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Anleihen-ETF: Definition, Vorteile und Risiken

Geldanlage  

Warum sollte ich in einen Anleihen-ETF investieren?

09.09.2020, 10:26 Uhr
Anleihen-ETF: Definition, Vorteile und Risiken. Frau mit Laptop (Symbolbild): Ein Anleihen-ETF ist deutlich günstiger als ein Rentenfonds. (Quelle: imago images/Westend61)

Frau mit Laptop (Symbolbild): Ein Anleihen-ETF ist deutlich günstiger als ein Rentenfonds. (Quelle: Westend61/imago images)

Anleihen gelten als sichere Anlageform. Was viele nicht wissen: In Anleihen lässt sich auch mit ETFs investieren. Sie bieten einige Vorteile gegenüber dem Kauf einzelner Anleihen.

Viele Anleger denken bei ETFs an ein breites Investment in Aktien, an einen speziellen Fonds, der günstig und automatisiert einen Aktienindex nachbildet. So investieren Sie mit einem Dax-ETF etwa in alle Unternehmen des wichtigsten deutschen Aktienindex.

Was viele nicht wissen: ETFs können auch andere Indizes nachbilden. Eine gängige Variante sind Anleihen-ETFs. Hier investieren Sie – analog zum Aktienindex – in alle Wertpapiere eines Anleihen-Index, der Anleihen von Staaten oder Unternehmen bündelt.

Doch wie funktioniert ein Anleihen-ETF genau? Sollte ich in sie investieren? Und worauf sollte ich beim Kauf eines Anleihen-ETFs achten? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen zur Geldanlage mit Anleihen-ETFs.

Wie funktioniert ein Anleihen-ETF?

Ein Anleihen-ETF funktioniert im Grunde wie ein Aktien-ETF. Einziger Unterschied: Der Index, den der ETF nachbildet, ist ein Anleihen-Index.

Jedoch der Reihe nach: Ebenso wie Aktien werden auch Anleihen in der Regel an der Börse gehandelt.

Dort sind wie Aktien auch in Indizes gelistet. So gibt es etwa einen Index, der die größten US-Unternehmensanleihen zusammenfasst. Es gibt aber auch einen Index, der nur europäische Staatsanleihen umfasst.

Bei einem Anleihen-ETF bildet ein Computeralgorithmus einen solchen Index nach. Wenn Sie Ihr Geld in diesen ETF anlegen, investieren Sie also in alle Anleihen eines Index. So leihen Sie im Grunde allen Unternehmen oder Staaten Geld, in deren Anleihen Sie investieren.

Renten-ETF
Renten-ETF ist ein anderes Wort für ein Anleihen-ETF. Das Wort "Rente" ist dabei lediglich ein anderer Begriff für Anleihe, hat also nichts mit Ihrer Altersvorsorge zu tun. Rente meint in diesem Zusammenhang eine regelmäßige Zahlung – hier eine Zinszahlung für das Leihen des Geldes.

Welche Vorteile bietet ein Anleihen-ETF?

Anleihen-ETFs haben eine Reihe von Vorteilen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Risiko: Da ein Anleihen-ETF in alle Anleihen eines Index investiert, ist er breit gestreut. So wird das Risiko gesenkt, Verluste zu machen, wenn der Kurs eines Wertpapiers abstürzt. Bei Anleihen-ETFs gelten dabei die gleichen Risiko-Voraussetzungen wie bei einzelnen Anleihen (siehe Infobox unten).
  • Kosten: Da Sie wie bei allen ETFs keinen Fondsmanager bezahlen müssen, der den Fonds steuert, sind Anleihen-ETFs deutlich günstiger als etwa aktiv gemanagte Rentenfonds (siehe unten).
  • Handliche Stückelung: Wenn Sie einzelne Anleihen kaufen möchten, müssen Sie meist 1.000 Euro oder mehr investieren. Der Grund: Anleihen werden nur in einer bestimmten Stückelung, dem Nennwert, ausgegeben. In einen Anleihen-ETF hingegen können Sie bereits mit kleinen Summen – bisweilen ab 50 Euro – investieren.

Risiko von Anleihen
Anleihen gelten in der Regel als sichere Anlageform, weil ihre Kurse weniger stark schwanken als etwa Aktienkurse. Zudem erwirtschaften sie einen festen Zins. Zurzeit werfen sie aber aufgrund des niedrigen Zinsniveaus kaum Erträge ab.
Außerdem gilt bei Anleihen: Das Risiko hängt maßgeblich von der Bonität, also der Zahlungsfähigkeit, eines Landes oder Unternehmens ab. Diese wird von unabhängigen Ratingagenturen bestimmt. Mit einer geringeren Bonität steigt auch der Zins, den Sie für eine Anleihe gezahlt bekommen. Gleichzeitig wächst aber auch das Risiko, Ihr Geld zu verlieren.

