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Hebelprodukte: Wie funktionieren sie? Taugen sie für Einsteiger?

Anlagewissen  

Hebelprodukte: Leicht verdientes Geld oder viel zu riskant?

15.10.2020, 13:13 Uhr
Hebelprodukte: Wie funktionieren sie? Taugen sie für Einsteiger?. Ein Mann tippt auf einem Tablet (Symbolbild): Hebelprodukte versprechen großes Geld in kurzer Zeit. (Quelle: Getty Images/Jay Yuno)

Ein Mann tippt auf einem Tablet (Symbolbild): Hebelprodukte versprechen großes Geld in kurzer Zeit. (Quelle: Jay Yuno/Getty Images)

Mit wenig Kapital hohe Gewinne machen – oder alles verlieren. Mit Hebelprodukten ist beides möglich. Wir erklären, worauf Sie bei der Investition achten sollten und ob sich jeder an diese Geldanlage wagen kann.

Wenn es um Geld geht, tickt jeder Mensch ein bisschen anders: Manch einer hortet sein Einkommen auf dem Girokonto, wo es zwar sicher ist, aber keine Erträge bringt, ein anderer geht volles Risiko und spekuliert mit Derivaten. Zu dieser Art von Finanzinstrumenten zählen auch Hebelprodukte.

Was das genau ist, wie sie funktionieren und was alles darunter fällt, erfahren Sie in diesem Überblick. Und auch, wer lieber die Finger davon lassen sollte.

Was sind Hebelprodukte?

Hebelprodukte sind Finanzinstrumente aus der Gruppe der Derivate. Das wiederum sind Finanzprodukte, mit denen Sie nicht direkt in Aktien, Indizes, Währungen oder Rohstoffe investieren, sondern deren Preis sich nur von den zugrunde liegenden sogenannten Basiswerten ableitet. Daher kommt auch ihr Name: "derivare" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "ableiten". Sie besitzen keinen dieser Basiswerte, haben aber trotzdem Anteil an ihrer Entwicklung. 

Bei einem Derivat mit Hebel, also einem Hebelprodukt, können Sie um ein Vielfaches von der Entwicklung des Basiswerts profitieren – je größer der Hebel, desto stärker. Das bedeutet, dass Sie mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz hohe Renditen erzielen können. Aber: Sie hebeln damit im gleichen Maße auch Ihre Verluste – womöglich bis zum Totalverlust. Die Aussicht auf hohe Renditen gibt es also nur gegen hohes Risiko.

Wie funktionieren Hebelprodukte?

Allen Hebelprodukten ist gemein, dass Sie mit Ihnen sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen können, um überproportional an der Kursentwicklung des Basiswerts teilzuhaben, auf den sich das Hebelprodukt bezieht. Spekulieren Sie auf steigende Kurse, nennt sich das Hebelprodukt Long oder Call, wetten Sie auf fallende Kurse Short oder Put.

  • Nehmen wir an, Sie besitzen ein Produkt mit dem Hebel 4, das von einer Aktie abgeleitet ist und mit dem Sie auf steigende Kurse setzen. Tritt dieser Fall ein und die Aktie steigt um 2 Prozent, steigt Ihr Hebelprodukt nicht bloß um 2, sondern – wegen des Hebels 4 – um 8 Prozent. Fällt der Kurs der Aktie hingegen um 2 Prozent, fällt auch der Wert Ihres Hebelprodukts um das Vierfache. 

Was für Hebelprodukte gibt es?

Hebelprodukte ist ein Oberbegriff für viele verschiedene abgeleitete Finanzinstrumente, die alle unterschiedlich funktionieren. Zu den wichtigsten zählen Optionsscheine, Hebelzertifikate und sogenannte "Contracts-for-Difference" (CFDs)

Optionsscheine

Optionsscheine, auch Warrants genannt, sind der Klassiker unter den Hebelprodukten. Sie kaufen sich damit das Recht (nicht die Pflicht), einen bestimmten Basiswert zu einem vorab fest­geleg­ten Preis (Optionsprämie), innerhalb eines bestimmten Bezugs­verhält­nisses zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Option) oder innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens (amerikanische Option) zu kaufen oder zu verkaufen.

