-Media-Inhalten genutzt wird, sieht nur Nacktheit. Und schlĂ€gt Alarm. Dass sie es mit einem Dokument der Zeitgeschichte zu tun hat, das 1972 unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, weiß sie nicht. Und ganz offensichtlich wusste ein Mensch bei Twitter, der dann meine Sperrung veranlasste, das auch nicht.

Das kann passieren. KĂŒnstliche Intelligenz ist eben auch oft genug KĂŒnstliche Strunz-Dummheit. Sie wird von Menschen programmiert.

Ich habe den Tag auch so gut herumgekriegt und bin inzwischen wieder entsperrt. Und trotzdem ist dieser Fall keine Lappalie. Denn Twitter hat sich mit seinem völlig intransparenten Verhalten mal eben so ĂŒber geltendes Recht hinweggesetzt. Das passiert öfter, erfuhr ich wĂ€hrend meiner Sperre, als mich sehr freundliche Juristen anschrieben und mir ihre Hilfe anboten.

Twitter agierte rechtswidrig – scheint sich daran aber nicht zu stören

Plattformen dĂŒrfen Nutzer ohne vorherige Anhörung allerdings gar nicht sperren. Das hat der Bundesgerichtshof so entschieden. Twitter aber ist das erschreckend oft völlig egal. Auch in meinem Fall. Man versucht auch gar nicht, diesen Eindruck zu verwaschen. Auf die Versuche nicht weniger Leute, mich aus dieser misslichen Lage wieder zu befreien, reagierte das Unternehmen in der ĂŒberwiegenden Zahl der FĂ€lle nicht mal.

Dasselbe Unternehmen, das Drohungen und Beleidigungen nicht löscht, die nach Auffassung von deutschen Gerichten rechtswidrig sind. Dasselbe Unternehmen, auf dem tÀglich gehetzt, beleidigt, gedroht wird. Das ewig brauchte, um Donald Trump zu sperren. Das als ein zentraler Hort von Desinformation gilt, sei es nun im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie oder dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das unter Strafermittlern verschrien ist als vollkommen unkooperativ.

Meine kleine, fĂŒr mich selbst ja nicht so tragische Geschichte birgt ĂŒbrigens in noch einem weiteren Punkt Ironie: Beinahe wĂ€re das Foto vom "Napalm Girl" damals nicht erschienen. Der an diesem Tag verantwortliche Redakteur bei der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), fĂŒr die der Fotograf Nick Út arbeitete, wollte es nicht veröffentlichen. Es habe gegen die Regeln verstoßen: Es zeige einen nackten Menschen von vorne.

Doch in der Redaktion entbrannte eine Debatte. Das Bild polarisierte dermaßen, dass der BĂŒroleiter aus seiner Mittagspause herbeitelefoniert werden musste. Er entschied, es trotz des Bruchs mit den Vorgaben an die Presse zu schicken. Am darauffolgenden Tag erschien es auf der Titelseite der "New York Times". Und markierte einen Wendepunkt: Ab da kippte die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung, ab da kippte ihre Zustimmung fĂŒr den Krieg. Der Anblick der lebensgefĂ€hrlich verletzten, vor Schmerz schreienden Kim Phuc war zu schwer ertrĂ€glich.

Eine kluge Entscheidung des AP-Verantwortlichen, das Foto freizugeben. Trotz des Regelverstoßes. Menschliche Intelligenz.

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