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Zuckerberg persönlich vom Datenskandal betroffen

Von t-online, str

Aktualisiert am 12.04.2018Lesedauer: 4 Min.
Facebook CEO Mark Zuckerberg sagt vor dem Energieausschuss des US-Abgeordnetenhauses aus
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Vor den Abgeordneten wurde Zuckerberg deutlich hÀrter in die Mangel genommen als von den Senatoren am Vortag. (Quelle: Leah Millis/Reuters-bilder)
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Der Facebook-Boss stellt sich ein zweites Mal den Fragen US-amerikanischer Politiker. Die Strategie der Abgeordneten bringt Zuckerberg in echte BedrÀngnis.

Mark Zuckerberg gehört persönlich zu den Betroffenen des Datenskandals um Cambridge Analytica und die App "This is Your Digital Life". Das gab der Facebook-GrĂŒnder am Mittwochnachmittag deutscher Zeit in seiner Zeugenaussage vor dem Energieausschuss des amerikanischen Abgeordnetenhauses bekannt.

Danach gefragt hatte die demokratische Abgeordnete Anna Eshoo aus Kalifornien. Eshoo wollte von Zuckerberg unter anderem wissen, ob es weitere FĂ€lle von Datenmissbrauch durch eine Drittanbieter-App gegeben habe, wann Facebook von dem Datenmissbrauch erfahren und was Facebook dagegen unternommen habe.

Als Zuckerberg auf ihre Frage, ob er selbst betroffen sei, ĂŒberraschend mit einem knappen "Ja" antwortete, ließ es Eshoo dabei bewenden, möglicherweise aus Zeitdruck. Jeder Fragesteller bekam nur vier Minuten.

Zuckerberg wirkt mĂŒde

FĂŒr Zuckerberg war es der dritte Tag auf dem Capitol Hill. Am Dienstag saßen ihm 44 Senatoren gegenĂŒber. FĂŒnf Stunden dauerte die Befragung. Der Erkenntnisgewinn war gering. Zuckerberg konnte vielen Fragen ausweichen, was auch den offensichtlichen WissenslĂŒcken der altgedienten Politiker geschuldet war. So musste der GrĂŒnder die Senatoren mehrfach belehren, dass Facebook sein Geld mit Werbung macht und keine Daten verkauft.

Bei der Anhörung vor dem Energieausschuss des Abgeordnetenhauses sah er mĂŒde aus und ein bisschen genervt. Er wiederholte sich oft, nutzte exakt die gleichen Formulierungen, die ihn auch durch die erste Anhörung gebracht hatten. Der Unterschied: Die Kongressabgeordneten ließen ihm die PlattitĂŒden nicht mehr durchgehen. Anders als die Senatoren am Vortag spielten sie sich gegenseitig die BĂ€lle zu und hakten nach, wenn der Vorredner dem Facebook-Chef keine klare Aussage entlocken konnte.

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Mark Zuckerberg und US-Senator Bill Cassidy: Zweite Anhörung von "Mr. Facebook"
Mark Zuckerberg und US-Senator Bill Cassidy: Zweite Anhörung von "Mr. Facebook" (Quelle: Alex Brandon/ap-bilder)

So behauptete Zuckerberg zwar zum wiederholten Mal, dass die Vorgaben der europĂ€ischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) weltweit umgesetzt werden sollen. Er sprach jedoch immer nur von den gerade erst ĂŒberarbeiteten PrivatsphĂ€reeinstellungen, die dem Nutzer mehr "Kontrolle" geben. Aber bedeuten einheitliche Settings auch den gleichen Schutz und die gleichen Rechte fĂŒr US-BĂŒrger, wollten die Abgeordneten jetzt wissen. Die Antwort blieb ihnen Zuckerberg schuldig.

SpĂ€ter lobte Zuckerberg die europĂ€ische Verordnung als "einen sehr positiven Schritt fĂŒr das Internet". Mögliche Nachteile konnte der Facebook-Chef auf Nachfrage nicht sofort nennen. Ein profitables Unternehmen und strenger Datenschutz seien kein Widerspruch, sagte er.

Facebook kĂŒndigt weiteres PrivatsphĂ€re-Tool an

Man hat gemerkt: Die Abgeordneten waren deutlich besser vorbereitet als ihre Kollegen im Senat. Dennoch versuchte beispielsweise Gene Green aus Texas vergeblich, dem Facebook-Chef eine Selbstverpflichtung zu einem Datenschutzstandard nach europÀischem Vorbild zu entlocken.

Zuckerberg versprach immerhin ein Tool, das den Nutzer Schritt fĂŒr Schritt durch die Nutzungsbedingungen leiten soll. So soll sichergestellt werden, dass jeder versteht, welche Zugriffsrechte Drittanbieter erhalten. Denn dass Nutzer oft keine Ahnung haben, worauf sie sich einlassen, war ein viel genannter Kritikpunkt.