Wie teuer ein Optionsschein ist, hängt entscheidend von seiner Laufzeit ab: Je kürzer die Restlaufzeit, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich der Kurs des Basiswerts stark ändert – und desto geringer ist deshalb auch der Preis. Herausgeber dieser Papiere sind oft Banken. Die Begriffe Optionsscheine und Option werden häufig synonym verwendet.

Mit Optionsscheinen wetten Sie auf eine bestimmte Kursentwicklung, müssen Ihre Option aber nicht nutzen, wenn die Wette nicht aufgeht. Ihr für den Optionsschein eingesetztes Kapital, die Optionsprämie, hätten Sie dann aber natürlich trotzdem verloren.

  • Ein Beispiel: Sie kaufen einen Optionsschein, der Sie dazu berechtigt, eine Aktie an Tag x für 100 Euro zu kaufen – ganz egal, bei welchem Kurs die Aktie an Tag x tatsächlich steht. Für dieses Recht wird eine Optionsprämie von 10 Euro fällig. Damit sich das für Sie lohnt, muss die Aktie an Tag x bei mehr als 110 Euro stehen, denn dann hätten Sie die Prämie von 10 Euro wieder reingeholt und noch etwas Gewinn gemacht, wenn Sie von Ihrer Option Gebrauch machen. Je weiter die Aktie über 110 Euro liegt, desto mehr Gewinn für Sie. Liegt sie hingegen unter 100 Euro, zum Beispiel bei 97 Euro, ergibt es keinen Sinn, Ihre Option zu nutzen. Denn dann hätten Sie nicht nur die 10 Euro Prämie verloren, sondern zusätzlich noch 3 Euro. Ziehen Sie Ihre Option nicht, verlieren Sie "nur" die Prämie. Würde die Aktie zwischen 100 und 110 Euro liegen, zum Beispiel bei 105 Euro, sollten Sie die Option nutzen, um wenigstens nur die halbe Prämie zu verlieren. 

Gut zu wissen: In diesem Beispiel ist das Bezugsverhältnis 1:1, weil der Optionsschein Ihnen das Recht gibt, eine Einheit des Basiswerts (also eine Aktie) zu kaufen. Es gibt aber auch andere Bezugsverhältnisse, zum Beispiel 10:1. Dann benötigen Sie zehn Optionsscheine, um eine Einheit des Basiswerts zu kaufen oder zu verkaufen.

Hebelzertifikate

Auch mit Hebelzertifikaten können Sie auf die Kursentwicklungen von Aktien, Indizes, Rohstoffen und Co. spekulieren und dabei überproportional gewinnen oder verlieren. Es gibt viele verschiedene Arten von Hebelzertifikaten, zum Beispiel Knock-out-Zertifikate und Faktor-Zertifikate.

Bei allen Zertifikaten – ob mit Hebel oder ohne – handelt es sich rechtlich um Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank. Das heißt: Geht diese pleite, ist Ihr eingesetztes Kapital Teil der Insolvenzmasse – und höchstwahrscheinlich komplett verloren.

Bei Knock-out-Zertifikaten errechnet sich die Höhe des Hebels aus dem aktuellen Stand des Basiswerts und einem festgelegten Basispreis, auch Strike genannt. Der Strike ist häufig auch die Knock-out-Schwelle. Es gilt: Je näher der Kurs oder Preis des Basiswerts dem Strike kommt, desto höher ist der Hebel, um das Produkt für Anleger attraktiv zu machen.

Denn je näher die Knock-out-Schwelle, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Basiswert diese Schwelle erreicht und der namensgebende Knock-out eintritt. Das Zertifikat ist dann nichts mehr wert – die Folge: Totalverlust.

Bei Faktor-Zertifikaten gilt jeden Tag aufs Neue ein bestimmter Faktor, mit dem die Kursentwicklung multipliziert wird – positiv wie negativ. Allerdings sollten Sie diese Zertifikate nicht länger als einen Tag halten. Als Faustregel gilt: Je höher der Hebel, desto wahrscheinlicher geht das Geld verloren.

Faktor-Zertifikate haben keine Knock-out-, sondern eine Anpassungsschwelle. Sie soll den Totalverlust verhindern, indem der Wert des Zertifikats bei heftigen Kurseinbrüchen nicht unter eine festgelegte Grenze sinken kann. Diese liegt aber meist nur kurz vor dem Totalverlust – Sie haben damit in der Praxis also nicht viel gewonnen.

