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Knock-out-Zertifikate: So funktioniert die Profi-Anlage mit Hebel

Geldanlage für Profis  

Knock-out-Zertifikate – nur etwas für Zocker?

09.10.2020, 12:59 Uhr
Knock-out-Zertifikate: So funktioniert die Profi-Anlage mit Hebel. Ein Mann reibt sich gestresst die Augen (Symbolbild): Wer in Knock-out-Zertifikate investiert, braucht gute Nerven. (Quelle: Getty Images/ filadendron)

Ein Mann reibt sich gestresst die Augen (Symbolbild): Wer in Knock-out-Zertifikate investiert, braucht gute Nerven. (Quelle: filadendron/Getty Images)

An der Börse können Sie Ihr Geld langfristig anlegen und auf Dauer gute Renditen erzielen – oder Sie setzen mit Knock-out-Zertifikaten auf kurzfristige Gewinne. Doch das müssen Sie sich leisten können.

Es gibt Produkte an der Börse, mit denen können Sie in kurzer Zeit aus wenig Kapital ein kleines Vermögen machen. Ein Knock-out-Zertifikat ist so ein Produkt. Aber die Sache hat einen Haken: Das hohe Renditepotenzial gibt es nur im Austausch gegen hohes Risiko.

Knock-outs sind extrem spekulativ. Bevor Sie damit handeln, sollten Sie daher wissen, worauf genau Sie sich einlassen. Unser Überblick erklärt Ihnen Funktionsweise, Vor- und Nachteile – und für wen sich diese speziellen Zertifikate eignen.

Was sind Knock-out-Zertifikate?

Knock-out-Zertifikate sind eine besondere Form von Derivaten. Das sind Finanzprodukte, mit denen Sie nicht direkt in bestimmte Wertpapiere investieren, sondern in ein Produkt, das sich bloß an diesen Wertpapieren orientiert. Diese zugrunde liegenden Wertpapiere nennt man auch Basiswerte.

Sie können mit Derivaten und Zertifikaten aber nicht nur auf die Entwicklung von Aktien und Anleihen spekulieren, sondern auch auf jene von Währungen, Rohstoffen oder Indizes wie zum Beispiel dem Dax.

Kurz gesagt, wetten Sie auf einen Kursverlauf. Denn Sie besitzen keine Anteile an den Basiswerten, sondern schließen mit dem Herausgeber des Zertifikats nur eine Abmachung über eine Zahlung. Die kann aber ausbleiben, wenn der Herausgeber pleite geht. Dieses sogenannte Emittentenrisiko gibt es bei einer Investition in Fonds zum Beispiel nicht – dort ist Ihr Geld als Sondervermögen geschützt.

Das Besondere an Knock-out-Zertifikaten ist, dass sie die Kursentwicklung der Basiswerte nicht nur einfach, sondern um ein Vielfaches abbilden. Gewinnen Sie Ihre Wette, profitieren Sie also mehrfach vom Kursverlauf, liegen Sie mit Ihrer Spekulation allerdings daneben, vervielfacht sich auch Ihr Verlust.

Außerdem können Sie Ihr eingesetztes Geld komplett verlieren, wenn der Kurs des Basiswerts die sogenannte Knock-out-Schwelle über- oder unterschreitet (mehr dazu weiter unten). Dann kommt es in der Regel zum namensgebenden Knock-out – das Zertifikat verfällt wertlos.

Wie funktionieren Knock-outs?

Knock-outs sind besondere Zertifikate, weil sie eine Hebelwirkung haben. Deswegen nennt man sie auch Hebelprodukte oder Hebelzertifikate. Mit ihnen vervielfältigt sich Ihr Gewinn – oder Verlust. Wie stark, hängt vom sogenannten Hebelfaktor ab. Mit Knock-out-Zertifikaten können Sie sowohl auf steigende Kurse setzen (Long-Knock-outs oder Knock-out-Calls) als auch auf fallende (Short-Knock-outs oder Knock-out-Puts).

Die Höhe des Hebels ergibt sich aus dem aktuellen Stand des Basiswerts und einem festgelegten Basispreis, auch Strike genannt. Der Strike ist häufig auch die Knock-out-Schwelle. Es gilt: Je näher der Kurs oder Preis des Basiswerts dem Strike kommt, desto höher ist der Hebel.

Das muss so sein, denn nur so erscheint das Produkt für den Anleger attraktiv – oder anders gesagt: das Risiko wert. Denn je näher die Knock-out-Schwelle rückt, desto wahrscheinlicher wird ebenjener Knock-out – und Ihr Zertifikat ist nichts mehr wert. Sie hätten dann einen Totalverlust erlitten.