Zuckerberg sieht die Verantwortung aber auch bei den Nutzern: "Viele akzeptieren die Bedingungen einfach, ohne sie vorher zu lesen", sagte er dem Abgeordneten Michael Burgess aus Texas.

GebetsmĂŒhlenartig wies Zuckerberg darauf hin, die Nutzer hĂ€tten die "volle Kontrolle" ĂŒber ihre Daten. So kann man Facebook in den Einstellungen verbieten, interessensbasierte Werbung auszuspielen. Die meisten Nutzer wĂŒrden diese Möglichkeit aber gar nicht nutzen, sagte Zuckerberg. Er sieht darin einen Beweis, dass die Leute gar nichts dagegen hĂ€tten, "relevante Werbung" angezeigt zu bekommen.

Starker Auftritt aus Colorado

Einen starken Auftritt legte die demokratische Politikerin Diana DeGette aus Colorado hin. In einem absolut sehenswerten Frage-Antwort-Spiel stellte sie dar, dass der Datenskandal dem Zuckerberg-Imperium rein gar nichts anhaben konnte: Von einer Abwanderung der Nutzer kann keine Rede sein. Auch die Interaktionsraten sind gleichbleibend hoch. Die Unternehmensgewinne sind sogar noch höher als DeGette annahm, teilte ihr Zuckerberg mit.

Und trotz mehrerer Sammelklagen und einer Abmahnung durch die Verbraucherschutzbehörde FTC musste Facebook in den USA noch nicht einen Cent Strafe zahlen. Deshalb konnte sich Zuckerberg auch an keines der von DeGette aufgezĂ€hlten Verfahren erinnern und musste sich als ahnungsloser CEO vorfĂŒhren lassen. "Wir brauchen robuste Strafen", schloss DeGette ihr Verhör ab.

Auch andere Abgeordnete ĂŒbten Selbstkritik und beklagten VersĂ€umnisse des Parlaments. "Unsere Gesetze funktionieren nicht", sagte zum Beispiel Frank Pallone, Demokrat aus New Jersey. Jan Schakowsky aus Illinois las eine lange Liste mit Facebooks Entschuldigungen vor und sagte: "FĂŒr mich ist das der Beweis, dass Selbstregulierung nicht funktioniert."

Was bedeutet es, dass der Facebook-Chef persönlich betroffen ist?

Zuckerbergs Bekenntnis bedeutet, dass sich die Profilinformationen des Facebook-GrĂŒnders höchstpersönlich in dem Datensatz befunden haben könnten, den die Datenanalysefirma Cambridge Analytica unrechtmĂ€ĂŸig von dem Wissenschaftler Aleksandr Kogan erworben hat. Es bedeutet außerdem, dass jemand aus seinem Freundesnetzwerk die App "This Is Your Digital Life" heruntergeladen hat.

Die als Persönlichkeitstest getarnte App griff nicht nur auf die Profildaten der Nutzer zu, sondern auch von deren Freunde. Kogan gab vor, die Daten zu wissenschaftlichen Zwecken zu verwenden. SpĂ€ter verkaufte er sie jedoch an Cambridge Analytica weiter, die sie fĂŒr die Entwicklung von Analysesoftware fĂŒr Werbung und Wahlkampagnen benutzt haben soll.

Facebook geht davon aus, dass weltweit bis zu 87 Millionen Nutzer von dem Datenskandal betroffen sein könnten, etwa 300.000 davon leben in Deutschland.

Mit weiteren Datenskandalen ist zu rechnen.

Inzwischen geht Facebook aber auch davon aus, dass die Daten noch an weitere Firmen verkauft wurden. Vor dem Kongress nannte Zuckerberg bisher nur einen Namen: Eunoia. Es soll noch "eine Handvoll" weiterer Firmen geben. Ob alle Kopien des Datensatzes mittlerweile gelöscht worden seien, mĂŒsse noch geprĂŒft werden.

Zwischen 2007 und 2015 war es App-Entwicklern möglich, massenhaft Nutzerdaten abzugreifen. Facebook geht davon aus, dass die Daten vielfach kommerziell verwertet wurden, obwohl das verboten war. Auch die Verbraucherschutzbehörde FTC hatte den Umgang mit Apps von Drittanbietern aus DatenschutzgrĂŒnden bemĂ€ngelt. Facebook musste versprechen, die Regeln zu verschĂ€rfen. Offenbar wurde die Einhaltung aber nur unzureichend kontrolliert. Die FTC ermittelt deshalb erneut wegen möglicher VerstĂ¶ĂŸe gegen den 2011 vereinbarten "consent decree".

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Facebook hat eine Belohnung ausgelobt auf Hinweise, wo abgegriffene Daten noch ohne Erlaubnis zu Geld gemacht wurden.

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