Außerdem ist ein Totalverlust trotzdem möglich – selbst wenn sich der Kurs des Basiswerts nur "seitwärts" entwickelt, sich also über einen längeren Zeitraum kleine Ausschläge nach oben und unten abwechseln. Dann entsteht eine sogenannte negative Seitwärtsrendite – nicht gut für Sie als Anleger. Die mathematische Logik dahinter ist nicht besonders intuitiv.

"Contracts-for-Difference" (CFDs)

CFDs nennt man auf Deutsch auch Differenzkontrakt oder Differenzvertrag. Sie schließen damit einen Vertrag auf die Differenz zwischen dem Kurs des Basiswerts bei Vertragsabschluss und dem Kurswert bei Vertragsende. Diesen Unterschied bekommen Sie ausgezahlt, wenn sich der Kurs in die Richtung entwickelt hat, auf die Sie spekuliert hatten. Andernfalls müssen Sie die Differenz zum Ausgangskurs zahlen. Ihre Verluste sind allerdings auf das verfügbare Guthaben auf dem CFD-Konto begrenzt.

CFDs haben keine Laufzeit, keine Knock-out-Schwelle, bei der sie wertlos verfallen, und bilden den Basiswert exakt 1:1 ab. Einen Hebel gibt es durch die sogenannte Margin (Sicherheitsleistung). Wenn Sie in CFDs anlegen, müssen Sie nur einen Bruchteil des Vertragswerts als Sicherheit hinterlegen, haben aber vollständig an der Kursentwicklung des Basiswerts teil. Wohlgemerkt: wieder sowohl an Gewinnen als auch Verlusten.

  • Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie wollen von einer Kurssteigerung des Dax profitieren. Liegt dieser bei 10.000 Punkten, von denen jeder 1 Euro wert ist, hätte ein CFD darauf einen Gesamtwert von 10.000 Euro. Zahlen müssen Sie dafür aber je nach Hebel deutlich weniger. Liegt der Hebel zum Beispiel bei 1:20, müssten Sie nur 500 Euro einsetzen, also ein Zwanzigstel der Summe, die bei einem Direktinvestment fällig geworden wären. Steigt der Dax nun auf 10.200 Punkte, entstünde ein Gewinn von 200 Euro beziehungsweise 40 Prozent, wohingegen der Gewinn bei einem Direktinvestment nur 2 Prozent gewesen wären.

Sind Hebelprodukte für Einsteiger geeignet?

Kurz und knapp: nein. Wer in Hebelprodukte investiert, geht große Risiken ein, weil der Hebel auch im Falle eines Verlustes voll zuschlägt. Je nach Produkt kann das so weit führen, dass Sie Ihr gesamtes eingesetztes Kapital verlieren – oder sogar darüber hinaus.

Hebelprodukte sind deshalb nur etwas für geübte Anleger, die genau verstehen, wie das Investment funktioniert und das Geld erübrigen können, das sie verwetten. Laut Börsengesetz ist es Banken sogar untersagt, Anlegern den Handel mit Hebelprodukten zu gestatten, wenn diese sich nicht damit auskennen.

Die Alternative für Anfänger: ETFs

Einsteiger sollten sich nicht vom Versprechen nach schnellen Gewinnen locken lassen, sondern langfristig und mit Bedacht anlegen. Das funktioniert vergleichsweise bequem und günstig mit einem Sparplan auf einen Indexfonds, kurz ETF ("Exchange Traded Funds). ETFs bilden mithilfe eines Computeralgorithmus einen bestimmten Aktienindex ab, zum Beispiel den internationalen Index MSCI World.

Das bedeutet, dass Sie bei einer Anlage in einen ETF mit wenig Geld in die gesamte Weltwirtschaft investieren können. So streuen Sie Ihr Risiko, weil sie es auf viele verschiedene Karten gleichzeitig setzen. Wenn Sie nun noch mindestens 15 Jahre Zeit mitbringen, können Sie sogar heftige Kurseinbrüche aussitzen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Finanztip
  • bergfuerst.de
  • finanzen.net
  • boerse.ard.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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