Warum steigt der Kurs eines Anleihen-ETFs bei fallenden Zinsen?

Ebenso wie für Anleihen gilt auch bei Anleihen-ETFs eine besondere Preislogik. Denn die Anleihen-Nachfrage von Investoren – und damit der Anleihekurs – wird vom sogenannten Marktzinsniveau beeinflusst. Gemeint ist damit die Höhe der Zinsen, die die Banken bieten. Das Niveau des Marktzinses richtet sich nach dem Leitzins der Zentralbank. In der EU ist das die Europäische Zentralbank (EZB).

Bei steigenden Zinsen am Markt gehen die Zinsen neu ausgegebener Anleihen nach oben. Anleger möchten ihr Geld dann lieber in neue Anleihen mit dem höheren Zins investieren – und nicht in ältere, die zu einem früheren Zeitpunkt und mit einem geringeren Zins ausgegeben wurden. Die Folge: Der Kurs älterer Anleihen fällt – und so auch der des Anleihen-ETFs.

Umgekehrt gilt nach derselben Logik: Geht der Marktzins zurück, steigt der Börsenkurs der älteren Anleihen. Damit steigt auch der Kurs des Anleihen-ETFs.

Anleihen-ETF oder Rentenfonds? Was ist besser?

Um sich zwischen einem Anleihen-ETF oder einem Rentenfonds zu entscheiden, sollten Sie den genauen Unterschied kennen. Ein Rentenfonds ist ein Investmentfonds, der aktiv in Anleihen investiert. Hier ist also ein Fondsmanager tätig, der die Anleihen gezielt auswählt, in die er das Geld anlegt.

Ein Anleihen-ETF agiert dagegen passiv – hier bildet ein Computeralgorithmus einen Anleihen-Index nach. Deshalb ist ein Anleihen-ETF meist deutlich günstiger. Die Kosten für einen Fondsmanager entfallen.

Was die Wertentwicklung – und damit die Erträge – angeht, gilt: Ein Anleihen-ETF ist nur so gut wie der Anleihen-Index. Aber ein Fondsmanager schafft in den meisten Fällen nicht, die Entwicklung eines Index-Kurses zu schlagen.

Ob ein Anleihen-ETF oder ein Rentenfonds besser ist, lässt sich deshalb nicht pauschal sagen. Die Entscheidung hängt maßgeblich davon ab, mit welcher Art des Investieren Sie sich wohler fühlen – und wie viel Sie bereit sind an Gebühren zu bezahlen.

Worauf sollte ich beim Kauf eines Anleihen-ETFs achten?

Beim Investment in einen Anleihen-ETF sollten Sie auf verschiedene Punkte achten. Die wichtigsten im Überblick:

  • Kosten: Wie teuer ist das Investment? Hier sollten Sie am besten auf die Gesamtkostenquote achten, die sogenannte "Total Expense Ratio", kurz "TER". In der Regel liegt diese für Anleihen-ETFs bei 0,1 und 0,5 Prozent der Anlagesumme pro Jahr.
  • Index: Welchen Index bildet der Anleihen-ETF nach? Der zugrundeliegende Index ist maßgeblich entscheidend dafür, wie hoch das Risiko des Investments ist. Wenn ein Index nur Staatsanleihen von Schwellenländern umfasst, ist das Risiko höher, dass diese die Anleihe nicht mehr bedienen können. In diesem Fall könnten Sie Ihr Geld verlieren.
  • Kursentwicklung: Wie hat sich ein ETF in der Vergangenheit entwickelt? Hieraus können Sie zwar keine direkte Ableitung für die künftige Wertentwicklung – und damit Ihre Erträge – ziehen. Die vergangene Kursentwicklung kann aber durchaus einen Anhaltspunkt für die Investmententscheidung bieten.
  • Ausschüttungsart: Soll der Zins ausgezahlt oder direkt wieder angelegt werden? Im ersten Fall sollten Sie in einen sogenannten ausschüttenden Anleihen-ETF investieren. Hier profitieren Sie jedoch nicht so stark vom Zinseszinseffekt. Stattdessen können die Zinszahlungen auch gleich wieder angelegt werden. In diesem Fall sollten Sie in einen sogenannten thesaurierenden ETF investieren.
Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Finanztest
  • de.bergfuerst.com
  • fitformoney.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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