Am Beispiel von Knock-out-Zertifikaten auf den deutschen Aktienindex Dax zeigen wir Ihnen, wie das konkret aussehen könnte:

  • Nehmen wir an, der Dax steht bei 12.500 Punkten und Sie gehen davon aus, dass er bald die 13.000-Punkte-Marke knackt. Dann könnten Sie einen Knock-out-Call kaufen, um von diesem erwarteten steigenden Kurs vielfach zu profitieren. Sie gehen weiter davon aus, dass der Index keinesfalls tiefer als 12.400 Punkte fällt. Deshalb kaufen Sie einen Knock-out-Call mit Strike und identischer Knock-out-Schwelle bei 12.350 Punkten.
  • Das Bezugsverhältnis beträgt in unserem Beispiel 100:1 beziehungsweise 0,01. Es gibt an, wie viele Knock-outs der Anleger benötigt, um eine Einheit des Basiswertes kaufen oder verkaufen zu können. Ein Bezugsverhältnis von 0,01 besagt also, dass Sie 100 Zertifikate brauchen, um einmal den Dax abzubilden.

Der Preis des Knock-out-Calls berechnet sich nach dieser Formel:

(Kurs des Basiswerts - Strike) x Bezugsverhältnis

Für unser Beispiel bedeutet das:

(12.500 - 12.350) x 0,01 = 1,50 (Euro)

Der Hebel des Knock-out-Calls wird mit dieser Formel bestimmt:

Kurs des Basiswerts x Bezugsverhältnis / Preis des Knock-outs

In unserem Beispiel also:

12.500 x 0,01 / 1,50 = 83,3

  • Das bedeutet, der Knock-out-Call würde die Kursentwicklung des Dax um das gut 83-fache vervielfältigen – sowohl einen Gewinn wie auch einen Verlust. Fällt der Dax entgegen Ihrer Erwartung um zwei Prozent (in unserem Beispiel 250 Punkte), stünde er bei 12.250 Punkten und unterschreitet damit die Knock-out-Schwelle. All Ihr eingesetztes Geld wäre verloren.

Was sind Vor- und Nachteile?

Wer auf Knock-out-Zertifikate setzt, empfindet die Möglichkeit, mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz riesige Renditen zu erzielen, vermutlich als Vorteil. Genauso gut kann diese Hebelwirkung aber auch zum Nachteil werden, wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht so entwickelt, wie Sie als Anleger sich das vorstellen.

Immerhin: Im Vergleich zu anderen Finanzprodukten aus der Gruppe der Derivate können Sie im schlechtesten Fall nicht mehr verlieren, als ihr eingesetztes Kapital. Bei sogenannten CFDs oder Futures gilt eventuell eine Nachschusspflicht – dass Sie also zusätzlich Geld einzahlen müssen. Im Unterschied zu Optionsscheinen haben Schwankungen des Basiswertkurses (Volatilität) zudem keinen Einfluss auf den Preis des Knock-outs. Mehr zu den verschiedenen Arten von Derivaten lesen Sie hier.

Darüber hinaus ist die Wertentwicklung von Knock-out-Zertifikaten transparent, weil sie die Bewegung des Basiswerts proportional abbilden. Und Sie können damit auf viele Basiswerte spekulieren, in die Sie sonst nicht direkt oder nur schwer investieren können.

Demgegenüber steht das hohe Risiko, das Sie durch die Hebelwirkung große Verluste erleiden – bis hin zum Totalausfall. Ein zusätzlicher Nachteil ist das Emittentenrisiko, also die Gefahr, dass Sie Ihr Geld nicht nur verlieren, wenn Sie sich verspekulieren, sondern auch, wenn der Herausgeber des Zertifikats zahlungsunfähig wird.

Für wen eignen sich Knock-out-Zertifikate?

Aus Sicht der Branche sind Hebelprodukte wie Knock-out-Zertifikate Nischenprodukte für Anleger, die sich auskennen und das Risiko bewusst in Kauf nehmen. Gehören Sie zu diesen Profis und können einen Totalverlust verkraften, können Sie es durchaus einmal mit Knock-out-Zertifikaten versuchen – allerdings immer in der Gewissheit, dass Sie Ihr Geld nicht vernünftig anlegen, sondern zocken.

Für alle anderen gilt: Lassen Sie lieber die Finger davon. Es gibt andere Produkte, mit denen Sie zwar nicht so exorbitant hohe Renditen in kurzer Zeit erzielen können, aber dafür müssen Sie auch nicht ständig einen Totalverlust fürchten. Für einen langfristigen Vermögensaufbau eignen sich vor allem sogenannte Indexfonds oder kurz: ETFs ("Exchange Traded Funds").

Das sind spezielle Aktienfonds, bei denen ein Computeralgorithmus einen Index wie zum Beispiel den Dax abbildet. Sie entwickeln sich also immer fast genauso wie der zugrunde liegende Index. ETFs haben den Vorteil, dass sie vergleichsweise günstig sind und Ihr Risiko breit gestreut ist.

Halten Sie einen ETF etwa mindestens 15 Jahre lang, reduziert sich Ihr Risiko weiter. Weit weniger Nervenkitzel also als bei Knock-out-Zertifikaten.

Verwendete Quellen:

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