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Ehegattenerbrecht: So sieht die gesetzliche Erbfolge bei Ehepartnern aus


Verlust des Partners  

Wie die gesetzliche Erbfolge bei Eheleuten aussieht

21.03.2021, 20:35 Uhr
Ehegattenerbrecht: So sieht die gesetzliche Erbfolge bei Ehepartnern aus. Älteres Ehepaar (Symbolbild): Für Ehegatten gelten bei der Erbfolge spezielle Regeln. (Quelle: imago images/Westend61)

Älteres Ehepaar (Symbolbild): Für Ehegatten gelten bei der Erbfolge spezielle Regeln. (Quelle: Westend61/imago images)

Wenn der Ehepartner kein Testament verfasst hat und stirbt, ist die Erbfolge klar geregelt. Wie viel Sie bekommen und was Sie darüber hinaus wissen sollten.

Stirbt der Ehepartner, mit dem man schon jahrelang verheiratet war, kann das ein schwerer Schicksalsschlag sein. In der Zeit der Trauer kommt bald auch die Frage auf, wer eigentlich das Vermögen erbt – und die Sorge, was mit den gemeinsamen Gegenständen und Immobilien passiert.

t-online gibt Ihnen deshalb Antworten auf die wichtigsten Fragen: Wie viel erbt der Ehepartner genau? Wie sieht es bei Lebenspartnern aus? Und was gilt bei einer Scheidung?

Wie viel erbt der Ehepartner?

Der Ehepartner bekommt neben Verwandten der ersten Ordnung ein Viertel und neben Verwandten der zweiten Ordnung die Hälfte des Erbes. Weiterhin gilt, dass der Ehepartner das ganze Erbe erhält, wenn keine Großeltern oder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung (mehr) leben.

Außerdem ist der sogenannte Güterstand entscheidend: Ohne einen Ehevertrag leben Ehepartner und eingetragene Lebenspartner in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. In diesem Fall erhält der Ehepartner zusätzlich noch ein Viertel des Erbes – der Rest geht an die lebenden Verwandten. Das nennt man auch Zugewinnausgleich. Mit Ehevertrag sieht es anders aus.

  • Beispiel: Isabell und Thomas sind ohne Ehevertrag verheiratet und haben keine Kinder. Wenn Isabell nun stirbt, erbt Thomas drei Viertel des Vermögens von Isabell. Das restliche Viertel geht an die lebenden Verwandten von Isabell, etwa ihre Geschwister. Die drei Viertel, die Thomas erbt, setzen sich wie folgt zusammen: Die Hälfte des Erbes bekommt er, weil das Ehepaar keine Kinder hatte. Das zusätzliche Viertel, weil Isabell und Thomas keinen Ehevertrag hatten und in einer Zugewinngemeinschaft lebten.

Gut zu wissen: Wenn Isabell und Thomas noch zwei Kinder gehabt hätten, würde Thomas insgesamt nur die Hälfte erben. Die beiden Kinder würden jeweils ein Viertel bekommen.

Wie erbt der Ehepartner bei einem Ehevertrag?

Schließen Sie allerdings einen Ehevertrag, regeln Sie dort, ob Sie in einer sogenannten Gütertrennung oder Gütergemeinschaft leben – hiervon hängt ab, wie viel Sie erben.

Gütergemeinschaft: Bei einer Gütergemeinschaft zählt das Vermögen der Ehepartner als Gemeinschaftsbesitz. Das heißt also: Bereits vor dem Erbfall gehört dem hinterbliebenen Ehepartner bereits die Hälfte. In diesem Fall erben Sie – neben Erben der ersten Ordnung – zusätzlich ein Viertel der gesamten Erbmasse. Neben Erben zweiter Ordnung erhalten Sie die Hälfte. Sollte es keine weiteren Erben geben, erhalten Sie das gesamte Vermögen des Erblassers.

Gütertrennung: Bei einer Gütertrennung zählt hingegen nur das Vermögen zur Erbmasse, das der Verstorbene rechtlich besitzte – und nur diesen Teil kann der Ehepartner auch erben. Einen Zugewinnausgleich (siehe oben) gibt es hier nicht.

Wichtig: Bei der Gütertrennung gilt es einen Sonderfall zu beachten. Bei bis zu zwei Kindern erbt sowohl der Ehepartner als auch jedes Kind den gleichen Anteil des Vermögens. Das ändert sich ab drei Kindern: Hier erhält der Ehepartner ein Viertel.

An wen geht der Hausrat des Verstorbenen?

Neben dem gesetzlichen Erbteil – also ohne Testament – hat der hinterbliebene Ehepartner Anspruch auf den Hausrat – zumindest einen Teil davon. Das nennt man auch Voraus

Wie viel des Hausrats man erbt, hängt davon ab, ob noch jemand miterbt oder nicht. Bei Kindern oder Enkeln haben Sie nur Anspruch auf den Teil des Hausrats, die nötig sind, um einen angemessenes Leben zu führen.

Das heißt in der Praxis: Sie bekommen nur Möbel, den gemeinsamen Computer oder die Bettwäsche. Teure Wanddekorationen oder Gemälde fallen unter das Vermögen – und werden unter allen Erben aufgeteilt. Wenn Sie keine Kinder haben, erhalten Sie den gesamten Hausrat.

Können nichteheliche Partner auch erben?

Nein – zumindest nicht ohne Testament. In der gesetzlichen Erbfolge werden nur Ehepartner und eingetragene Partnerschaften berücksichtigt.

Wenn Sie möchten, dass Ihr Partner dennoch erbt, sollten Sie ein Testament verfassen. Wie das geht, lesen Sie hier.

Wie viel erbt man, wenn die Ehe geschieden wurde?

Wenn Ihre Ehe geschieden wurde, haben Sie keinen Anspruch auf ein Erbe. Es gibt auch keinen Pflichtteil, Sie gehen also leer aus. Das gilt auch bereits, wenn die Ehe noch nicht geschieden wurde, der Ehepartner der Scheidung aber zugestimmt hat.

Gut zu wissen: Hat Ihr Ehepartner Ihnen Unterhalt gezahlt, haben Sie auch weiterhin Anspruch auf einen Teil der Zahlungen aus dem Erbe. Die Unterhaltszahlungen sind aber nur maximal so hoch wie Ihr Pflichtteil aus dem Erbe, falls Sie nicht geschieden worden wäre.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • erbrecht-ratgeber.de
  • Finanztip
  • sparkasse.de
  • familienrechtsinfo.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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